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Das Foto zeigt Sonja und Senta Birkenfelder im Getto Radom. Sie waren mit ihren Eltern und Geschwistern im Mai 1940 in das besetzte Polen deportiert worden. (Foto: Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma)

Historischer Vortrag zum Völkermord an den Sinti und Roma

15. Oktober 2020 – „Lokale Initiative und NS-Rassenpolitik – der Weg in den Völkermord“ ist das Thema eines Vortrages von Dr. Karola Fings im Rahmen der Ausstellung „Rassendiagnose: Zigeuner“ am Donnerstag, 22. Oktober, um 19 Uhr im Foyer des Kunstquartiers Hagen, Museumsplatz 1.


Für deutsche Sinti und Roma ist das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau der zentrale Erinnerungsort an den Völkermord. Auch aus Hagen wurden Kinder, Frauen und Männer im Jahr 1943 dorthin deportiert und um ihr Leben gebracht. Während der Völkermord nach Jahrzehnten des Verdrängens und Verleugnens mit dem 2012 in Berlin eingeweihten Denkmal stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit rückte, entstand bei der Aufarbeitung seiner Vorgeschichte an vielen Orten ein „blinder Fleck“. Dabei waren es seit 1933 immer wieder lokale Initiativen, welche die Radikalisierung der NS-Rassenpolitik vorantrieben. Erst aus dieser Perspektive zeigt sich, wer die Menschen waren, die verfolgt und ermordet wurden. Am Beispiel verschiedener Städte – vor allem aus dem Rheinland und Westfalen – beleuchtet der Vortrag, wie lokale Akteure die Gruppe der Sinti und Roma stigmatisierten, erfassten, aus dem gesellschaftlichen Leben isolierten und zu Wegbereitern des Völkermordes wurden.


Die Referentin Dr. Karola Fings ist Historikerin und leitet seit Juli diesen Jahres das Projekt „Enzyklopädie des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in Europa“ der Forschungsstelle Antiziganismus am Historischen Seminar der Universität Heidelberg. Zuvor beschäftigte sie sich in mehreren Veröffentlichungen unter anderem mit der „NS-Zigeunerverfolgung“ sowie der Geschichte von Sinti und Roma. Außerdem ist Dr. Karola Fings Kuratorin des internationalen Projektes „Voices of the Victims“, das über die Internetseite www.romarchive.eu/de/voices-of-the-victims abgerufen werden kann. Für ihren Vortrag im Kunstquartier gibt es coronabedingt nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen. Eine Anmeldung ist unter Telefon 02331/207-2740 erforderlich.