Löschgruppe Tücking: Chronik

von Erich Koch "100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Tücking"


Die Geschichte unserer Einheit ist eng mit der Geschichte der Stadt Haspe verbunden.


Bis zur Verleihung der Stadtrechte im Dezember 1873 durch den Deutschen Kaiser und König von Preußen, Wilhelm I., gehörte die Bauernschaft Haspe zum Gemeindebund Enneperstraße.


Die Häuser im Tale waren vorwiegend in Fachwerkbauweise errichtet. Die Wäsche wurde im Fluß Ennepe gewaschen. Auf dem Tücking gab es nur ein paar Gehöfte, in der Geweke zwei Häuser. Das Trinkwasser wurde noch aus Brunnen oder Teichen entnommen.


In der Gemeinde Westerbauer wurden Hausbesitzer verpflichtet, Feuerlöscheimer und Leitern im Hause zu lagern. Die Löscheimer wurden mit der Hausnummer beschriftet. Alle Bürger mußten bei einem Brand laut lärmend zum Brandort eilen und sich mit den mitgebrachten Löscheimern an den Löscharbeiten beteiligen.


Bevor es auf dem Tücking zur Bildung einer eigenen Freiwilligen Feuerwehr kam, muß man unsere Heimatgeschichte bis zur ersten Gründung einer Hasper Bürgerfeuerwehr zurückdrehen.


Im Jahre 1881 kam es nach dem Willen der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Haspe zur Gründung der Freiwilligen Hasper Bürgerfeuerwehr.


Sie besaß zwei Abteilungen, eine rechts und eine links der Ennepe.

  • I. Abteilung Haspe und Hasperbach
  • II. Abteilung Tücking.

Leider löste sich die Hasper Bürgerfeuerwehr hiernach noch mehrmals auf.

Zum Wohle der Bürger war die Stadt Haspe ernstlich bemüht das Feuerlöschwesen wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Hasper Bürger wurden deshalb zur Mitarbeit in der Feuerwehr verpflichtet.


Bei einem Brand auf dem Tücking mußten die Anwohner hilflos und verzweifelt mit ansehen, wie ihr Hab und Gut ein Raub der Flammen wurde. Bis man die Feuerlöschgeräte aus dem Tal zum Tücking schaffte, war es schon zu spät und es gab nichts mehr zu retten. Die Feuerlöschgeräte und die Feuerspritze mußten mit der Hand zum Brandort transportiert werden.


Erst im Jahre 1886 begann die Stadt Haspe mit dem Wegebau der Tückingstraße bis zur Gaststätte Blankenagel. Die Stadt Haspe hatte zum Jahresanfang 1895 10.000 Einwohner.

1895

Am Donnerstag den 6. Juni 1895 war es dann endlich soweit.

Die Freiwillige Feuerwehr Tücking wurde gegründet.


Nun hatte der Stadtteil Tücking eine eigene Feuerwehr. Sie war eine selbständige Feuerwehrabteilung mit eigenem Löschbezirk. Diese Abteilung war weiterhin ein Teil der Hasper Gesamtwehr.


Am 6. November 1895 feierte die Abteilung Tücking ihren Abschied von der Abteilung Haspe und wurde damit selbständig.



1896

Im April 1896 fand eine gemeinsame Übung mit der I. Abteilung Haspe auf dem Tücking statt. Die Löschgeräte waren in einem kleinen Anbau an der neuen Tückinger Volksschule untergebracht. Im Brandfalle wurde die Schulglocke geläutet.


Bei einer Versammlung der Gesamtwehr im Jahre 1896 beschwerten sich einige der anwesenden Feuerwehrleute darüber, daß Jungen auf der Straße in letzter Zeit die Feuersignale vielfach nachblasen würden. Die „Signalisten“ könnten die Signale im Alarmfalle nicht eindeutig deuten, so daß es öfters zu Mißverständnissen gekommen sei.


Hierzu sei dem Leser erläutert, daß es im Stadtgebiet von Haspe an verschiedenen Orten Feuermeldestellen gab. Dort wohnte ein Signalist, auch Hornist genannt, der im Alarmfalle das Feuerhorn in seinem ihm zugeteilten Straßenbezirk blasen mußte. Jeder Signalist, der das Tuten des Feuerhorns eines anderen Signalisten hörte, gab dieses Signal in seinem Straßenbezirk weiter. Die Feuerwehrmänner, die das Signal hörten, begaben sich dann schnellstens zum Feuerwehrgerätehaus.


1899

Im Mai 1899 wurde das 8. Westfälische Feuerwehrverbandstreffen in der Stadt Haspe durchgeführt. Die Zeitung schrieb auszugsweise darüber: „Einen solchen Festzug von beinahe über 100 Wehren mit 3000 Wehrleuten in den verschiedenen Uniformen und den zahlreichen Musikchören hat Haspe in seinen Mauern noch nicht erlebt“.


