Oberbürgermeister Erik O. Schulz mit Ulrich Klinkhammer und Diana Palwelczik, die als eines von acht Teams für mehr Sauberkeit und Ordnung etwa an der Altenhagener Brücke sorgen. (Foto: Michael Kaub/Stadt Hagen)

Waste Watcher im Kampf gegen den Müll

23. Mai 2019 – Die Hagener Bürgerinnen und Bürger stellen der Sauberkeit in ihrer Stadt lediglich eine Drei minus als Schulnote aus. Dies ergab eine Umfrage des vom Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB) beauftragten Instituts für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management im Frühjahr dieses Jahres. Doch nicht erst seit dieser Umfrage sind die Hagener mit dem Zustand einiger Straßen und Plätzen unzufrieden. Daher beschloss der Rat der Stadt Hagen im Dezember des Vorjahres, ein Pilotprojekt mit so genannten Waste Watchern zu starten. Seit April streifen acht Zweierteams und in Doppelschichten an allen Wochentagen durch das Stadtgebiet, um Verursacher illegaler Müllablagerungen zu finden und dem beabsichtigten Wegwerfen kleinteiligen Abfalls im öffentlichen Raum einen Riegel vorzuschieben.


Und dies in den wenigen Wochen bereits mit großem Erfolg. Das achtlose Wegwerfen ihrer aufgerauchten Zigaretten kam bereits über 200 Rauchern teuer zu stehen. Hundehalter, welche die Hinterlassenschaften ihrer Tiere nicht ordnungsgemäß beseitigten, wurden von den Waste Watchern freundlich auf ihre Unterlassung hingewiesen und mit einem Bußgeld belegt. Zudem konnten die Teams 600 Fälle illegaler Abfallablagerungen aufspüren und zur Ahndung an das Umweltamt der Stadt Hagen weiterleiten.


Die Waste Watcher sind bereits in anderen Städten wie Wien oder Hamburg ein echtes Erfolgsmodell und sollen in den nächsten zwei Jahren auch in Hagen für Ordnung und Sauberkeit sorgen. Da der HEB selbst keine Bußgelder verhängen darf, wurde der Schulterschluss mit dem Umweltamt der Stadt Hagen gesucht. In den Zweierteams sind daher jeweils ein Mitarbeiter des Umweltamtes sowie ein Mitarbeiter des HEB unterwegs. Vor Ort soll jedoch nicht nur nach Adressen oder anderen Hinweisen in den illegalen Müllablagerungen geforscht werden. Die Waste Watcher nehmen nach Möglichkeit die abgelegten Gegenstände nach der beweissichernden Dokumentation direkt mit. Was nicht auf das Elektroauto der Waste Watcher passt wird im Nachgang von der Sonderkolonne der Straßenreinigung oder sogar dem großen „Knacker“ der Sperrmüllabfuhr abgeholt.


Nach vielen vorbereitenden Gesprächen zwischen dem HEB, dem Umweltamt, dem Ordnungsamt und weiteren Beteiligten zu den Punkten wie Organisation, Ausstattung, Dokumentation nahmen die 15 Männer und eine Frau ihre Arbeit zunächst nicht auf der Straße, sondern bei intensiven Schulungen zu deeskalierendem Verhalten, Kommunikationsstrategien und Abfallrecht auf. Hier wurde noch einmal deutlich, wie wichtig die Kommunikation für die Teams ist. Tragen sie doch lediglich ein Smartphone, eine Taschenlampe und einen Notizblock bei sich. An dieser Stelle bieten die langjährige Ordnungspartnerschaft mit der Polizei Hagen und der bereits bestehende gute Kontakt zwischen dem HEB und den Beamten und Beamtinnen den Waste Watchern Sicherheit. Denn: Sollte es doch mal zu einer brenzligen Situation kommen, rufen die Teams die Polizei zu Hilfe. Bislang war dies erfreulicherweise noch nicht häufig notwendig. Eine gute Menschenkenntnis und ein ruhiges Auftreten haben dazu geführt, dass die große Mehrzahl der bisherigen Bürgerkontakte in ein freundliches Beratungsgespräch zum verantwortungsvollen Umgang mit Abfällen mündete.


Doch das bedeutet nicht, dass die Umweltsünder mit ein paar Worten davon kommen. Im Umweltamt wurde eine personelle Aufstockung vorgenommen, um zeitnah die entsprechenden Bußgeldbescheide zu versenden. Einerseits ist es nicht zu tolerieren, dass einzelne Zeitgenossen das Stadtbild verschandeln. Andererseits entledigen sich diese ihrer Abfälle auch auf Kosten der Allgemeinheit, also der Hagener Gebührenzahler. Allein in den ersten drei Wochen des Einsatzes wurden von den acht Teams 15 Tonnen Abfälle beseitigt.


Was wenig bekannt ist, dass auch kleinteiliger Müll reichlich Gefahrenpotenzial bietet. Eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe enthält eine Vielzahl an Giftstoffen, die sich aus den Stummeln lösen und ins Grundwasser eindringen kann. Eine weitere Gefahrenquelle stellen die Kippen für kleine Kinder dar. Im Durchschnitt liegen 50 Zigarettenkippen auf einem Kinderspielplatz in Deutschland. Verschluckt ein Kleinkind einen Stummel besteht unter Umständen Lebensgefahr. Bei manchen illegalen Müllablagerungen kann man sich über das unverantwortliche Handeln nur wundern: Der brisanteste Fund waren bislang eine Plastiktüte voller teils offener Insulinspritzen sowie eine Tüte mit einem großen Brotmesser. Beide Tüten wären für Kinder problemlos zugänglich gewesen.


Die Waste Watcher haben mittlerweile ihre Reviere kennengelernt, sich den Bezirksbeamten der Polizei vorgestellt und bereits Kontakte zu ansässigen Geschäftsinhabern geknüpft. Außerdem erhalten sie eine breite Zustimmung aus der Bevölkerung und bekommen von den Anwohnern Tipps zu Verursachern und Dreckecken. In einem ersten Erfahrungsaustausch berichteten alle Teams unisono, dass sie bereits beobachten, dass die Dreckecken weniger, aber die Müllsünder auch gerissener werden. Sie entfernen beispielsweise Adressaufkleber. Dennoch finden die Waste Watcher beim Öffnen von Säcken immer wieder eindeutige Beweise. Von der Krankmeldung bis hin zu Kontoauszügen. Finden die Waste Watcher mal nichts, klingeln sie in der Nachbarschaft und fragen dort nach, ob jemand etwas beobachtet hat. Doch selbst wenn sie keine Hinweise finden und den Abfall nur entsorgen können, beobachten das die Anwohner und realisieren, dass nun verstärkt an der Stadtsauberkeit gearbeitet wird.


Die Waste Watcher scheuen sich auch nicht die Trinkerszene am ZOB anzusprechen oder den alkoholisierten Wildpinkler. Sie haben aber auch schon erste Erfahrungen gemacht, bei denen sie die Polizei um Hilfe bitten mussten. Besonders wenn es darum geht, die Identität festzustellen und den Waste Watchern den Ausweis zu zeigen, stellen einige auf stur. Dies gipfelte in Hohenlimburg darin, dass ein Bürger, der seinen Coffee-to-go-Becher auf den Bürgersteig geworfen hat, gemeinsam mit den Waste Watchern zur Polizeiwache ging, um dort von dem Beamten darin bestätigt zu werden, dass er dem Mitarbeiter des Umweltamtes seinen Ausweis zu zeigen hat.


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