Löschgruppe Chronik


Zur Vorgeschichte:

In den "Zusätzlichen Bestimmungen zur Feuer-Polizei-Ordnung" vom 30.11.1841 für den Kreis Iserlohn, die am 28.06.1843 von der Abteilung des Innern bei der königlichen Regierung in Arnsberg genehmigt wurden, finden sich auf den Seiten 3 und 4 auch konkrete Hinweise auf die Feuerwehr im "Bezirk Limburg". Es heißt dort: "Die Gemeinde Limburg besitzt zwei große Feuerspritzen, wovon eine in Limburg und die andere in der Nahmer aufgestellt ist. Die nötigen Eimer, Leitern und Hafen sind vorhanden; außerdem müssen noch zu jeder Spritze drei Löschwische, eine Laterne und eine Axt angeschafft werden.


Illustriert man diesen Text mit wenigen Worten, so muß man sagen, daß die großen Spritzen Handspritzen waren, die per Pferdegespann an den Löschort gebracht werden mussten. Feueralarm - damals noch "Feuerlärm" genannt - rief der Nachtwächter aus. Bestenfalls stand eine Glocke zur Verfügung. Der "Brandvorsteher", kenntlich nur durch eine hellrote Binde am linken Arm, leitete den Einsatz, der oft genug in einer Löschaktion mittels der ledernen Wassereimer bestand.


Wie alles begann:

Ein Brand bei der Firma Chr. Ad. Fißmer (später bekannt als Oeger Stahlbau) in der Obernahmer im März des Jahres 1900 rief eine Anzahl Nahmer Bürgern auf den Plan, die die Notwendigkeit erkannten, in dem damals noch industriereichen Nahmertal eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Nach einigen vorbereitenden Besprechungen fanden sich dann am 19. Mai 1900 im Lokal des Gastwirtes Gustav Oberhoff jr. folgende Bürger zu der Gründerversammlung zusammen:

  • Friedrich Heidemeyer, Ludwig Heidemeyer, Heinrich Voßwinkel, Heinrich Finke, Wilhelm Hüsecken, Ewald Hütsch, Wilhelm Becker, Heinrich Lindenberg, Heinrich Kattwinkel, Albert Ambrock, Heinrich Heidemeyer, Fritz Voß jr., E. Erkelenz, Wilhelm Reuter, Carl Döpper, Wilhelm v. d. Heide, Gustav Scherr, Emil Ummelmann, Gustav Oberhoff jr., Wilhelm Schäfer, Ludwig Rummenhohl, Carl Stolle, Heinrich Boecker, Wilhelm Wolf, Fritz Neugeborn, Wilhelm Hermeling, Carl Baake, Adolf Wirminghaus, Carl Schmidt, Wilhelm Baake, Carl Hüsecken, Heinrich Heggemann jr. , Heinrich Bergmann , Gustav Klinker

Zum 1. Hauptmann wurde damals Gustav Oberhoff gewählt. Unter der zielbewußten Führung dieses Kameraden nahm die Entwicklung des Feuerlöschwesens in der Nahmer einen sehr schnellen Aufstieg. Stand man bei der Gründung vor einem Nichts und türmten sich fast unübersehbare Schwierigkeiten auf, so war es doch unter Beteiligung der gesamten Nahmer Bürgerschaft sowie der Industrie in verhältnismäßig kurzer Zeit möglich, einen handgezogenen Zug, bestehend aus einem Leiterwagen, einer Hand-Saug- und Druckpumpe und einem Schlauchkarren, zu beschaffen. Ein Gerätehaus mit Steigerturm wurde an der Obernahmerstraße mit Hilfe der Stadtverwaltung errichtet.

Der erste Weltkrieg 1914 - 1918 gebot in gewisser Beziehung Einhalt. Von den ins Feld gezogenen Kameraden haben wir 5 Kameraden als Gefallene zu beklagen. In der Nachkriegszeit fand der Feuerwehrbetrieb durch Zugang junger Kräfte schnell wieder den alten Schwung. Im Zuge der fortschreitenden Technik stellte man im Jahre 1927 eine 800 Liter Motorspritze (TS 8 mit TSA) in den Dienst, während im Jahre 1929 ein 2,5 t Opel Mannschaftswagen angeschafft werden konnte. Auch hierbei zeigte sich wieder der Opfersinn der Bürgerschaft, ein Beweis für das Vertrauen, das sie in ihre Feuerwehr setzte.