Anzeige der Firma E.C. Flader

1900

Als es bei der Witwe Blankenagel im Frühjahr 1900 brannte, konnte die defekte Tückinger Feuerspritze nicht eingesetzt werden. So mußte die Hasper Feuerspritze zu Hilfe gerufen werden, welches bei der langen und steilen Auffahrt äußerst beschwerlich war.


Wieder wurden die Tückinger am 23. Oktober um 23 Uhr 30 durch das Signalhorn aus dem Schlafe geweckt. Auf dem Stallboden eines Mietshauses war Feuer ausgebrochen. Die Tückinger Wehr war schnell zur Stelle und konnte das Feuer im Keim ersticken. Es konnte aber nicht verhindert werden, daß zwei fette Schweine und vier Ziegen in den Flammen umkamen.


Im November des gleichen Jahres fanden Besprechungen über die Beschaffung einer mechanischen Leiter und einer Feuerspritze für die Tückinger Abteilung statt. Es hatte sich in der Vergangenheit gezeigt, daß die Wehr bei einem Brand „Auf dem hohen Berge“ ganz allein auf sich gestellt war.


1901

Im Jahre 1901 wurde die neue Feuerspritze geliefert. Bei dem 40. Hasper Kirmeszug fuhr die Spritze als Nummer 33 unter dem Beifall der Zuschauer mit.


Im März brannte das in Fachwerkbauweise und schon lange nicht mehr genutzte alte Schulgebäude völlig nieder. Dieses alte Schulgebäude hatte damals den Standort zwischen der heutigen Kirche und dem jetzigen Gerätehaus.


Bei dem Wohnhausbrand des Herrn Senft in der Hallestraße am 10. Juli 1901 war die Tückinger Wehr rasch erschienen, wegen der schlecht funktionierenden Feuerspritze konnte das Feuer nicht erfolgreich bekämpft werden, so daß das Gebäude völlig niederbrannte.


In den Tückinger Waldungen brach am 18. Juli 1901 Feuer aus. Die Schüler der oberen Klasse der Tückinger Volksschule beteiligten sich bei den Löscharbeiten.


Auch bei den Brand am 2. Oktober 1901 auf dem Siepmannhof war die Tückinger Wehr schnell zur Stelle, doch wieder funktionierte die Feuerspritze nicht. Die Wehrleute waren wohl mit der neuen Technik überfordert.


1902

Am 26. Mai 1902 feierte die Tückinger Wehr ihr siebtes Gründungsfest mit einem kleinen Festzug und einer sehr gut besuchten Festveranstaltung. Polizeikommissar Hacker nahm in Vertretung des Bürgermeisters die feierliche Einweihung der neuen Feuerspritze vor.


1903

Am frühen Morgen des 21. August 1903 brannte das Wohnhaus des Heinrich Lollert auf dem Tücking vollständig nieder. Die Hasper Wehr unterstützte die Tückinger Wehr mit Schläuchen.


1904

1904 wurden Gelder für eine Schlauchaufhängung zum Trocknen der Schläuche für die Wehr bewilligt.


Hasper Zeitung, 3. Juni 1905

1905

Das zehnjährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Tücking wurde im Jahre 1905 groß gefeiert. Man beachte den Weckruf, der morgens in aller Frühe stattgefunden hat.


Im Jahre 1905 wurden die ersten automatischen Feuermelder in der Innenstadt von Haspe in Betrieb genommen. Wenn der Feuermelder betätigt wurde, ertönte ein lautes Klingeln.


Die Bürger wurden von der Stadtverwaltung Haspe in einer Anzeige in der Zeitung auf folgendes hingewiesen: „Die Beleidigung eines Feuerwehrmannes kann als Beamtenbeleidigung aufgefaßt werden und wird nach §196 Strafgesetzbuch bestraft werden“.


Das Haareschneiden beim Friseur kostete damals noch 35 Pfennige.


1907

Im Januar 1907 führten die Führer der einzelnen Feuerlöschabteilungen der Hasper Gesamtwehr die Dienstbezeichnung „Oberbrandmeister“.

Am 15. Februar 1907 kam es auf dem Werksgelände des Hasper Eisen- und Stahlwerkes, später die Hasper Hütte, zu einer großen Explosion, vier Tote und vier Verletzte waren zu beklagen.


1908

Der Tücking war ein beliebtes Ausflugsgebiet und wurde von den Bürgern aus Haspe und Vorhalle gerne besucht. So verstand es die Freiwillige Feuerwehr Tücking am 23. und 24. Mai 1908 ein großes Stiftungsfest zu feiern. Der Bürgermeister Frank von Haspe dekorierte die Feuerwehrleute, die ununterbrochen fünf und zehn Jahre treu zu ihrer Abteilung gehörten.


