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Portrait Karl Ernst Osthaus, 1903 (Ida Gerhardi, 1862-1927)

100. Todestag: Erinnerung an Karl Ernst Osthaus

25. März 2021 – „In Meran verschied nach schwerem Leiden am Ostersonntag der Gründer und Leiter des Museums Folkwang Dr. Ing. h.c. et phil. Karl Ernst Osthaus“, lautete der Text der Todesanzeige in der lokalen und überregionale Presse im März 1921, gefolgt von einer Würdigung seines Schaffens: „Seine ungewöhnliche Hingabe an alle Fragen des kulturellen und künstlerischen Lebens, seine aufopfernde Tatkraft und sein verantwortungsfreudiger Idealismus sichern ihm über die Grenzen der Jetztzeit und Deutschland hinaus als leuchtendes Vorbild ein bleibendes Andenken.“ Karl Ernst Osthaus, geboren 1874, starb am Ostersonntag, 27. März 1921 in Meran, Südtirol.


100. Todestag: Aktionen im Osthaus Museum Hagen

„Ich freue mich sehr, dass so viele Institutionen in Hagen und über die Stadtgrenzen hinaus an den 100. Todestag von Karl Ernst Osthaus erinnern, einem besonderen Anlass im Jahr unseres Stadtjubiläums“, so Erik O Schulz, Oberbürgermeister der Stadt Hagen. Sobald die Museen in Hagen wieder öffnen können, wird das Osthaus Museum Hagen das Andenken an seinen Namensgeber mit der Ausstellung „Folkwang-Reflexe“ in der historischen Brunnenhalle würdigen. Die Folkwang-Sammlung wurde nach dem Tod von Osthaus von seiner Familie an die Stadt Essen verkauft. Dennoch lassen sich einige Werke aus der ursprünglichen Hagener Folkwang-Sammlung in den Beständen des Osthaus Museums Hagen finden und mit den Objekten im Katalog des Folkwang aus dem Jahr 1912 identifizieren. Dazu gehören beispielsweise das große Wandbild aus dem ehemaligen Folkwang-Musiksaal von Emil Rudolf Weiss wie auch Gemälde und Grafiken von Christian Rohlfs oder Radierungen von Käthe Kollwitz. Zwei berühmte Werke des Jugendstils, der elegante „Schwanenteppich“ von Otto Eckmann und der „Kuss“ von Peter Behrens sind ebenso zu sehen wie die grazile Skulptur „Jephtas Tochter“ von Milly Steger. Außerdem wird ein steinerner Buddhakopf aus dem Privatbesitz von Osthaus gezeigt, der auf sein Konzept der Entwicklung eines Weltkundemuseums verweist.


Eine zeitgenössische Reflex der historischen Hagener Folkwang-Sammlung bietet die Arbeit „Salon de Fleurus: Moderne Kunst aus dem Museum Folkwang“. Sie besteht aus über 20 kleinformatigen Gemälden, die Ansichten des historischen Folkwang-Bildersaales sowie die darin präsentierten Hauptwerke zeigen.


Das Junge Museum im Osthaus Museum erinnert im Rahmen der Ausstellung monatlich mit einem Exponat an die verschiedenen Abteilungen des „Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe“, des 1909 von Osthaus gemeinsam mit dem Deutschen Werkbund gegründeten Wandermuseums. Den Auftakt bildet ein Holzhocker, der nach dem Entwurf von J.L.M. Lauweriks, ehemaliger Leiter des Staatlichen Handfertigkeitsseminars in Hagen, entstanden ist.


Öffentliche Führungen zum Hagener Impuls

Die öffentlichen Führungen zum Hagener Impuls nehmen in diesem Jahr schwerpunktmäßig das 100. Todesjahr in den Fokus. Eine kostenlose Broschüre liefert Erläuterungen zu den Orten des Hagener Impulses und informiert über die angebotenen Führungen.