Übung auf dem Hobräcker Rücken 1930 Übung auf dem Hobräcker Rücken 1930

In den Jahren 1933 - 34 wurden den Feuerwehren neue Aufgaben zugewiesen, sowie organisatorische Änderungen vorgenommen. Die bisher in unserem Stadtgebiet vorhandenen vier Freiwilligen Feuerwehren mussten zu einer Wehr verschmolzen werden. Im Zuge dieser Neuordnung bestanden nunmehr in der Nahmer die Löschgruppe 3 unter Führung von Brandmeister Mürmann und die Löschgruppe 4 unter Führung von Brandmeister Fastenrath. Die Gesamtführung dieser beiden Löschgruppen lag in den Händen des Hauptbrandmeisters Walter Hüsecken, nachdem der langjährige und verdienstvolle Oberbrandmeister Oberhoff sein Amt niedergelegt und zur Alters- und Ehrenabteilung übergetreten war. Im September 1937 war HBM. Walter Hüsecken aus gesundheitlichen Gründen leider gezwungen, ebenfalls die Leitung der beiden Löschgruppen und sein bisheriges Amt als stellvertretender Wehrführer niederzulegen. Während seiner Amtszeit war der Gerätebestand der Löschgruppe 3 um eine mechanische Leiter ergänzt worden. Nunmehr übernahm Kamerad Mürmann als Oberbrandmeister die Leitung der beiden Löschgruppen, während Kamerad Ernst Hüsecken zum Brandmeister der Löschgruppe 3 berufen wurde.


Der zweite Weltkrieg brachte wie für alle Wehren auch für unsere Löschgruppe schwere Belastungen. Im Dezember des Jahres 1942 wurden die bis dahin vorhandenen Löschgruppen 3 und 4 zu einer Löschgruppe zusammengelegt und der jetzigen Löschgruppe 3 ein Löschfahrzeug mit eingebauter 1.500 Liter Motorpumpe (LF 15) seitens der Stadt zur Verfügung gestellt. Durch dieses Gerät wurde die Löschgruppe in die Lage versetzt, allen an sie herantretenden Forderungen gerecht zu werden. Zahlreiche Einsätze in den bombardierten Städten des Ruhrgebietes und Rheinlandes haben von den Kameraden der Löschgruppe das Letzte an Einsatz und Opferbereitschaft verlangt. Unter Führung des Obm. Mürmann überstand die Löschgruppe auch die Zeit des Zusammenbruchs in geschlossener Einheit. Bereits im Juli 1945 konnte der Übungsdienst wieder aufgenommen werden. Leider hat auch dieser Krieg wieder schmerzliche Opfer von unserer Gruppe verlangt. Drei Kameraden haben wir als Gefallene und vier als Vermisste zu beklagen.

In den Nachkriegsjahren hat die Löschgruppe bei zahlreichen Bränden ihre Schlagfertigkeit schon wieder unter Beweis stellen können. Auch kameradschaftlich wuchs die Gruppe weiter zusammen. Dies zeigte sich z. B. auf der ersten Löschgruppenfahrt nach dem Krieg zum Hermannsdenkmal sehr deutlich. Im Jahre 1954 wurde ein zweites Fahrzeug in den Dienst gestellt. Es handelt sich um ein Mannschaftstransportfahrzeug (MTF), das die restlichen Männer der Löschgruppe schnell zur Einsatzstelle brachte.

Übungsabend um 1960 Übungsabend um 1960

Im Jahre 1961 wurde BM. Ernst Hüsecken zum Oberbrandmeister und stellvertretenden Wehrleiter durch den Rat der Stadt ernannt. Nach 42jähriger Tätigkeit im Feuerwehrwesen schied im Jahre 1965 der BM. Wilhelm Brocksieper aus dem aktiven Feuerwehrdienst der Löschgruppe aus. 1966 trat Kamerad OBM. stellvertretender Wehrleiter Ernst Hüsecken in den Ruhestand. Danach übernahm BM. Friedhelm Koenig die Löschgruppe Nahmer. Ein Tanklöschfahrzeug (TLF 16) konnte im Dezember 1966 in den Dienst gestellt werden.


Im Oktober 1968 wurde ein Umzug getätigt. Die Löschgruppe Nahmer zog gleichzeitig mit den LG 1 und 2 einschließlich Krankentransportdienst in das neue Gerätehaus an der Gasstraße um. Das bis dahin so vertraute und alte Gerätehaus bei der Firma Krupp (Wurag) hatte somit ausgedient.