Die Zeitung berichtete ausführlich über dieses Fest, und der Bericht endete auszugsweise wie folgt: „Wäre das Wetter schön gewesen, dann hätte der Tücking, der jetzt in herrlichster Frühlingspracht daliegt, eine große Anziehungskraft auf Alt und Jung ausgeübt, und alles wäre hinaufgewandert zu der im frischen Grün prangenden Bergeshöh. Immerhin aber kann die Abteilung Tücking mit dem Verlauf ihres Festes zufrieden sein - Gut Schlauch!“.


Kameraden vor dem Schützenheim

1909

Im April 1909 wurden erste Gespräche zwischen den einzelnen Feuerwehrabteilungen über einen Zusammenschluß geführt. Es war beabsichtigt, die Feuerwehr unter einem Namen zusammenzuschließen. Die Gesamtwehr sollte den Namen führen "Freiwillige Feuerwehr Haspe".


Sie sollte in drei Abteilungen untergliedert sein.

I. Abteilung Haspe

II. Abteilung Westerbauer

III. Abteilung Tücking


Die Hasper Abteilung wurde wiederum in drei Löschzüge aufgeteilt.

I. Zug Mittelstadt

II. Zug Hasperbach

III. Zug Kückelhausen


1910

Die Abteilungen sollten aber weiterhin ihre Selbständigkeit behalten. Der Leiter der Gesamtwehr, Oberbrandmeister Pfingsten, wurde am 28. April 1910 zum Branddirektor ernannt.


1911

Im Januar 1911 erhält die Feuerwehrabteilung Tücking die Bezeichnung „Löschzug 4“.


Eine mehrmonatige Hitze im Jahre 1911 brachte eine große Not für Mensch und Tier. Die neuen installierten Feuermelder waren so aufgeteilt, daß die in der Nähe wohnenden Abteilungsführer an die Melder angeschlossen wurden.


Auf die Initiative einiger Hasper Bürger wurde eine Jugendfeuerwehr ins Leben gerufen, die aber leider nicht lange bestanden hat.


1912

Damals machte diese Meldung die Runde: „Im Oktober 1912 wurde bei dem Landwirt Gehersbach in der Geweke ein Kälbchen mit sechs Beinen geboren“.


Bei der Feuerwehrabteilung Tücking mußte im Jahre 1912 festgestellt werden, daß die Beteiligung der Feuerwehrleute an Übungen in der Vergangenheit sehr mangelhaft war. Es kam sogar soweit, daß man die Abteilung auflöste.


Im Dezember 1912 wurde vom Branddirektor Pfingsten mit dem voraussichtlichem Leiter der Tückinger Abteilung, Herrn Rasche, ein Gespräch geführt, baldigst wieder eine Abteilung ins Leben zu rufen.


1913

Am 7. Februar 1913 traf man sich wieder und gründete erneut die Tückinger Abteilung. Als Führer wurde Max Rasche gewählt. Mitanwesend waren die Bürgermeister Frank von Haspe, der Oberbürgermeister Hofmann und der Branddirektor Pfingsten. 21 Männer meldeten sich zur Mitarbeit.


Am 1. August 1913 wurde die Berufsfeuerwehr der Stadt Hagen aufgestellt.


1914

In dem Völkerringen des 1. Weltkrieges 1914 - 1918 wurden viele der Feuerwehrleute zum Kriegseinsatz herangezogen.


Am 18. Oktober 1914 übernahm M. Jäckel die Führung der Abteilung Tücking. Der bisherige Führer Rasche wurde zum Militärdienst eingezogen.


Leider sind in diesem Zeitraum wenige Aufzeichnungen über das Feuerwehrwesen zu finden.


1917

Im Juni 1917 läuteten die Glocken der Hasper Kirchen ihren Abschied, da sie für die Herstellung von Kanonen eingeschmolzen werden sollten.


1919

Oberbrandmeister Koch von der Abteilung Westerbauer wurde am 1. Februar 1919 als Leiter der Gesamtfeuerwehr gewählt. Er löste den Branddirektor Pfingsten ab, der seinen Wohnort von Haspe nach Halver verlegt hatte.


Bei der am 23. April 1919 durchgeführten Versammlung der Abteilung Tücking wurden Fritz Lollert zum 1. Führer und Paul Schmitz zum 2. Führer gewählt.


Zum Schutze des Gefangenenlagers und der Güterabfertigung wurde am 5. August 1919 verfügt, daß der Hydrantenwagen am Bahnhof Heubing untergestellt wurde. Die Löschzüge wurden jeweils wöchentlich zum Dienst herangezogen. Auf das Signal mit drei Böllerschüssen hatte sich der zum Dienst eingeteilte Löschzug unverzüglich auf dem Lagerplatz am Bahnhof Heubing einzufinden.


