Vortrag über Günther Quandt
12. Januar 2012: Nach dem Ersten Weltkrieg gelang dem märkischen Textilunternehmer Günther Quandt ein geradezu atemberaubender Ausbruch aus der Provinz. Dies gelang 1922 besonders durch den Einstieg beim größten deutschen Produzenten von Akkumulatoren, der von Hagen und Berlin aus weltweit operierenden Accumulatoren-Fabrik (AFA). Prof. Dr. Joachim Scholtyseck, Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn, beleuchtet in seinem Vortrag am Donnerstag, 19. Januar, um 19.30 Uhr im Historischen Centrum Hagen, Eilper Straße 71-75, den Aufstieg von Quandt zum Großindustriellen.
Quandts Beteiligung, die noch in den 1920er Jahren zum Mehrheitsbesitz ausgebaut wurde, war die Eintrittskarte in den prosperierenden und zukunftsträchtigen Weltmarkt der Elektrobranche. Die Produktionsstrukturen der AFA wurden nicht grundlegend geändert, und die Rationalisierungen und Modernisierungen, die nicht nur in Deutschland die Stellung als unbestrittener Marktführer sicherten, beruhten auf Strukturen, die lange vor 1922 eingeführt worden waren, von Quandt jedoch gepflegt und ausgebaut wurden. Der Erfolg setzte sich in der Zeit des Nationalsozialismus ungebremst fort.
Quandt lernte allerdings auch die Unwägbarkeiten der Diktatur am eigenen Leib kennen, zumal 1933 eine Zeit lang die Gefahr bestand, die AFA zu verlieren, als in Hagen und Berlin nationalsozialistische „Kommissare“ versuchten, Einfluss auf die Geschäftsleitung zu nehmen. Als die AFA 1936 ein hochmodernes neues Werk in Hannover aufbaute, geriet das Werk Hagen zwar ins Hintertreffen, profitierte jedoch ebenfalls von Konjunkturaufschwung und Motorisierungstrend. Im Zuge der Aufrüstung wurde die Wehrmacht in immer größerem Umfang Kunde und im Krieg schließlich fast der einzige Abnehmer von Akkumulatoren und Batterien.
Durch die ebenso große wie unberechtigte Sorge vor Konkurrenten angetrieben, blieb die AFA auf dem Batteriesektor nach 1939 europaweit fortwährend um Zukäufe und Beteiligungen auf freiwilliger sowie erzwungener Basis bemüht. Als Lieferant der Wehrmacht beschäftigten die AFA-Werke im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Nach 1945 wurde zwar das AFA-Werk Hannover zum Zentrum des Wiederaufstiegs der Quandt-Firmen, aber Hagen blieb dank seiner Techniker, Ingenieure und Forschungsabteilungen ein wichtiger Baustein des „Wirtschaftswunders“ in der Bundesrepublik.
Von Prof. Dr. Joachim Scholtyseck erschien im Herbst 2011 das Buch „Der Aufstieg der Quandts. Eine deutsche Unternehmerdynastie“. Der Vortragsabend wird finanziert und gefördert durch den Verein Pro Stadtgeschichte Hagen e.V. Der Eintritt ist frei.
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