(v.l.) Autor und Mediziner Dr. Reinhold Busch, Oberbürgermeister Erik O. Schulz, Hagay Feldheim (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hagen) und Andreas Sahling (Friedhofsverwalter Delstern) am neuem Ehrengrabschild. (Foto: Linda Kolms/Stadt Hagen)

Ehrengrabschild für jüdischen Kinderarzt auf dem Friedhof Delstern eingeweiht

9. Dezember 2019 – Ein Ehrengrabschild auf dem Friedhof Delstern, Am Berghang 30, erinnert ab heute (9. Dezember) an das tragische Schicksal des jüdischen Kinderarztes Dr. Julius Isidor Stargardter, der entrechtet und bis zu seinem Tod von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Dr. Stargardter war hier am 9. Dezember 1944 bestattet worden.


Dass sich das Grab des Kinderarztes auf dem Delsterner Friedhof befindet, blieb lange Zeit unentdeckt. Nach Recherchen von Hagay Feldheim, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hagen, und in Zusammenarbeit mit der Friedhofsverwaltung fand sich im Sommer 2019 in den Friedhofsakten ein Eintrag, der die Identifikation der Grabstelle ermöglichte. Die Idee zu der Gedenktafel stammt von der Jüdischen Gemeinde, die dank einer Spende des Rotary Clubs Hagen-Lenne an der ehemaligen Grabstätte von Dr. Stargardter durch den Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) errichtet werden konnte. Auf ihren Wunsch hin wurde die Einweihung des Ehrengrabschildes nun auf den 75. Jahrestag der Beisetzung des Kinderarztes gelegt. Mit Blick auf den anstehenden Geburtstag von Dr. Julius Isidor Stargardter am 19. Februar hofft die Jüdische Gemeinde, Überlebende aus seiner Familie zu finden, um ihm gemeinsam an seiner Grabstätte zu gedenken.


Der 1881 in Westpreußen geborene Internist und Kinderarzt Dr. Julius Isidor Stargardter praktizierte seit 1911 in Hagen. Da Stargardter nach nationalsozialistischem Recht durch seine Ehe mit einer Christin in „privilegierter Mischehe“ lebte, blieb er bis 1944 von der Deportation aus Hagen verschont. Doch erlebte der bis zur Aberkennung seiner Approbation durch das nationalsozialistische Unrechtsregime in Hagen geschätzte Arzt alle antisemitischen und diskriminierenden Maßnahmen. Als er im November 1944 durch die Gestapo verhaftet wurde und deportiert werden sollte, verstarb er an einer in suizidaler Absicht eingenommenen Medikamentenvergiftung und wurde am 4. Dezember 1944 im Hagener Krematorium eingeäschert und am 9. Dezember auf dem Friedhof Delstern beigesetzt.