Der Bahnhof Heubing war ehemals für die Stadt Haspe neben dem Bahnhof Haspe am Stephansplatz/Haenelstraße ein stark besuchtes Gebäude. Mehrere Eisenbahngleise und Verladerampen mit Güterabfertigungen und Rangierbetrieb belebten diesen Stadtteil. Der Bahnübergang neben dem Bahnhof dürfte den älteren Lesern noch bekannt sein. Über die ehemalige Ladestraße zu den Güterabfertigungen führt jetzt die Straße „Am Heubinger Bahnhof“ zum Tücking.


Auch wenn der Krieg vorbei war, gab es dennoch unruhige Zeiten, sowohl politisch wie auch im öffentlichem Leben. Es gab wenig Arbeit und demzufolge wenig Geld. Es bildeten sich kriminelle Gruppen, die umherzogen und ihr Unwesen trieben. Im April 1919 trat eine Stadtwehr in Tätigkeit, die zusammen mit der Polizeibehörde die öffentliche Sicherheit wieder herstellte. Im Juli 1919 erhielt auch der Stadtteil Tücking eine Stadtwehr zum Schutze des Bürgereigentums.


Im November 1919 wurde die Turmglocke auf der Tückinger Volksschule zur Alarmierung der Feuerwehr wieder angebracht. Der Oberbrandmeister Koch, der als Leiter der Gesamtfeuerwehr gewählt worden war, wurde zum Branddirektor ernannt.


1920

1920 feierte die Abteilung Westerbauer ihr 25-jähriges Bestehen. Die Abteilung Tücking konnte an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen, weil die Feuerwehrleute unterschiedliche Uniformen trugen und deshalb zu bunt aussahen.


Aus dem Jahresbericht der Feuerwehr der Stadt Haspe konnte man entnehmen, daß es drei Waldbrände, fünf Brände an und in Gebäuden und einen Kaminbrand gegeben hat.


Die Hasper Stadtverwaltung war im Dezember 1920 damit einverstanden, daß die Feuerwehr von dem Eisenwerk Geweke mit drei aufeinanderfolgenden Tönen bei einem Brande alarmiert werden sollte.


Im Sommer 1920 wurden bis zu 50 Grad Hitze gemessen. Das Wasser wurde sehr knapp, so daß für den Stadtteil Tücking mit seinen großen Waldungen höchste Feuergefahr bestand.


1921

Die Abteilung Tücking sprach dann im Jahre 1921 bei den einzelnen Bewohnern vor, um die Wasserstellen, wie Brunnen und Teiche, sofort in Ordnung zu halten.


1922

Im Jahre 1922 wurde Paul Schmitz zum 1. Führer der Abteilung Tücking gewählt.


1923

Ein verheerendes Unwetter richtete hohen Sachschaden im Gebiet Hülsche und Geweke im März 1923 an.


1925

Am 18. Oktober 1925 wurde Caspar Blankenagel zum Führer der Abteilung Tücking gewählt. Jeweils an sieben Sonntagen im Jahr traf man sich zu Übungen.


1926

Aus dem Jahresbericht 1926 der Abteilung Tücking ist zu entnehmen, daß zwei Waldbrände und ein Brand im Eisenwerk Geweke zu verzeichnen waren. Die Mannschaft war 16 Mann stark.


Vom 9. bis zum 11. Juli 1926 nahm die Tückinger Wehr an dem 36. Westfälischen Feuerwehrverbandsfest in Hagen teil. Es kamen ungefähr vierzehntausend Feuerwehrleute nach Hagen. Die Feuerlöschvorführungen und die neue Feuerwehrtechnik begeisterten nicht nur die Feuerwehrleute, sondern auch die zahlreichen Zuschauer.


1928

Im Februar 1928 wurde von der Abteilung Tücking bei der Stadt Haspe ein Antrag auf Neubeschaffung einer Motorspritze gestellt, diese sollte die alte Handspritze ersetzen.


1929

Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurde die Stadt Haspe in den Großraum Hagen eingemeindet.


Am 1. August 1929 verlor die Stadt Haspe ihre Selbständigkeit und war von nun an ein Vorort von Hagen. Bis zur Einführung der Postleitzahlen im Jahre 1961 hieß es Hagen-Haspe.


Die Gesamtwehr der Stadt Haspe wurde aufgelöst; die einzelnen Hasper Feuerwehrabteilungen wurden mit in die Freiwillige Feuerwehr Hagen eingegliedert.


