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Wenige 100 laufende Regalmeter Akten wurden durch das Hochwasser beschädigt. In einem aufwändigen Prozess werden sie von der Firma Rhenus getrocknet und restauriert. (Foto: Stadt Hagen/Charlien Schmitt)

Aktenrettung: Stadt sichtet betroffene Bestände – Spezialfirma zur Trocknung beauftragt

26. Oktober 2021 – Vor rund drei Monaten wurde die Stadt Hagen von einer Hochwasserkatastrophe getroffen, die in weiten Teilen des Stadtgebiets für Verwüstung sorgte. Bereits unmittelbar nach dem Hochwasser ließ sich absehen, dass auch wichtige Akten, die in den Kellern der Stadtverwaltung archiviert waren, durch die Wassermassen stark beschädigt wurden. Seitdem arbeitet die Stadt Hagen gemeinsam mit unterschiedlichen Experten an der Rettung und Konservierung dieser Schriftstücke.


Aktenmenge geringer als zunächst vermutet

„Bei einer ersten Sichtung der beschädigten und potentiell zu sanierenden Papiere ergaben sich zu Beginn der Bestandsaufnahme mehr als zwei laufende Regalkilometer betroffenes Aktengut“, erklärt Hubertus Wolzenburg, Archivar bei der Stadt Hagen. „Nachdem die Fachämter gesichtet haben, was unter Wahrung gesetzlicher Aufbewahrungsfristen zwingend zu erhalten ist, reduzierte sich das Volumen auf wenige 100 laufende Regalmeter.“ Einige Akten, darunter auch viele historische Katasterkarten teilweise aus den letzten zwei Jahrhunderten, waren so stark beschädigt, dass sie nicht zu retten sind.


Wichtige Akten vom Hochwasser betroffen

Vor allem in den Kellern des Rathaus II am Hauptbahnhof sowie des Rathaus Hohenlimburg kam es zu starken Beschädigungen an den Aktenbeständen verschiedener Fachämter. Im Rathaus II überflutete hochgedrücktes Schlammwasser die zwei unteren Regalreihen. Da in den Kellerräumen des Rathauses keine ausreichende Lüftungsmöglichkeit bestand, wurde die Bildung von Schimmel auch an Beständen oberhalb der Wasserlinie begünstigt. Um die betroffenen Akten zu retten, musste zunächst der gesamte Keller geräumt und auch für das trocken gebliebene Aktengut eine neue Unterbringung gefunden werden. Hierfür steht nun ein städtischer Hochbunker der Hagener Erschließungs- und Entwicklungsgesellschaft zu Verfügung. Die Akten lagern dort in Regalen und Rollregalanlagen aus der aufgegebenen Landeszentralbank ein.


Im Rathaus Hohenlimburg ist klares Oberflächenwasser durch die Fenster eingedrungen und hat die jeweils unterste Regalreihe durchnässt. Der Keller ist jedoch so gut durchlüftet, dass eine Schimmelbildung kaum eingesetzt hat. Die trocken gebliebenen Akten können jeweils vor Ort stehen bleiben. Alle Bestände, die zur Einhaltung gesetzlicher Fristen aufbewahrt werden müssen, konnten gerettet werden. Hierzu zählen vor allem Akten der Führerscheinstelle.


Aktenrettung ist zeitintensiv

Zur Rettung der Akten, die besonders stark durch das Hochwasser beschädigt wurden, hat die Stadt Hagen einen Vertrag mit dem international tätigen Dokumententrocknungsunternehmen Rhenus geschlossen. Die Firma ist mit dem Prozess der Aktenrettung seit dem Hochwasser laufend beschäftigt. „Die betroffenen Bestände wurden durch das Unternehmen bereits verpackt und abgefahren“, erläutert Hubertus Wolzenburg den Vorgang. „Nun werden sie aufwändig gefriergetrocknet und von Schmutz und Schimmel befreit. Dieser Prozess wird voraussichtlich – auch aufgrund der Auftragslage – länger als ein Jahr dauern.“