Kindertagespflege: mit Kopf, Herz und Hand für die Kleinsten
Mittwoch, 10.September 2025Kindern unter drei Jahren eine ganzheitliche Bildung in einem familiären Betreuungsrahmen bieten – das ist die spannende, abwechslungsreiche und zugleich anspruchsvolle Aufgabe der Kindertagespflege. Doch was ist die Kindertagespflege und welche Vorteile bietet sie für Eltern?
Die Kindertagespflege ist eine gleichwertige Betreuungsform zur Kindertageseinrichtung, die rechtlich unter anderem im Sozialgesetzbuch (SGB) VIII und im Kinderbildungsgesetz (KiBiz) NRW verankert ist. Der gesetzlich definierte Bildungs-, Erziehungs-, und Betreuungsauftrag mit Fokus auf individueller Förderung, emotionaler Sicherheit, sozialer Integration und ganzheitlicher Bildung gilt daher gleichermaßen für Kitas und die Kindertagespflege. Dieser wird in der Kindertagespflege nach den Bildungsgrundsätzen des Landes NRW umgesetzt: Sprache und Kommunikation, Bewegung und Körperwahrnehmung, Soziale Bildung, Kulturelle Bildung, Natur- und Sachbegegnung, Mathematisches Denken sowie die Musisch-ästhetische Bildung. Auf Grundlage ihrer aktuellen und individuellen Entwicklung werden die Kinder in alltäglichen Situationen wie beim Essen oder Anziehen sowie über gezielte pädagogische Angebote gefördert. Die Förderung und Entwicklung dokumentieren die Kindertagespflegepersonen in Form von Beobachtungsbögen, Entwicklungsnotizen und Portfolios.
Feste Bezugsperson in familiärer Umgebung
Eine Kindertagespflegeperson betreut kleine Gruppen von bis zu fünf Kindern im eigenen Haushalt oder in angemieteten, wohnlichen Räumen. Dieser familienähnliche Rahmen bietet den Kindern eine Orientierung an Alltagssituationen, beispielsweise durch Aufräumen und Vorlesen, individuelle Ruhezeiten, angepasst an den Schlafrhythmus der Kinder, sowie flexible, sichere Routinen, die das Kind emotional stabilisieren. Die kleinen Gruppen ermöglichen intensive eins-zu-eins Interaktionen und entschleunigte, klare Tagesstrukturen. Ebenso kann die Kindertagespflegeperson feinfühlig auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder reagieren und eingehen. Durch die feste Bezugsperson baut das Kind eine sichere Bindung auf, erlernt soziale Kompetenzen und wird darin bestärkt, eigene Interessen zu entfalten. Diese Bindung bildet die Grundlage für Bildungsprozesse, Explorationsverhalten und Selbstregulierung der Kinder.
Eltern als Bildungspartnerinnen und -partner
Die enge Zusammenarbeit mit den Eltern ist ein zentrales Merkmal der Kindertagespflege, denn eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Eltern und der Kindertagespflegeperson stärkt das Kind. Neben täglichen „Tür-und-Angel-Gesprächen“ finden mindestens einmal jährlich Entwicklungsgespräche statt, ebenso besteht jederzeit Raum für Austausch zu Erziehungsfragen, Übergängen, der Alltagsgestaltung oder vielen weiteren Themen. So werden die Eltern als Expertinnen und Experten für ihr Kind wahr- und ernst genommen. Die gemeinsame Eingewöhnung in der Kindertagespflege findet vorzugsweise nach dem Berliner Modell statt.
Im Unterschied zu Kindertageseinrichtungen bietet die Kindertagespflege bedarfsgerechte Betreuungszeiten an und ermöglicht Flexibilität besonders für Eltern, die unregelmäßige Arbeitszeiten haben oder im Schichtdienst tätig sind. So kann die Kindertagespflege tage- oder stundenweise angeboten werden oder zu einer früheren Uhrzeit beginnen sowie später enden als die klassischen Kita-Öffnungszeiten. Es ist auch möglich, die Betreuung ergänzend zur Kita zu nutzen, beispielsweise als Randzeitenbetreuung.
Qualifikation der Kindertagespflegeperson
Für die Arbeit als Kindertagespflegeperson sind einige pädagogische Qualifikationen erforderlich. So müssen ein pädagogisches Grundverständnis erworben, ein pädagogisches Konzept vorgelegt und eine Grundqualifizierung mit 300 Unterrichtseinheiten nach dem kompetenzorientierten Qualifizierungshandbuch QHB für die Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern unter drei Jahren absolviert werden. Die pädagogischen Inhalte umfassen unter anderem die Themen Bindung und Beziehung, Entwicklungspsychologie von null bis drei Jahren, Kinderschutz sowie Ernährung und Pflege. Zudem frischen Kindertagespflegepersonen regelmäßig die Erste-Hilfe-Kurse am Kind auf. Die pädagogische Fachberatung und kontinuierliche Fortbildung sichern die hohe Qualität der pädagogischen Arbeit ebenso wie Gespräche mit den Eltern, Vernetzungstreffen und die Einsicht in Bildungsdokumentationen. Hinzu kommen regelmäßige fachliche und räumliche Überprüfungen durch das Jugendamt.
Kindertagespflegeperson in der Großtagespflege
Eine Ergänzung zu den Angeboten der Kindertagespflege im eigenen Haushalt und der Kindertageseinrichtungen stellt die Großtagespflege dar. Die Großtagespflege ist in Nordrhein-Westfalen eine anerkannte Form der Kindertagespflege nach § 22 ff. SGB VIII und nach dem KiBiz NRW. Dort betreuen in der Regel zwei qualifizierte Kindertagespflegepersonen gemeinsam bis zu neun gleichzeitig anwesende Kinder. Dieses Betreuungsmodell verbindet die Vorteile einer kleinen, familiennahe Gruppe mit der Zusammenarbeit von zwei Betreuungspersonen. Kinder profitieren von verlässlichen Bezugspersonen, einem überschaubaren Alltag sowie individuell abgestimmten Fördermöglichkeiten. Gleichzeitig sammeln sie erste Erfahrungen in einer Gemeinschaft mit mehreren Kindern.
Die Großtagespflege wird vom örtlichen Jugendamt vermittelt und begleitet. Dieses prüft die pädagogische Eignung der Kindertagespflegepersonen, die Geeignetheit der Räumlichkeiten sowie die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Damit wird die Qualität der Betreuung regelmäßig sichergestellt.
Weitere Informationen zur Kindertagespflege in Hagen und zur Arbeit als Kindertagespflegeperson finden Interessierte auf der Seite www.hagen.de/kindertagespflege .