Stellen den neuen Aktionsplan Kita vor (v.l.): Reinhard Goldbach (Leiter Fachbereich Jugend und Soziales), Sozialdezernentin Margarita Kaufmann und Oberbürgermeister Erik O. Schulz. (Foto: Clara Berwe/Stadt Hagen)

Aktionsplan Kindertagesbetreuung: Bedarf steigt tendenziell weiter an

18. Juni 2019 – Der Ausbau an institutionellen Betreuungsplätzen ist weiter zu forcieren. Dies ist die Kernaussage des Aktionsplans Kindertagesbetreuung in Hagen, der morgen (19. Juni) in den Jugendhilfeausschuss eingebracht wird. Aufgrund aktueller Erhebungen geht die Stadtverwaltung davon aus, dass die Geburtenrate in den nächsten Jahren tendenziell weiter ansteigen wird und entsprechend mit einem Anstieg der Kinderzahlen und folglich auch einem steigendem Bedarf pro Jahr in der Kindertagesbetreuung zu rechnen ist.


Seit 1996 haben Kinder ab drei Jahren und seit 2013 ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz. Der Rat der Stadt Hagen beschloss 1996 das Ziel einer Versorgungsquote von 98 Prozent Betreuungsplätzen für Kinder ab dem dritten Lebensjahr und 2012 eine Versorgungsquote von stadtweit 38 Prozent für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Aufgrund des damals prognostizierten demografischen Rückgangs der Kinderzahlen und den in die Wege geleiteten Neu- und Ausbaumaßnahmen wäre bis 2015 eine gute Bedarfsdeckung erreicht worden.


Mit Jahresbeginn 2014 wurde die volle EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit auf die Staaten Rumänien und Bulgarien ausgeweitet. Zum Jahresende 2014 kamen viele Flüchtlinge, insbesondere aus Syrien, nach Hagen. Dies hatte deutliche Auswirkung auf die Versorgung mit Kindertagesbetreuungsplätzen, denn seitdem sieht sich der Bereich der Tagesbetreuung für Kinder mit einem jährlichen Anstieg der Bevölkerung im Bereich der Kinder unter sechs Jahren konfrontiert.


Von 2014 bis heute ist die Zahl der Kinder um 2693 angewachsen, davon 1596 Kinder unter drei Jahren. Unter Berücksichtigung der Versorgungsquote von 38 Prozent verbleibt ein Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren in Höhe von 606 Plätzen und 1097 Plätzen für Kinder über drei Jahren. Seit 2014 wurden durch Ausbau und Neubau von Kitas dagegen 868 neue Plätze geschaffen, davon 139 für Kinder unter drei Jahren. Parallel wurden zehn Großtagespflegestellen mit insgesamt 90 Plätzen für Kinder unter drei Jahren geschaffen und 50 zusätzliche Plätze Kindertagespflege akquiriert. Zehn weitere Großtagespflegestellen mit 90 Plätzen und 100 zusätzliche Plätze in der Tagespflege sind für 2019/20 geplant. Insgesamt sind seit 2014 1288 Betreuungsplätze, davon 584 für Kinder unter drei Jahren geschaffen worden. Die Verwaltung geht in ihrer Prognose davon aus, dass von 2018 bis 2022 – zusätzlich zum jetzigen Bedarf – rund 1500 weitere Kinder unter sechs Jahren hinzukommen werden.


Um diesen weiter steigenden Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen gerecht werden zu können, sind aktuell acht Neu- bzw. Ausbauprojekte in Planung bzw. bauordnungsrechtlicher Prüfung.



Fertigstellung Einrichtung neue Plätze U 3 neue Plätze Ü 3

2020 Umzug Sudetenstraße/Neubau 10 25

2021 Neubau Jungfernbruch 20 55

Ausbau Franzstraße 5 15

Neubau Block I 30 85

Neubau Gerhard-Hauptmann-Straße 15 40

2022 Neubau Markanaplatz 20 55

Neubau Eppenhauser Straße 30 80

Neubau Eilpe 20 55

Plätze gesamt 150 410


Doch auch dieses Engagement wird nicht ausreichen, um die vom Rat der Stadt Hagen festgelegten Quoten erreichen zu können. Die Maßnahmen helfen, dass die U 3 Versorgungsquote nicht unter 31 Prozent absinkt. Bei der Ü3 Versorgungsquote wird ein Absinken der Quote auf 91 Prozent prognostiziert.


In der Konsequenz ist der Ausbau an institutionellen Betreuungsplätzen weiter zu forcieren, gerade auch da ein Großteil des dargestellten Bevölkerungszuwachses und der ansteigenden Geburtenrate in dem Zuzug der Flüchtlingsfamilien und der Zuwanderung, insbesondere aus Süd-/Osteuropa, begründet liegt. Für eine chancengleiche Entwicklung dieser Kinder ist die frühzeitige Integration in das deutsche Bildungssystem auch vor dem Hintergrund der zusätzlichen Sprachproblematik von wesentlicher Bedeutung.


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