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Hagen setzt sich für Verbesserung der Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen ein

16. April 2021 – Zukünftig Benachteiligungen abbauen und zu einem gelingenden Aufwachsen aller Kinder und Jugendlicher in Hagen beitragen: Mit diesem Ziel hat die Jugendhilfeplanung der Stadt Hagen das Projekt „Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Lebenssituationen von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien in benachteiligten Sozialräumen in Hagen“ durchgeführt, um die aktuelle Situation zu erfassen und Bedarfe zu ermitteln. Nun sollen die Ergebnisse umgesetzt werden, um verstärkt gegen Armut und ihre Folgen vorzugehen.


Armut wirkt sich nicht nur auf jeden Einzelnen aus, sondern auf die gesamte Gesellschaft. Kinder und Jugendliche sind dabei einem besonders starken Risiko ausgesetzt, da sie selbst nichts gegen die Ursache, meist die finanzielle Armut der Familie, tun können. Gleichzeitig sind sie es, die besonders von den Folgen betroffen sind. Durch fehlende gesellschaftliche Teilhabe im sozialen und kulturellen Bereich fühlen sich die betroffenen Kinder und Jugendlichen häufig ausgeschlossen. Das Fehlen sozialer Kontakte und Ausgrenzungserfahrungen wirken sich negativ auf ihre psychische Gesundheit und ihr Wohlbefinden aus. Fehlende Sprachkenntnisse sowohl bei den Eltern als auch bei den Minderjährigen führen zusätzlich zu Schwierigkeiten, zum Beispiel im Bildungsbereich.


Indikatoren: Ursachen von Armut

In dem Projekt, das im Rahmen des NRW-Förderprogrammes „Zusammen im Quartier – Kinder stärken – Zukunft sichern“ von 2019 bis 2020 durchgeführt wurde, wurden zunächst die Indikatoren Migrationshintergrund, Haushalte mit Alleinerziehenden, Arbeitslosengeld II-Bezug und Anzahl der Kinder in der Familie herausgestellt, durch die sich das Armutsrisiko erhöhen kann. Je mehr Indikatoren zutreffen, desto höher ist das Risiko, Armutserfahrungen zu machen. Das Ergebnis: 2019 wachsen von den insgesamt 33.567 Kindern und Jugendlichen in Hagen knapp 27 Prozent in einer Familie auf, die von Arbeitslosengeld II-Leistungen abhängig ist. Etwa 19 Prozent leben bei einem alleinerziehenden Elternteil. In allen Haushalten mit Minderjährigen wohnen in rund 17 Prozent drei oder mehr Kinder und Jugendliche. Zudem haben von allen in Hagen lebenden Kindern und Jugendlichen knapp 65 Prozent einen Migrationshintergrund. Auf viele der Familien treffen mehrere Faktoren zu, weswegen das Armutsrisiko in Hagen dementsprechend hoch ist.


Anhand der Indikatoren wurden in einem weiteren Schritt fünf Sozialräume identifiziert, in denen besonders viele Familien von Armut bedroht oder betroffen sind und in denen demnach der größte Handlungsbedarf besteht: Altenhagen, Zentrum/Remberg, Wehringhausen, Haspe-Zentrum und Eilpe/Delstern/Selbecke.


Workshops: Welche Angebote gibt es, was fehlt?

Um eine Übersicht über die bestehenden Angebote und Maßnahmen in den Sozialräumen zu erhalten sowie die Bedarfe zu ermitteln, hat die Jugendhilfeplanung Workshops mit den vor Ort tätigen Fachkräften beispielsweise aus Kitas, Familienzentren, Schulen und Jugendzentren veranstaltet. Darüber hinaus wurden Partizipationsverfahren durchgeführt, an denen sich betroffene Kinder, Jugendliche und Familien beteiligten. Dabei kam heraus, dass bei vielen Angeboten die Armutssituation der Familien bereits berücksichtigt wird: So wird beispielsweise verstärkt darauf geachtet, kostengünstige oder kostenlose Freizeitangebote zur Verfügung zu stellen. Zudem gibt es in vielen Einrichtungen Spenden- und Tauschtische sowie Möglichkeiten zum gemeinsamen gesunden Kochen. Neben zahlreichen Sprachförderangeboten bieten die Fachkräfte den Familien Unterstützung in verschiedenen Bereichen, zum Beispiel bei Anträgen, an.


Doch die bestehenden Angebote und Maßnahmen reichen noch nicht für alle betroffenen Kinder, Jugendlichen und ihre Familien aus. Neben dem Wunsch nach mehr Spiel- und Freiflächen, insbesondere in den dicht bebauten Sozialräumen, rücken unter anderem die Müllproblematik, die Wohnungssituation, die Vermeidung von entstehenden Angsträumen sowie der Ausbau von Digitalisierung und die Verbesserung von Schnittstellen im Rahmen der Netzwerkarbeit in den Fokus und lassen sich in den Handlungsempfehlungen wiederfinden.


Umsetzung der Projektergebnisse

Nach Abschluss des Projektes sollen die Handlungsempfehlungen umgesetzt und Angebote und Maßnahmen zukünftig in Zusammenarbeit mit allen beteiligten Akteuren regelmäßig überprüft, überarbeitet, ergänzt und ausgeweitet werden. Das Ziel ist es, den sich ändernden Bedarfen der Kinder, Jugendlichen und Familien gerecht zu werden, zu einer Verbesserung ihrer Lebenssituationen beizutragen und der Armut in allen Bereichen entgegenzuwirken.


Der Abschlussbericht mit den Projektergebnissen steht hier zur Verfügung.