Die einzelnen Feuerwehrabteilungen hießen dann „Löschzug“:

  • Löschzug 7 Haspe
  • Löschzug 8 Westerbauer
  • Löschzug 9 Tücking

Die Feuerwehrabteilung Kückelhausen wurde aufgelöst und in den Löschzug 7 integriert.


Über Jahrzehnte konnte sich die Hasper Bevölkerung mit dieser Eingemeindung nicht abfinden.


1930

Weil einige Feuerwehrleute des Löschzuges Tücking bummelten und unpünktlich zum Dienst erschienen, legten am 1. November 1930 der 1. Führer Paul Schmitz und der 2. Führer Caspar Blankenagel ihre Ämter nieder.


Oberfeuerwehrmann Fritz Wingen übernahm vorläufig die Führung des Löschzuges, bis dann am 15. November 1930 der Oberfeuerwehrmann Paul Becker zum Brandmeister ernannt und zugleich zum 1. Führer gewählt wurde. 2. Führer wurde der Feuerwehrmann August Klös.


1931

Schon vier Monate später, am 18. März 1931 wurden auf der Versammlung Brandmeister August Schmalenbach zum 1. Führer und Brandmeister Ernst Schürmann zum 2. Führer gewählt.


Tückinger Volksschule, rechts mit Anbau für Feuerwehrgeräte

1932

Im Januar 1932 wurde der Feuerwehrgeräteschuppen an der Tückingschulstraße renoviert.


Die Tückinger Wehrleute bekamen von der Stadt Hagen einen Brandmeisterrock, sechs Hosen, drei Leitern und einen Schlauchwagen zugewiesen. Leider ist nicht bekannt, ob dieser Wagen bereits motorisiert war.


Die politische Umbildung in den dreißiger Jahren machte auch vor dem Brandschutzwesen unserer Stadt keinen Halt. So wurde auch der Löschzug Tücking in die neu aufgebaute Feuerschutzpolizei eingegliedert.


1933

Die Mannschaftsstärke im Jahre 1933 betrug:

  • 1 Oberbrandmeister
  • 1 Brandmeister
  • 15 Feuerwehrleute

Aufgrund des Feuerlöschgesetzes vom 15. Dezember 1933 unterstand der Löschzug Tücking jetzt der Polizeibehörde Hagen. Den Führern und Mannschaften wurden die Befugnisse von Hilfspolizisten übertragen.


Das „Neue Deutschland“ endete mit Tod und Asche. Der Weltkrieg brachte allen Menschen Leid und Unglück. Die Feuerwehrkameraden, die nicht im Fronteinsatz waren, versahen ihren Dienst in dem aufgestellten Luftschutzdienst. Die schlimmen Erlebnisse der Bombenangriffe auf unsere Stadt haben den Feuerwehrmann in seiner Einstellung, seinen Mitmenschen zu helfen, noch bestärkt.


1943

Bei dem großen Bombenangriff auf Hagen, am 1. Oktober 1943 um 22 Uhr, wurde auch die Tückinger Volksschule total zerstört. Die Feuerwehrgerätschaften verbrannten.


Durch diesen schrecklichen Krieg verlor die Tückinger Wehr vier Kameraden:

  • Willi Ruskowski
  • Karl Schürmann
  • Alfred Zöllner
  • Karl Zöllner

"Verehrte Leser, es ist schwer, sich heute in diese schwere Nachkriegszeit zu versetzen. Keine Arbeit, kein Geld. Es gab kaum etwas zu essen. Menschen, die ihre Wohnung und Häuser verloren hatten, lebten in notdürftig hergerichteten Wohnungen und Notunterkünften. Trotz dieser schweren Zeit trafen sich die Feuerwehrmänner wieder. Mit der inneren Überzeugung auch jetzt in der schweren Zeit dem Nächsten helfen zu wollen, baute man gemeinsam das Feuerlöschwesen unserer Stadt wieder auf."


1946

Durch die Bekanntmachung vom 6. April 1946 des englischen Kommandeurs der Militärregierung für den Raum Hagen wurde die Feuerwehr wieder von der Polizei getrennt.

Langsam aber stetig ging es mit dem Brandschutzwesen in unserer Stadt wieder aufwärts.


1950

Auf der Festveranstaltung der Feuerwehr Hagen am 15. Juli 1950 wurden die Tückinger Kameraden Brandmeister August Schmalenbach, Oberfeuerwehrmann Karl Esken, Oberfeuerwehrmann Dietrich Schmalenberg und Oberfeuerwehrmann Fritz Wingen für ihre zwanzigjährige und Oberfeuerwehrmann Gustav Becker für die fünfundzwanzigjährige Zugehörigkeit zur Tückinger Wehr geehrt.


