OB Erik O. Schulz und Museumsdirektor Dr. Tayfun Belgin vor der 2 x 5 Meter großen Zeichnung „Welt der Energie“ von Zhong Biao, die weltexklusiv im Hagener Osthaus Museum zu sehen ist. (Foto: Linda Kolms/Stadt Hagen/Copyright: Atelier Zhong Biao)

Weltexklusiv im Hagener Osthaus Museum zu sehen: Chinesischer Künstler Zhong Biao stellt elf Arbeiten zur aktuellen Corona-Pandemie aus

30. Juni 2020 – „Diese großformatige Zeichnung auf Papier ist die erste ernstzunehmende künstlerische Äußerung zur aktuellen Corona-Pandemie. Und sie wird weltweit erstmalig in unserem Museum ausgestellt!“ Dr. Tayfun Belgin, Direktor des Hagener Osthaus Museums, zeigt sich begeistert und zutiefst bewegt zugleich: In insgesamt elf Arbeiten hat sich der renommierte chinesische Künstler Zhong Biao in den zurückliegenden Wochen auf eindrückliche Weise dem Thema „Corona“ und den damit verbundenen Konsequenzen für die Menschen rund um den Globus genähert. Seit Ende der letzten Woche sind seine – nicht nur von der Größe her – beeindruckenden Arbeiten exklusiv in der Volmestadt zu sehen.


Zhong Biaos Ausstellung mit dem englischen Titel „Revelation“ (Offenbarung) sollte ursprünglich am 19. März in Anwesenheit des chinesischen Kulturattachés Wenbo He in Hagen eröffnet werden. Wenige Tage zuvor musste das Osthaus Museum bedingt durch die fortschreitende Corona-Pandemie allerdings seine Pforten schließen. Dr. Tayfun Belgin: „Zhong Biao war bereits am 11. März zusammen mit seiner Frau nach Hagen gekommen, um beim Aufbau seiner Ausstellung mit 30, zum Teil großformatigen Werken aus den Jahren 2005 bis 2019 an Bord zu sein. Bedingt durch die Schließung fiel die Eröffnung aus und der Künstler und seine Frau flogen unverrichteter Dinge nach Beijing zurück.“ In der chinesischen Hauptstadt angekommen, mussten die beiden sich einer zweiwöchigen Quarantäne in einem leer geräumten Hotel unterziehen, danach eine Woche zu Hause verbringen – ohne Kontakt nach außen. „Diese einschneidende Erfahrung vermittelte mir Zhong Biao durch Fotografien“, so der Hagener Museumsdirektor. „Ich bat ihn daraufhin, darüber nachzudenken, ob er sich vorstellen könne, ein Corona-Bild durch Einbezug seiner Reisen und seiner aktuellen Erfahrung zu realisieren.“


Zhong Biao begann mit der Umsetzung und fertigte ein erstes Bild an, das mit dem 5. Mai 2020 datiert ist. Belgin: „Seine handwerkliche Perfektion trug dazu bei, dass seine Arbeiten in einer atemberaubenden Geschwindigkeit entstehen konnten, insgesamt zwei Bilder im Format 2 x 5 Meter sowie neun kleinformatige Zeichnungen, alle Tusche und Acryl auf Papier.“ Zweifellos besonders beeindruckend ist die auf den 22. Mai 2020 datierte großformatige Zeichnung „Welt der Energie“, die den Betrachter zu einem sehr besonderen und extrem detailreichen Blick auf den Zustand der Welt in Zeiten von Corona leitet. Dr. Belgin: „Der vielgereiste Künstler zitiert bildlich uns allen bekannte Orte zu einer nachdenklichen Einheit. Sein Blick auf Weltarchitekturen reicht über das jungsteinzeitliche Stonehenge sowie über den Turmbau zu Babel des Alten Testaments bis hin zum Brand von Notre Dame des Jahres 2019. Die beeindruckenden Szenen gesellschaftlichen Verhaltens nehmen zudem die aktuelle Situation im Frühling und Frühsommer 2020 auf. Das alles dominiert von der Maske, genauer gesagt dem Mund-Nasen-Schutz, der überdimensional präsentiert wird.“


In „Welt der Energie“ begegnet dem Betrachter eine Vielzahl weiterer Details, die in dieser Dichtheit im Werk von Zhong Biao bisher nicht zu finden waren: Das Maskottchen der ausgefallenen Olympischen Sommer-Spiele 2020 in Tokio, die Diamond Princess, einen modernen Luxusliner, auf dem 3700 Passagiere in Quarantäne bleiben mussten, der Yellow Crane Tower in Wuhan, jener Stadt, in der die Pandemie ausbrach, die Abfertigung eines Kurier-Flugzeuges mit Atemschutz-Masken, das Brandenburger Tor, die New Yorker Freiheitsstatue, ein Liebespaar mit heruntergezogenem Mundschutz vor dem Lei Shenshan Krankenhaus, welches in einer Rekordzeit von zehn Tagen in Wuhan aufgebaut wurde, eine Fledermaus, die über den Betten mit Corona-Patienten zu wachen scheint, und unterhalb eines Friedhofs bewegen sich Krankenschwestern und Ärzte in Schutzanzügen auf ein Kind und einen Mann zu, ehemalige Patienten, die sich beim medizinischen Personal bedanken. Unterhalb des Turms zu Babel schließlich findet man eine runde Ansicht; ein Schlüsselloch jenes Hotelzimmers, indem sich Zhong Biao und seine Frau während der Quarantäne-Zeit aufzuhalten hatten. Von außen vernahmen sie lediglich sprechendes Pflegepersonal, das unter anderem Essen austeilte.


Die aktuellen Arbeiten von Zhong Biao, die seiner seit 19. Mai wieder zugänglichen Ausstellung „Revelation“ eine eindrucksvolle Bereicherung geben, sind noch bis einschließlich 26. Juli im Hagener Osthaus Museum zu sehen.