Hans Joachim Wittkowski, Umweltamt der Stadt Hagen, wünscht sich mehr kleine Grünorte wie das Erzählcafé in Wehringhausen. (Foto: Linda Kolms/Stadt Hagen)

Klima und demografischer Wandel: Grünorte steigern die Lebensqualität in Hagen

28. August 2019 – Starkregen, Stürme, Hitze, Dürre: Bereits heute lässt sich auch in Hagen eine steigende Anzahl an Extremwetterereignissen und somit weitreichende Klimaveränderungen beobachten. Gleichzeitig steigt im Zuge des demografischen Wandels die Anzahl älterer Menschen. Doch was hat der Klimawandel mit dem demografischen Wandel zu tun?


„Wenn es in Zukunft einen immer größeren Anteil an älteren Menschen und immer mehr Hitzetage gibt, müssen wir als Kommune auch mehr Vorsorgen treffen, um Risikogruppen wie ältere Menschen zu schützen“, betont Hans Joachim Wittkowski, Umweltamt der Stadt Hagen.


Mehr Grünorte in der Stadt schaffen

Für ältere Menschen stellen die Folgen des Klimawandels und insbesondere die zunehmende Hitzebelastung eine enorme Herausforderung dar. Neben Gefahren für die Gesundheit steigt auch der Betreuungs- und Pflegebedarf älterer Menschen, die sich bei Extremwetterereignissen nicht selber helfen können. Doch wie kann diesen Personen mittel- und langfristig geholfen werden? „Es geht um mehr Grün in der Stadt: Mehr Dach- und Fassadenbegrünung, mehr kleine Parks vor der Haustür, sogenannte ‚Pantoffelparks‘. Aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität sind Ältere auf fußläufig gut zu erreichende Rückzugsorte angewiesen. Letztlich geht es dabei um mehr Lebensqualität für die Menschen in Hagen“, so Wittkowski. Solche grünen Wohlfühloasen können auch von Bürgerinnen und Bürgern geschaffen werden, wie das Erzählcafé „Altes Backhaus“ in Wehringhausen zeigt. Grünorte haben gleich mehrere Vorteile: Sie schützen das Klima, sind ein wichtiger Treffpunkt für das gesellschaftliche Miteinander, laden zum Verweilen ein und bieten den Menschen so mehr Freude am Leben. Gleichzeitig ist es sinnvoll – vor allem in öffentlichen Bereichen wie Parks – das Anlegen von Wasserflächen zur Kühlung und die Installation von Trinkbrunnen umzusetzen, wie es im Rahmen des „Integrierten Klimaanpassungskonzepts“ der Stadt Hagen festgelegt wurde.


Integriertes Klimaanpassungskonzept Hagen

Die Wechselwirkungen des klimatischen und demografischen Wandels sind Teil des „Integrierten Klimaanpassungskonzepts“, das vom städtischen Umweltamt gemeinsam mit dem Regionalverband Ruhr und der Technischen Universität Dortmund entwickelt und vom Bundesumweltministerium gefördert wurde. Das Projekt lief insgesamt drei Jahre und bietet durch die Verknüpfung der beiden Tendenzen die Möglichkeit, den Anforderungen an Maßnahmen der Klimaanpassung gerecht zu werden. Dazu zählt auch die zukünftige Stadt- und Bauplanung.


Welche städtebaulichen Planungen sieht Hagen konkret vor?

„Wir planen unter anderem eine standortgerechte Begrünung sowie eine optimierte, klimagerechte Ausrichtung von Gebäuden“, erklärt Dr. Christoph Diepes, Fachdienstleitung Bauleitplanung der Stadt Hagen. Das Ziel dabei ist, den direkten Hitzeeintrag in den Sommermonaten zu reduzieren und gleichzeitig die Vorteile der Sonnennutzung in den Wintermonaten zu berücksichtigen. Ebenso müssen die Gefahren von Überflutungen bedacht werden. Zu einer klimagerechten Ausrichtung zählt auch das Schaffen von Durchlüftungsbahnen, um Hitzestau zu vermeiden sowie die Belastungen des Stadtklimas zu verringern. Die Erzeugung von Versickerungssystemen auf Freiflächen entlastet das Kanalisationssystem und beugt Überschwemmungen vor. Damit hängt eine reduzierte Flächeninanspruchnahme zusammen, sprich nicht jede Fläche sollte bebaut werden, um so die Versickerungsfunktionen von Böden zu erhalten und zudem eine Verbesserung der Luftqualität zu bieten.


Weitere wichtige Planungen sind sowohl die Nutzung von regenerativen Energien als auch die Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung. Dabei wird die eingesetzte Energie gleichzeitig in Strom und Heizwärme umgewandelt. „Ich bin der Meinung, dass aus den Formulierungen und Empfehlungen stadtweiter Ziele verbindliche Standards werden sollten“, betont Christoph Diepes. „Kommunen sind hierfür hervorragende ‚Saatbeete‘ und können dazu beitragen, Veränderungen anzustoßen und Innovationen einzuführen.“


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