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Die Plastik „Unsterblichkeit“ des belgischen Künstlers Georges Minne ziert das Grab von Verwandten des Kunstmäzens Karl Ernst Osthaus. (Foto: Linda Kolms/Stadt Hagen)

Kulturhistorische Schätze: Grabstätten bekannter Hagener Persönlichkeiten auf den Friedhöfen Delstern und Buschey

30. September 2020 – Christian Rohlfs, Ernst Meister oder Willi Cuno – wer den Friedhof in Delstern besucht, trifft auf auffallend viele Gräber und Ehrengräber bekannter Hagener Persönlichkeiten. Wenige Kilometer weiter taucht der Besucher auf dem Buschey-Friedhof in die Lebensgeschichten namhafter Hagener Familien und die Entwicklung der Grabmalkultur ein.


Der 1883 als Gemeindefriedhof angelegte Delsterner Friedhof ist einer der ältesten kommunalen Friedhöfe in Hagen. Auf dem weitläufigen, rund zehn Hektar großen Gelände befinden sich die letzten Ruhestätten von zehn berühmten Persönlichkeiten, darunter einige Ehrengräber, um dessen Pflege sich der Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) kümmert. Die Gräber liegen zum Teil eher unauffällig am Wegesrand und werden nicht auf den ersten Blick beachtet. Dabei sind einige von ihnen etwas Besonderes, wie Dr. Elisabeth May, Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung im Kunstquartier Hagen, erklärt: „Das Grab von Ernst Meister zum Beispiel ziert eine besondere Brunnenplastik des japanischen Künstlers Rintaro Yagi. Dieser beschäftigte sich intensiv mit der Lyrik des deutschen Dichters und Schriftstellers und stiftete 1987 dieses Kunstwerk.“ Der rechteckige Marmorbrunnen mit Abrundungen zeigt an den Seiten eine Struktur aufeinandergeschichteter Seiten. In der Mitte liegt eine Vertiefung, in der sich Wasser sammeln beziehungsweise Wasser geschöpft werden kann. Nebenan befindet sich die Ruhestätte des deutschen Malers Christian Rohlfs. Der Maler war 1901 auf Einladung des Kunstmäzens Karl Ernst Osthaus nach Hagen übergesiedelt, wo er 1938 verstarb. „Christian Rohlfs hatte sich eine Plastik von Ernst Barlach auf seinem Grab gewünscht. August Hoff, Direktor der Kölner Werkschulen und Briefpartner Barlachs, veranlasste den Nachguss der Plastik ‚Lehrender Christus‘ für dessen Grab“, erläutert Dr. May. Die Figur wurde dort 1949 zum 100. Geburtstag von Christian Rohlfs installiert.


Wenige Schritte weiter blickt der Friedhofsbesucher auf vier quadratische Steine, die mit Moos überzogen sind und deren Inschrift unleserlich geworden ist. Diese Steine erinnern an das Hagener Bildhauer-Ehepaar Karel Niestrath und Eva Niestrath-Berger, wie Elisabeth May weiß: „Die Künstlerin hat diese Steine selbst gestaltet. Wie oft bei ihren Skulpturen wählte sie ein witterungsunbeständiges Material, das hier als Symbol der Vergänglichkeit des Lebens gesehen werden kann.“ Eva Niestrath-Bergers Skulpturen begegnen den Hagenern vielerorts, die sie im Rahmen von Kunst am Bau ausgeführt hat. Karel Niestraths Figuren und Hauszeichen finden sich in Hagen zum Beispiel in der Cuno-Siedlung am Kuhlerkamp. Seine bekannteste Arbeit schuf er 1960 mit dem Bittermark-Mahnmal in Dortmund, das das Leid von Zwangsarbeitern und Widerstandskämpfern zeigt.


Buschey-Friedhof: Über 200 Jahre Familiengeschichte

Moderne Gräber neben kunst- und kulturhistorisch interessanten Grabstätten namhafter Hagener Familien: Auf dem Buschey-Friedhof gibt es viele Elemente vom Historismus über Jugendstil bis zur Moderne zu entdecken. Der älteste Friedhof Hagens, der 1810 eingeweiht wurde, ist seit Beginn an Eigentum der lutherischen, katholischen und reformierten Kirchengemeinden. Über 200 Jahre Familiengeschichte liegen hier mit Namen wie Post, Elbers, Osthaus und Funcke begraben; viele Mitglieder verschiedener Familien haben in eine jeweils andere bekannte Familie eingeheiratet und sind so miteinander verwandt. Ein kleiner Teil des Friedhofs ist Privatgrundstück. Auf dieser offenen und frei begehbaren Fläche ruhen die Familien Funcke, Osthaus und Eduard Elbers. Dr. Elisabeth May, die regelmäßig Führungen über den Buschey-Friedhof anbietet, erklärt die Besonderheit dieses Bereichs: „Hier stehen Skulpturen von hohem künstlerischem Rang: Drei Plastiken des belgischen Bildhauers Georges Minne, die Karl Ernst Osthaus für die Grabstätten seiner Familie in Auftrag gegeben hat. Die Skulptur ‚Unsterblichkeit‘ ist beispielsweise auf dem gemeinsamen Grab seines Vaters, seiner Mutter und seiner Stiefmutter zu finden.“


Der Name Karl Ernst Osthaus erscheint noch in einem anderen Zusammenhang: Am Eingang des Friedhofgeländes erinnert ein Gedenkstein an August Kuth, einst Assistent von Osthaus. Diesen außergewöhnlichen Grabstein hatte Osthaus bei dem niederländischen Architekten J.L.M. Lauweriks in Auftrag gegeben, der zu diesem Zeitpunkt in der Villenkolonie Hohenhagen eine Häuserreihe errichtete.


Ob Delstern oder Buschey – beide Friedhöfe erzählen ein Stück der Hagener Stadtgeschichte und laden den Besucher zum Erkunden und Verweilen ein.


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