(v.li.): Baudezernent Henning Keune, Architektin Jutta Heinze, Sükrü Budak (Vorsitzender Integrationsrat), Bezirksbürgermeister Nord Heinz-Dieter Kohaupt, Hans-Joachim Bihs (Vorstand WBH) und OB Erik O. Schulz. (Foto: Michael Kaub)

Spatenstich für muslimisches Waschhaus auf dem Vorhaller Friedhof

10. Oktober 2019 – Auf dem kommunalen Friedhof Vorhalle besteht bereits seit 2006 ein Areal für muslimische Beisetzungen, das der Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) jetzt um ein Haus für die rituelle muslimische Waschung zur Bestattung ergänzt. Die Planung dieses Waschhauses erfolgte in enger Abstimmung mit dem Integrationsrat und steht allen Muslimen aus Hagen und Umgebung zur Verfügung.


Bei den Planungen für das Areal wurde bereits damals eine Fläche für ein eventuell später zu errichtendes Waschhaus berücksichtigt und sogar entsprechende Ver- und Entsorgungsleitungen für Frisch- und Abwasser vorgesehen. Auf dem Areal sind sowohl Reihen-, Kinder- und Wahlgräber angelegt. Die Grabausrichtung erfolgt entsprechend den muslimischen Regelungen in Richtung Mekka, die Friedhofssatzung wurde um die Tuchbeisetzung (vorher Sarg- und Urnenbeisetzungen) ergänzt. Am Dienstag, 5. Dezember 2006, wurde der Friedhofsteil offiziell in Dienst gestellt, die erste Bestattung fand schon vorab am 26. September 2006 statt.


Bislang müssen Angehörige durch die fehlende Möglichkeit für religiöse Waschungen auf dem Friedhof Vorhalle entweder auf den Obduktionsraum auf dem Friedhof Loxbaum oder auf Räumlichkeiten in den Moscheen ausweichen. Die Nutzung des Obduktionsraumes zum Zwecke der religiösen Waschung kostet derzeit 225 Euro. Viele Verstorbene - insbesondere aus der ersten Generation hier lebender Migranten - werden noch zu einem Grab in der Heimat zurückgebracht. Bei der zweiten und dritten Generation scheint mittlerweile ein Wandel in den Bestattungsvorstellungen stattzufinden. Bei der Eröffnung wies der damalige Vorsitzende des Integrationsrates, Mehmet Gür, darauf hin, dass der Toten nun auch „in ihrer Heimat Deutschland gedacht werden kann.“


Um den damals vom Rat der Stadt Hagen eingeschlagenen Weg konsequent zu Ende zu gehen, ergibt sich zwangsläufig die Notwendigkeit, ein Waschhaus auf dem Friedhof anzubieten. Dabei bleibt die Verwaltung des Gebäudes in den bewährten Händen der Friedhofsverwaltung. Dieses bietet den Vorteil, dass alle Muslime, egal welcher religiösen Strömung dieses Gebäude nutzen können und nicht auf die Mitgliedschaft in einem bestimmten Moscheeverein angewiesen sind. Weiterhin verkürzen sich die Wege: der Verstorbene kann vor Ort gewaschen werden, religiöse Handlungen und Gebete können am selben Ort vorgenommen werden. Der Transport zum Friedhof entfällt, es gibt keinen langen Trauerzug, alle Trauergäste können individuell zum Friedhof kommen.


Das geplante, barrierefreie Gebäude soll sich in die bestehende Situation einfügen. Auf dem vorhandenen Platz am muslimischen Gräberfeld wird ein rechteckiges eingeschossiges Gebäude errichtet. Dieses soll zwei Funktionen erfüllen, zum einen den geeigneten Raum für die Waschung bieten und zum anderen einen Ort für die Gemeinschaftsgebete. Der massive Teil des Gebäudes wird den Waschraum, eine Toilette für die Wäscher bzw. Angehörigen sowie einen Nebenraum enthalten. Weiterhin befindet sich hier, durch eine offene Holzverschalung verdeckt, eine Art Waschbrunnen, der zur rituellen Reinigung der Wäscher selbst und der Besucher dient. Daran schließt sich eine überdachte Fläche für die Trauergemeinde an. Hier steht auch der nach Mekka ausgerichtete Sargstein.


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