1951

Am Sonntag dem 28. Oktober 1951 wurde die Tückinger Wehr zu ihrem ersten Feuereinsatz nach dem Kriege gerufen. Ein großer Waldbrand, der die Wohnsiedlung „Tückinger Höhe“ bedrohte, wurde mit einem Großaufgebot von Feuerwehrkräften fünf Stunden lang bekämpft.


1958

Im Jahre 1958 kam es auf dem Gehöft des Landwirtes Rasche an der Detmolder Straße zu einem Brand, bei dem ein Tückinger Feuerwehrmann eine Rauchvergiftung erlitt.


Einweihung des neuen Gerätehauses

1959

Oberbrandmeister Schmalenbach wurde am 1. Mai 1959 für besondere Verdienste das „Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland“ von unserem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss verliehen.


Endlich am 23. Mai 1959 bekam die Tückinger Wehr wieder ein Gerätehaus. Das neue Gerätehaus wurde auf dem Trümmergelände der ehemaligen Schule errichtet. Das Gerätehaus besaß einen Aufenthaltsraum und einen Unterstellplatz für den Tragkraftspritzenanhänger. Bei der Schlüsselübergabe wurde der bisherige Einheitsführer August Schmalenberg mit Erreichung des 65-jährigen Lebensjahrs verabschiedet. Als Nachfolger wurde Brandmeister Ernst Schürmann zum neuen Einheitsführer ernannt.


1960

Die Einheit Tücking hatte 14 aktive und drei inaktive Mitglieder. Am 4. und 5. Dezember 1960 stieg das Wasser der drei Flüsse im Hagener Stadtgebiet durch die starken Regenfälle so stark, daß die gesamte Feuerwehr der Stadt gegen diese Wassermassen eingesetzt war. Die Hagener Feuerwehr wurde außerdem von der Bundeswehr und den Feuerwehren aus Iserlohn, Bochum, Wuppertal und Dortmund unterstützt.


1961

Als das Krankenhaus „Hospital zum heiligen Geist“ in Haspe am 17. Juni 1961 brannte, gab es wieder Großalarm für die gesamte Feuerwehr Hagen. Alle Kräfte wurden gebraucht, um die Patienten in Sicherheit zu bringen.


Die heute in ganz Hagen bekannte kleine Kirche „Zum Guten Hirten“ auf dem Tücking wurde am 3. Dezember 1961 eingeweiht. Die Tückinger Wehr nahm, wie auch andere Vereine, an dieser Festveranstaltung teil.


Aus dem Protokollbuch ist zu entnehmen, daß im Jahre 1961 nur zwei Übungen durchgeführt worden sind. Es wurde aber auch erkannt, daß diese Übungen einfach nicht ausreichten.


1962

1962 feierte der Tückinger Schützenverein sein 90-jähriges Bestehen. Die Brandwache in dem großen Zelt übernahmen die Kameraden der Tückinger Wehr.


Tragkraftspritze mit Mannschaft

1963

Im Jahr 1963 trafen sich die Kameraden vom Tücking nun regelmäßig an einem Sonntag im Monat. Es wurde Unterricht abgehalten und mit der Tragkraftspritze geübt. Der Tragkraftspritzenanhänger wurde von einem Traktor gezogen, den der Feuerwehrmann Ernst Rasche fuhr.

1964

Am 19. September 1964 verpflichtete sich die Einheit Tücking zur Mitarbeit im örtlichen Luftschutzhilfsdienst. Dieser Verpflichtung waren heiße Diskussionen innerhalb der Einheit vorausgegangen. Aus dem Luftschutzhilfsdienst entstand später der heutige Katastrophenschutz. Durch die Verpflichtung bekam die Einheit Tücking ein Löschfahrzeug auf Unimogfahrgestell. Das Fahrzeug war bei dem Landwirt Rasche untergestellt. Auf dem Fahrzeug konnten drei Mann mitfahren.


Bereits ein Jahr später wurde ein größeres Löschfahrzeug, ein LF 16/TS der Einheit zugewiesen. Das Fahrzeug war ein Löschgruppenfahrzeug auf Klöckner-Humbold-Deutz Fahrgestell mit einer Pumpenleistung von 1600 Liter pro Minute und einer mitgeführten Tragkraftspritze mit 800 Liter pro Minute. Auf dem Fahrzeug konnten neun Feuerwehrmänner mitfahren. Das Fahrzeug wurde vom Bundesamt für Zivilschutz geliefert.


Das Fahrzeug wurde in der Garage des örtlichen Ausbildungszentrums des Katastrophenschutzes Mühlenwert untergestellt. Der Tragkraftspritzenanhänger brauchte nun nicht mehr mit dem Traktor gezogen werden. Die neue Technik mußte aber erst einmal erprobt und beherrscht werden.


