Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge mit Jubiläumsausstellung im Hagener Rathaus

29. August 2019 – Die offizielle Eröffnung der Kofferausstellung „Europa, der Krieg und ich“ des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge findet am Mittwoch, 4. September, um 9.30 Uhr mit Bürgermeister Dr. Hans-Dieter Fischer und Jens Effkemann, dem Regionalgeschäftsführer des Volksbundes Westfalen-Lippe, im Foyer des Rathauses an der Volme statt. Dort ist diese bereits von Montag, 2. September, bis Freitag, 27. September, zu besichtigen.


In diesem Jahr blickt der Volksbund auf seine 100-jährige Vergangenheit zurück, die untrennbar mit der deutschen Geschichte in diesem Zeitraum verbunden ist. Gegründet im Dezember 1919 als privater Verein zur Pflege der Soldatengräber des Ersten Weltkrieges, übernahm er im Laufe des 20. Jahrhunderts zunächst die Aufgabe, sich um die Gräber der gefallenen deutschen Soldaten und um die Betreuung der Angehörigen zu kümmern. Er hat das Gefallenengedenken nach den beiden Weltkriegen maßgeblich geprägt und den Wandel der deutschen Erinnerungskultur mitgestaltet. Heute umfasst Kriegsgräberfürsorge die Sorge um die Gräber aller Toten von Krieg und Gewaltherrschaft, das öffentliche Gedenken und Mahnen für den Frieden sowie eine auf Friedensfähigkeit und Verständigungsbereitschaft zielende Jugend-, Schul- und Bildungsarbeit.


Die 100-jährige Geschichte fasst die Bundesgeschäftsstelle des Volksbundes in der Ausstellung „Europa, der Krieg und ich“ komprimiert zusammen. Die Ausstellung spannt den weiten Bogen vom Beginn der Kriegsgräberfürsorge in Europa im späten 19. Jahrhundert über die konkreten Aufgaben, die aus dem massenhaften Sterben in den beiden Weltkriegen erwuchsen, bis hin zu der „Versöhnung über den Gräbern“ und den heutigen ersten Ansätzen gemeinsamen europäischen Gedenkens.


Die Gäste der Ausstellung können sich mit insgesamt 21 inhaltlichen Schwerpunkten auseinandersetzen. Auf den Stellwänden sind die Kernarbeitsbereiche und wichtige Etappen der Verbandsgeschichte dargestellt. Dazu gehören beispielsweise die Gründungsphase in der Weimarer Republik und die willige Andienung an das nationalsozialistische Gewaltregime, die Kontinuitäten und Brüche nach 1945 sowie das erweiterte Aufgabenfeld nach der Öffnung Osteuropas. Es geht um die Toten-Umbettung und Identifizierung, Gestaltung von Kriegsgräberstätten, nationale und internationale Workcamps, Spendenaktionen, Initiativen für Friedensarbeit sowie Fragen der Erinnerungs- und Gedenkkultur.


Die Ausstellung macht deutlich, dass Krieg kein weit entferntes Phänomen ist, sondern sehr rasch real werden kann. Jedem lassen sich ganz persönlichen Fragen stellen: Was kann ich tun für meine und die kommenden Generationen? Und wie kann ich beitragen für ein friedliches Zusammenleben?


Der Gestaltung der gesamten Ausstellung liegt ein einheitliches Grafikkonzept zugrunde, das Besucherinnen und Besucher stets in ein unmittelbares Verhältnis zu den Ausstellungsinhalten bringt. Je nach Perspektive nimmt man eine „RÜCKBLICK-Position“ (alle rot eingefärbten Elemente) oder eine „AUSBLICK-Position“ (alle blau eingefärbten Elemente) ein – und kann so die eigene Gegenwart prüfend einbringen. Mit ihren vielen spannenden Inhalten und Perspektiven verweist die Ausstellung auf die Kernkompetenzen des Volksbundes, vor allem aber macht sie deutlich, dass alles Tun mit den Lebensgeschichten und Schicksalen vieler einzelner Menschen sowie ihrer Angehörigen verbunden ist. Alle Bemühungen zielen letztlich darauf, den Toten ihre Namen zurückzugeben und damit zu Trauerbewältigung sowie Versöhnung beizutragen.


Krieg ist kein Zustand, der in Europa für alle Zeiten überwunden ist. In der Ukraine findet seit mehreren Jahren ein blutiger Konflikt statt. Nationalistische Kräfte in ganz Europa stellen Menschenrechte und freiheitliche Werte in Frage. Frieden ist immer fragil, nie eine Selbstverständlichkeit, ein Zustand, für den es jeden Tag zu arbeiten gilt. „Frieden braucht Mut“ – darauf möchte der Volksbund im 100. Jahr seines Bestehens auch und ganz besonders mit dieser Ausstellung hinweisen.