Skulpturen und Reliefs: Broschüre zum Grabmal

Außerdem veröffentlicht das Osthaus Museum zu diesem besonderen Anlass eine Broschüre über das Grabmal von Osthaus. Die bebilderte Publikation beschreibt die Entstehungsgeschichte und erläutert die dargestellten Skulpturen und Reliefs. Die Broschüre „Die Osthaus-Kapelle am Hohenhof. Das Grabmal für Karl Ernst Osthaus von Johannes Ilimari Auerbach“ von Dr. Birgit Schulte ist gegen eine Gebühr von 4,50 Euro im Osthaus Museum erhältlich.


Museum Folkwang in Essen

Auch das Museum Folkwang in Essen nutzt den 100. Todestag Osthaus‘, um an dessen Schaffen zu erinnern.

„Ohne die Mitwirkung der Kunst sind die wichtigsten Fragen des Lebens unlösbar.“ Diese Überzeugung war die Motivation für Karl Ernst Osthaus (1874-1921), sich Zeit seines Lebens für Kunst, Kultur und den Dialog der Kulturen zu engagieren. Sein Credo gilt bis heute.


Der Kunstsammler legte mit dem Erwerb des impressionistischen Meisterwerks "Lise mit dem Sonnenschirm" von Auguste Renoir den Grundstein für die Sammlung des Museum Folkwang. – Ein Auftakt für eine beispielhafte Sammlung moderner Kunst, dem schnell Erwerbungen von Vincent van Gogh, Paul Cézanne und Paul Gauguin folgten und den Ruf des Museum Folkwang als wegweisendes Museum für zeitgenössische Kunst begründeten. Das Museum Folkwang ist heute eines der renommiertesten deutschen Kunstmuseen mit herausragenden Sammlungen der Malerei und Skulptur des 19. Jahrhunderts, der klassischen Moderne, der Kunst nach 1945 und der Fotografie, die seit 1979 als eigene Abteilung existiert.


„Mit dem Grundstein, den Karl Ernst Osthaus für das heutige Museum Folkwang gelegt hat, hat er nicht nur dem Haus, sondern Essen zu internationaler Strahlkraft verholfen", so Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen. „Im Jahr 2020 als Museum des Jahres ausgezeichnet, bewahrt das Museum Folkwang die Tradition Osthaus' als Stätte des Sammelns und Vermittelns neuer und neuester Kunst. Im Jahr 2022 feiern wir den 100. Geburtstag des Museums. Darauf freue ich mich schon heute."


Der Folkwang-Gedanke hat auch 100 Jahre nach dem Tod von Karl Ernst Osthaus noch Gültigkeit: Der Einheit von Kunst und Leben fühlt sich das Museum Folkwang bis heute verpflichtet.


Hintergründe zu Osthaus Grabmal

Bis zu seinem Tod weilte Osthaus auf Anraten seiner Ärzte zur Linderung seiner fortgeschrittenen Kehlkopftuberkulose in Meran. Auf dem Evangelischen Friedhof zu Meran wurde er schließlich beigesetzt. Der junge Bildhauer Johannes Ilimari Auerbach schuf ihm im Auftrag von Gertrud Osthaus ein monumentales Grabmal. Die Skulpturen und Reliefs thematisieren das Leben und Sterben von Osthaus.


Anlässlich des 50. Todestages von Karl Ernst Osthaus ließ die Stadt Hagen im Jahr 1971 das Grabmal in den Garten des Hohenhofs umsetzen, wo es in der Blickachse des Arbeitszimmers von Osthaus aufgestellt wurde. Am 27. März 1971 fand im Beisein von Familienmitgliedern die Kranzniederlegung durch den Oberbürgermeister der Stadt Hagen am Grabmal statt. Auf Einladung des Karl Ernst Osthaus-Bund folgte im Anschluss eine Gedenkstunde im Osthaus Museum.