Jochen Figur steht als ehrenamtlicher Suchtkrankenhelfer der Stadt Hagen Betroffenen und Angehörigen zur Seite. Foto: Esther Schöttke/Stadt Hagen

Sucht am Arbeitsplatz: Jeder kann helfen

15. Februar 2018 – „Ein, zwei Bierchen am Abend – das hilft mir beim Einschlafen.“ Sätze wie diese hat Jochen Figur, ehrenamtlicher Suchtkrankenhelfer der Stadt Hagen, häufig gehört. Seit rund zehn Jahren steht er den Mitarbeitern der Stadtverwaltung in Suchtfragen als Ansprechpartner zur Seite.


Sucht am Arbeitsplatz – das ist für viele Arbeitgeber ein Tabuthema. Für einen offeneren Umgang sorgt das umfassende Suchtpräventionsmanagement der Stadt Hagen. Neben einer zeitgemäßen Dienstvereinbarung über den Umgang mit suchtkranken Mitarbeitern und der Expertise der Suchthilfe und des Gesundheitsamtes, ist Jochen Figur als ehrenamtlicher Suchtkrankenhelfer eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige. Jeden Mittwochnachmittag steht seine Bürotür allen Mitarbeitern offen. „Ich kann informieren, unterstütze und höre zu, wenn jemand mit mir reden möchte“, sagt der gelernte Buchbinder. „Ich bin selbst betroffen und weiß, was es bedeutet, mit einer Sucht zu leben und zu arbeiten.“ Zudem geht er in Abteilungen und hält Vorträge, um Mitarbeiter und Vorgesetze für einen eventuellen Missbrauch zu sensibilisieren. „Mir ist es besonders wichtig, dass keiner weg sieht“, betont Figur. „Einem Suchtkranken hilft man nur, indem man ihn mit seiner Sucht konfrontiert.“ Zusätzlich stehen für einen professionellen Umgang psychologisches Fachpersonal und ausgebildete Suchthelfer zur Verfügung.


Alkohol – Genuss oder Krankheit?

Suchtgefährdete Mitarbeiter erkranken häufiger, zeigen oft weniger Leistungsbereitschaft und können sich und andere Mitarbeiter in Gefahr bringen. Gerade in der Alkoholsucht am Arbeitsplatz sieht der ehrenamtliche Suchtkrankenhelfer ein großes Problem. Alkohol ist legal, überall verfügbar und gesellschaftlich akzeptiert. „Der Alkoholkonsum schadet nicht nur dem Körper, sondern verändert im Gegensatz zum Rauchen auch die Psyche“, so Jochen Figur. Die Sucht verändere dadurch den Menschen und zerstöre das eigene Leben. „Durch meine eigenen Erfahrungen verstehe ich die Ängste der Betroffenen“, sagt der 58-Jährige. „Viele Arbeitskollegen sind auch Freunde, da ist es für mich selbstverständlich, zu helfen.“


Alkoholsucht in Deutschland

Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit weisen rund 20 Millionen Einwohner ein riskantes Konsumverhalten auf. Davon sind alleine rund 1,3 Millionen Menschen alkoholabhängig. Schätzungen der Deutschen Suchthilfe zufolge sterben rund 74.000 Menschen jährlich an Alkohol, bei den Rauchern sind es rund 120.000. Rund 200 Krankheiten wie Leber- und Nervenerkrankungen lassen sich auf einen erhöhten Alkoholkonsum zurückführen. Der erstmalig in 2017 erschienene Alkoholaltlas zeigt, dass gerade einmal 3 Prozent der Deutschen auf Alkohol verzichten. Der Konsum von reinem Alkohol liegt bei 11 Litern pro Kopf.


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