Nach der Eingemeindung der damaligen Stadt Hohenlimburg zur kreisfreien Stadt Hagen behielt die Löschgruppe weiterhin ein TLF 16, ein MTW sowie eine DL 30H. Das Tanklöschfahrzeug wurde später immer wieder durch ein neueres Fahrzeug dieser Art, welches aus den Beständen der Berufsfeuerwehr Hagen kam, ersetzt.

Auch heute ist die Einheit Nahmer im Besitz eines Tanklöschfahrzeuges (TLF 16/25) sowie einer Drehleiter des Typs DLK 23/12. Der MTW der zwischenzeitlich ebenfalls erneuert wurde ist mittlerweile ausgemustert worden und soll in naher Zukunft ersetzt werden. Weiterhin erhielt die Löschgruppe auf Grund des großen Waldbestandes im Einheitsgebiet im Jahre 1995 ein TLF 16/24 Tr. auf Unimogfahrgestell. Somit ist auch das Erreichen von Einsatzstellen in unwegsamen Gelände kein großes Problem mehr. Durch die Tatsache das die Einheit Nahmer im ersten Abmarsch die Drehleiter für den gesamten Ausrückebereich Ost besetzt, hat sich seither die Einsatzhäufigkeit sehr erhöht. Was natürlich auch zur verstärkten Motivation der Truppe führte.


Neben den zahlreichen Brandeinsätzen und Rettungsaktionen mit der DLK sollen vor allem zwei Einsätze genannt werden ,die diese Wehr in besonderem Masse gefordert haben. Zum einen ein Waldbrand auf dem Schleipenberg bei dem 100.000 m² Wald zerstört wurden, und die Einsatzkräfte vom 05. – 07.08.1994 tätig waren. Dieser Einsatz trug auch mit dazu bei, dass unsere Einheit im darauffolgenden Jahr mit dem obengenannten TLF 16/24 Tr. ausgestattet wurde.

Zum anderen der Einsatz vom 09.01.1996. Hier war ein LKW auf der Obernahmerstraße ungebremst in ein Treppenhaus der Firma Hoesch gefahren. Gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr Hagen war man über zwei Stunden damit beschäftigt, den Fahrer des LKW aus dem Wrack zu befreien. Nachdem dies mit gemeinsamen Kräften endlich gelungen war, mussten wir am späten Nachmittag erfahren, das der Fahrer dennoch im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen war.


Dieses Beispiel zeigt mit welchen psychischen Belastungen auch eine Freiwillige Feuerwehr in Hagen schon einmal konfrontiert, obwohl eine Berufsfeuerwehr vorgehalten wird. Jedoch hat auch dieser Einsatz - wie so viele andere - einmal mehr gezeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen Freiwilliger und Berufsfeuerwehr sehr gut verläuft.


In der jüngeren Zeit gab es folgende personelle Veränderungen in der Einheit: Seit dem 08.01.1994 war Dirk Wachler neuer Löschgruppenführer da Friedhelm Koenig altersbedingt im Jahre 1996 in die Alters- und Ehrenabteilung übertreten musste. Zum 31.12.1999 legte Dirk Wachler sein Amt aus persönlichen Gründen nieder. Neuer Einheitsführer der Löschgruppe Nahmer ist seit dem 01.01.2000 Torsten Rummenhohl.

Die Kreisstraße 24 in Richtung Veserde Die Kreisstraße 24 in Richtung Veserde

Als weiteres, besonderes Ereigniss sind die Unwettereinsätze im Rahmen von "Kyrill" zu nennen. Die Löschgruppe Nahmer absolvierte mit ihrer Drehleiter mehr als 80 Einsätze in 4 Tagen. Zusätzlich arbeitete die Löschgruppe, zusammen mit den Einheiten aus Oege und Hohenlimburg-Mitte, zahlreiche Einsatzstellen im gesamten Hagener Stadtgebiet ab.

Die in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verschwundene Fahne der Löschgruppe Nahmer ist bis zum heutigen Tage nicht aufzufinden. Darum entschied man sich im Jahr 2005 zu einer Neubeschaffung. Im Januar 2011 war es dann endlich zu weit. Vier Kameraden der Löschgruppe nahmen die neue Fahne bei einem namenhaften Hersteller in Empfang.

Nach mehr als 24 Jahren im Einsatzdienst wurde im Mai 2012 das alte TLF 16/25 außer Dienst gestellt. Als Ersatz konnte ein nagelneues TLF 16/25 in Empfang genommen werden. Weitere Inofrmationen unter "Gerätehaus & Fahrzeuge"