Nach der anfänglichen Begeisterung für die moderne Technik trat schon bald die erste Ernüchterung ein. Durch einen Erlaß des Bundesamtes durften diese Fahrzeuge nur zu Ausbildungsveranstaltung des Katastrophenschutzes benutzt werden. Diese Ausbildungsveranstaltungen mußten jeweils genehmigt werden. Dieses stieß bei allen Feuerwehreinheiten auf Unverständnis. Die Fahrzeuge sollten von der Feuerwehr zwar gepflegt, aber nicht für den Brandeinsatz genutzt werden. Das Bundesamt bestand darauf, daß diese Fahrzeuge ausschließlich für den Katastrophenfall genutzt werden durften. Doch bald wurde eine Regelung gefunden, die alle Feuerwehreinheiten zufrieden stellte. Hierzu muß gesagt werden, daß sich dies in der politischen Zeit des „Kalten Krieges“ abspielte.


Der bisherige Einheitsführer Ernst Schürmann wechselte nach erreichen der Altersgrenze am 28. Dezember 1964 vom aktiven in den inaktiven Dienst. Brandmeister August Becker wurde neuer Einheitsführer.



1966

Pfingsten 1966 wurden die Wohnhäuser am Bahndamm Heubing durch Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen, Weihnachten 1966 brannte es im Gasthaus Jägerhöh. Die Tückinger Wehr konnte hier helfen.


1969

Am 15. Februar 1969 trat der Einheitsführer August Becker von seinem Amt aus gesundheitlichen Gründen zurück. Nachfolger wurde Brandmeister Ernst Rasche.


Das Gerätehaus kurz vor dem Abriß

1970

Was manch einer befürchtet hatte, wurde im Jahre 1970 Wirklichkeit. Das erst vor elf Jahren neuerbaute Tückinger Gerätehaus wurde vom Bauordnungsamt der Stadt Hagen für baufällig erklärt.


Das Gerätehaus konnte nicht mehr wie bisher benutzt werden. Die Ausbildungsstunden mußten in die Räume des Ausbildungszentrums des Katastrophenschutzes verlegt werden.


LF 16-TS im Einsatz - Verlegen einer Schlauchleitung

1973

Im Jahre 1973 kam es in ganz Deutschland zu einer Energiekrise. Erdöl wurde durch stark erhöhte Preise und Lieferkosten knapp. Übungen und Fahrten mit treibstoffbetriebenen Geräten wurden eingeschränkt oder ganz verboten. Die Fahrzeuge und Geräte standen aber für eventuelle Feuerwehreinsätze weiterhin zur Verfügung.


Die Tückinger Wehr wurde mittlerweile vermehrt zu Brandeinsätzen und Unglücksfällen gerufen. Nennenswert ist ein Brandeinsatz am 29. Mai 1974. Bei Abbrucharbeiten der im Jahre 1973 stillgelegten Hasper Klöckner Hütte brannten auf dem Betriebsgelände drei Kühltürme. Die Gefährlichkeit des Brandes bestand darin, daß im Brandauftrieb hochgeschleuderte Holzbretter auf die Einsatzkräfte fallen konnten.


1974

Nach monatelanger Diskussion entschlossen sich die Kameraden im turnusmäßigen Wechsel am Sicherheitswachdienst des Stadttheaters Hagen teilzunehmen.


Im Jahre 1974 konnten mehrere praktische Übungen und Ausbildungsveranstaltungen wegen geringer Beteiligung der Kameraden nicht durchgeführt werden. Als die Tückinger Wehr zu einem Brandeinsatz gerufen wurde, konnte nicht ausgerückt werden, weil nur ein Feuerwehramann am Sammelpunkt eingetroffen war. In einer Versammlung wurden alle Kameraden auf ihr Fehlverhalten hingewiesen und ermahnt.


1978

1978 wurde nun endlich mit dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses begonnen. Die Fertigstellung verzögerte sich durch den kalten Winter.


LF16, HA-230

1979

Am 27. Dezember 1979 wurde von der Berufsfeuerwehr das Löschgruppenfahrzeug LF 16, mit dem Kennzeichen HA-230, an die Tückinger Wehr zur weiteren Nutzung übergeben. Das Fahrzeug konnte bereits in der fertiggestellten Fahrzeughalle untergestellt werden.


Neues Gerätehaus auf dem Tücking

1980

Im Rahmen einer Feierstunde fan die offizielle Schlüsselübergabe des Feuerwehrgerätehauses statt.

Ein langer Wunsch ging nun endlich in Erfüllung. Die Tückinger Feuerwehrmänner hatten wieder eine Unterkunft.


1983

Die anfängliche Begeisterung ließ bereits Monate später merklich nach. Wider konnten Übungen wegen der geringen Beteiligung nicht durchgeführt werden. Der bisherige Einheitsführer Ernst Rasche legte sein Amt nieder, neuer Leiter der Tückinger Wehr wurde am 18. Mai 1983 Oberbrandmeister Erich Koch.


