Das Festival holt die 1980er Jahre zurück nach Hagen. Foto: Clara Berwe/Stadt Hagen

„HAGEN POPSTAR GLÜCK – Das Festival!!“

27. Juni 2018 – „Kierkegaard und Schopenhauer hatten beide recht, zwangsläufig und auf die Dauer endet vieles schlecht. Doch man muss auch sagen, dass das Leben sich nicht ziert, in Wirklichkeit ist ALLES drin und das wird krass serviert.“ Bewusst oder nicht – diese Zeilen aus dem 2005 erschienenen Extrabreit-Song „Süchtig“ bringen den Geist der Neuen Deutschen Welle auf den Punkt. Kurz, rau, und intensiv schwappte die Welle auch über Hagen hinweg. Doch schon Ende der 1970er Jahre, als Punk und New Wave die etablierte Rockmusik ablösten, gingen von der Hagener Musikszene so viele Impulse aus, dass Hagen Anfang der 1980er Jahre als „Deutsches Liverpool“ galt. 40 Jahre nach den Glanzstunden der Hagener Musikgeschichte holt „HAGEN POPSTAR GLÜCK – Das Festival!!“ die Aufbruchsstimmung der 1980er Jahre zurück an die Volme, rein ins Museum und rauf auf die Bühne.


Dabei wirft das Festival zwar einen Blick zurück, spannt den Bogen aber auch ganz bewusst ins heutige kulturelle Leben Hagens. So wird die dreiwöchige Ausstellung im Osthaus Museum von einem spannenden Rahmenprogramm begleitet, die FernUniversität feiert ihr Campusfest mit Extrabreit, das Theater Hagen lädt zum Auftakt seiner Spielzeit, Konzerte feiern die alten und aktuellen Hits, Lesungen bieten spannende Einblicke und Führungen zeigen die wichtigen Orte des damaligen Geschehens. Aufgrund der herausragenden Bedeutung der damaligen Zeit für die Geschichte der Stadt Hagen, hat die HAGENagentur alle Marketingmaßnahmen der Partner für das Festival koordiniert. Dazu zählen unter anderem Außenwerbung, Vertrieb und Herstellung von Werbematerialien sowie zwei Linienbusse der HVG, die drei Monate als Werbeträger im Stadtgebiet unterwegs sind, um auf das Festival aufmerksam zu machen.


Die wohl aufregendste Zeit in der Hagener Musikgeschichte ist Thema der Ausstellung im Osthaus Museum. Größtenteils noch nie veröffentlichte Fotos und Filmausschnitte sowie Plakate, Platten, Fanartikel, Musikequipment, Konzert- und Studiotechnik, Bühnenoutfits, Originalzeichnungen und Layouts zu Plattencovern lassen die Zeit wieder lebendig werden. Im Soundraum wird der Trickfilm des schottischen Künstlers John McGeoch gezeigt, der die Hagener Musikszene vor 40 Jahren beleuchtet.


Vom 31. August bis 23. September wirft die Ausstellung (Eröffnung am Freitag, 31. August, um 18.30 Uhr) mit über 300 Exponaten einen neuen Blick auf das Musikmärchen der 1970er und 1980er Jahre in einer Stadt, die im Musikbusiness weit entfernt von Metropolen wie Köln, Hamburg oder Berlin liegt – Städte, in denen Plattenfirmen, bedeutende Auftrittsorte oder Medienhäuser situiert sind. In Hagen existierte allerdings schon Mitte der 1970er Jahre eine erfolgreiche Musikszene, die einige Jahre später junge Musiker aus der Provinz an die Spitze der Charts katapultierte. Die großen Karrieren von Inga und Annette Humpe, Extrabreit und Nena starteten in jener Zeit. Die Ausstellung versucht zu ergründen, warum gerade in Hagen die Bedingungen für den Start in diverse Musikkarrieren so gut waren.


Die Hagener Band Grobschnitt war in den 1970er Jahren eine der erfolgreichsten Bands des Krautrocks, sie spielte vor tausenden Zuschauern in den großen Hallen der Republik. Mit Beginn der 1980er Jahre kamen neue Musikströmungen aus England und den USA. Der Punkrock Ende der 1970er Jahre war eine ironische Gegenbewegung zu den etwas in die Jahre gekommenen Stadionrockern. Die Abgrenzung zu der Musik der Eltern – und das möglichst provokant – wurde zum Statement. Mit den Worten des Szene-Fotografen Jim Rakete: „Die jungen Musiker zerschlugen das Mobiliar ihrer Eltern auf der Bühne“. In der Folge entwickelten sich Bands wie The Ramblers oder Extrabreit. Es folgte die Neue Deutsche Welle, die mit Nena eine sehr erfolgreiche Band hervorbrachte, die in Hagen unter dem Bandnamen The Stripes ihre Karriere startete.


Kaum bekannt ist, dass Musiker, Bandmitglieder, Bühnentechniker und Produzenten aus jenen Tagen bis heute ein Teil der aktuellen überregionalen und internationalen Musikszene sind. Mit dem Abstand von über 40 Jahren betrachtet die Ausstellung, welche langfristigen Karrieren und Berufe aus dieser Zeit entstanden sind.


Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Publikation über die damalige Zeit. Kuratiert wird die Ausstellung von Heike Wahnbaeck in Zusammenarbeit mit dem Osthaus Museum und der FernUniversität in Hagen.


„Komm‘ nach Hagen, werde Popstar, mach‘ dein Glück.“ Der Satz stammt ebenfalls von Extrabreit und aus einer Zeit, als es in Hagen brodelte. Grund genug, das Geschehen von damals auch beim Campusfest der FernUniversität in Hagen aufleben zu lassen: musikalisch und wissenschaftlich. Dazu gibt es wieder ein Begleitprogramm für alle.


Unter freiem Himmel, bei freiem Eintritt spielen die Musikhelden von einst: Extrabreit. Sie sind eben „hart wie Marmelade“. Das werden sie am Samstag, 1. September, auf der Bühne unter Beweis stellen. Drumherum werden Bands im NDW-Zeitgeist spielen – etwa die 80er Jahre All-Star-Band, Die Goldenen Reiter und die Sieger des Bandwettbewerbs im Kultopia. Die Musik startet gegen 18 Uhr.


Wie sich in Hagen eine so lebendige und vielseitige Musikszene entwickeln konnte, die Bands und Sängerinnen wie Nena und die Humpe-Schwestern hervorbrachte, untersucht der FernUni-Wissenschaftler Prof. Dr. Frank Hillebrandt aus soziologischer Sicht. Darüber möchten Hillebrandt und die Hagener Zeitzeugin Heike Wahnbaeck mit Besucherinnen und Besuchern des Campusfestes locker ins Gespräch kommen. Hillebrandt und Wahnbaeck veröffentlichen auch gemeinsam ein Buch zum NDW-Phänomen.


Darüber hinaus locken schon am Nachmittag ab 16 Uhr wieder Führungen, Veranstaltungen in der Unibibliothek und ein Kinderprogramm auf den Campus. Das Fest konzentriert sich dieses Jahr auf den Weißen Platz und die Wiese an der Universitätsstraße. Nähere Informationen zum Campusfest unter http://e.feu.de/campusfest2018.


Ohne die finanzielle Unterstützung der Sparkassenstiftung für Hagen, C.D. Waelzholz, mark E und Märkische Bank Stiftung wäre die Durchführung des Festivals nicht möglich gewesen.


Alle aktuellen Informationen rund um das Festival gibt es hier.



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