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Die Taschenuhr wurde bei Aufräumarbeiten vor dem Bunker in der Körnerstraße in der Tasche einer unbekannten, männlichen Leiche gefunden, stehengeblieben am 15. März 1945 um 20.32 Uhr. (Foto: Peter Fröhlich, Landesarchiv NRW)

Stadtarchiv Hagen: Stehengebliebene Taschenuhr hält Moment des Luftangriffs auf den Bunker Körnerstraße fest

13. Juli 2021 – 15. März 1945, 20.32 Uhr: Zu diesem Zeitpunkt wird Hagen von einem letzten, in seinen Auswirkungen verheerendsten britischen Luftangriff getroffen. Ein halbes Jahr später wird bei Aufräumarbeiten vor dem Bunker in der Körnerstraße eine Taschenuhr bei einer männlichen Leiche gefunden, stehengeblieben am 15. März 1945 um 20.32 Uhr. Die Geschichte hinter der Uhr entdeckt das Stadtarchiv Hagen erst 75 Jahre später.


Bei Recherchen in den Akten der Hagener Polizei im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen – Abteilung Westfalen in Münster im Oktober 2020 sichtete das Team des Hagener Stadtarchivs auch Akten, die sich mit der Bergung der Opfer des Luftangriffs am 15. März 1945 befassten. „In den Akten fanden wir einen Umschlag mit einer Taschenuhr, die bei einer getöteten Person, vermutlich ein Wehrmachtssoldat, auf dem Vorplatz des Bunkers in der Körnerstraße geborgen wurde. Die Uhr blieb um 20.32 Uhr stehen und konserviert den Zeitpunkt des britischen Luftangriffs sowie den Tod seines Besitzers“, erklärt Dr. Ralf Blank, Historiker und Leiter des Stadtarchivs Hagen. Der unbekannte Soldat gehörte vermutlich zu den Schutzsuchenden, die sich vor dem Hochbunker gedrängt hatten, um noch eingelassen zu werden. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Bunkerbereich aufgeräumt und von Trümmern befreit. Dabei wurde am 7. September 1945 der unter Schutt begrabene Soldat entdeckt, in der Tasche die stehengebliebene Uhr mit einem Gehäuse aus Edelstahl. Diese war großer Hitze ausgesetzt – das Deckglas fehlt, die Oberfläche ist korrodiert. Zudem fehlt der Sekundenzeiger. Im oberen Teil ist noch eine Inschrift zu erkennen, die auf die Kienzle Uhrenfabrik AG verweist. Die Uhr stammt aus den 1930er Jahren und besaß ursprünglich ein helles Ziffernblatt mit einem umlaufenden, vergoldeten Ring sowie vergoldeten Zeigern.


Nach der Bergung der unbekannten Person wurde die Taschenuhr in die Vermisstenakte gelegt und blieb vorerst im Bestand des Polizeipräsidiums Hagen im Landesarchiv NRW in Münster. Obwohl die Kriminalpolizei bis in die 1970er Jahre immer wieder zu Anfragen nach vermissten Personen des Luftangriffs ermittelte, konnte die Identität des Soldaten auch anhand der Taschenuhr bis heute nicht geklärt werden.


Die Uhr befindet sich mittlerweile als Dauerleihgabe des Landesarchivs im Besitz der Stadt Hagen und ist ab 2022 im Stadtmuseum Hagen zu sehen.