Durch die Teilnahme an Lehrgängen vertieften einige Kameraden ihr Wissen. Dieses Wissen gaben sie an die anderen kameraden weiter und bereicherten aufs Neue die Ausbildung. Das Erlerte wurde bei den Einsätzen in die Praxis umgesetzt.


Im Rahmen der im September 1983 bundesweit durchgeführten Brandschutzwoche wurde im Stadtteil Geweke eine Einsatzübung durchgeführt, bei der ein brennender PKW gelöscht wurde. Zugleich fand eine Ausstellung über das Brandschutzwesen unserer Stadt in einem Schaufenster eines Geschäftes im Stadtteil Kuhlerkamp statt.


1984

In diesem Jahr nahm die Einheit Tücking zum ersten Mal an dem Leistungsnachweis der Feuerwehren in NRW teil.


1985

Im April 1985 wurde die Flughafenfeuerwehr in Düsseldorf besichtigt.


LF16TS, HA-8003

1987

Am 11. April 1987 wurde ein neues Löschgruppenfahrzeug mit Tragkraftspritze, ein LF16/TS, HA-8003 vom Bundesamt für Katastrophenschutz der Tückinger Wehr übergeben.


Im Oktober 1987 nahm eine Gruppe der Tückinger Wehr mit anderen Hilfsorganisationen an einer drei Tage dauernden Übung unter realen Bedingungen in dem Trümmerdorf in Wesel teil.

1989

1989 wurden die Kameraden vom Tücking als Atemschutzgeräteträger ausgebildet. Diese Ausbildung war dringend erforderlich, da nur ein im Atemschutz ausgebildeter Feuerwehrmann an der Einsatzstelle in der Lage ist, seine Hilfe effektiv einzusetzen.


Am 1. Januar 1989 wurde die Aufgabe eines Löschzugs Wasser, kurz LZW, der Wehr übertragen. Die Hauptaufgabe besteht in der Heranführung von Löschwaser bei Großschadensfällen. Zugleich wurde ein Schlauchwagen mit 2000 Meter Schlauchmaterial übergeben.


Das Fahrzeug wurde aber bereits wegen seines Alters im Juni 1992 ausgesondert. Das seit 25 Jahren in der Wehr befindliche LF 16/TS, HA-8029, wurde ebenfalls altersbedingt ausgesondert.


Das Jahr 1989 war ein Jahr von herausragenden Besichtigungsprogrammen. Die Einheit Tücking war Gast bei der Flughafenfeuerwehr in Frankfurt. Die Einsatzvorführung und die Vorstellung der Großlöschfahrzeuge ließ manchen Feuerwehrkameraden nur staunen.


Das größte Ereignis war jedoch der Besuch bei der Feuerwehr in Peking im März 1989. Der Kontakt wurde von langer Hand offiziell vorbereitet. Die Offenheit, mit der die Kameraden vom Tücking bei dem Empfang auf der Feuerwache begrüßt wurden, ließ diese Reise für alle dabeigewesenen Feuerwehrkameraden zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.


1990

Im Januar 1990 tobte ein Orkan über ganz Deutschland. Menschenleben und hoher Sachschaden waren zu beklagen. Wie auch alle anderen Feuerwehren war auch die Tückinger Wehr über Stunden im Einsatz.


Im Juni 1990 wurde der Wehr ein neues Löschgruppenfahrzeug übergeben, widerrum ein LF 16/TS, HA-8077.


Die gemeinsamen Übungen der Wehren Haspe, Tücking und Wehringhausen unter der Leitung des Abschnittsführers Erich Koch haben bis heute einen festen Platz in der Ausbildung und in der Zusammenarbeit.


In Friedrichshafen am Bodensee fand vom 14. bis zum 19. Juni 1990 der 26. Deutsche Feuerwehrtag statt. Der Festzug durch die Straßen war der Höhepunkt dieses Kurzurlaubs.

1992

In diesem Jahr wurde das Feuerwehrgerätehaus Tücking mit einem erheblichen Arbeitsaufwand in Eigenhilfe renoviert.


Glockenübergabe Kirche „Zum guten Hirten“

1993

Die Kirche auf dem Tücking bekam am 14. März 1993 ein neues Geläut. Die Wehr beteiligte sich an der Übergabe der Glocken.

Mitglieder der FF Tücking 1994

1994

Mit der Einführung der stillen Alarmierung mit digitalen Funkmeldeempfängern, im Februar 1994, wurde die Modernisierung der Freiwilligen Feuerwehr Hagen vorangetrieben, - für den Dienst am Nächsten.

Werbeanzeigen