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(v.l.) Dagmar Schlaberg, Dr. Birgit Schulte, Erik O. Schulz, Ralf Quardt, Henning Keune, Thorsten Schmitz-Ebert und Horst Fischer beim Spatenstich an der Villa Hohenhof (Foto: Marius Noack/Stadt Hagen)

Gartenanlage Hohenhof: Spatenstich für eine nachhaltige Zukunft

27. April 2022 – Der Auftakt für die Rekonstruktion der historischen Gartenanlage des Hohenhofs ist gemacht: Mit dem heutigen Spatenstich startet die Entwicklung, den Hohenhof als Gesamtkunstwerk und einzigartiges Zeugnis der Bau- und Gartenkunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu präsentieren und ökologisch nachhaltig in die Zukunft zu leiten. „Das finde ich das Spannende an dem Projekt, dass wir nicht einfach nur den Zustand wiederherstellen, wie er mal war, sondern tatsächlich für die Zukunft eine ökologische Qualität schaffen“, so Oberbürgermeister Erik O. Schulz. Nach den Schnitt- und Fällarbeiten im Januar und Februar folgen von Mai bis Oktober die baulichen Garten- und Landschaftsbauarbeiten. Die vegetationstechnischen Arbeiten sowie die Pflanzarbeiten werden anschließend bis Ende des Jahres realisiert. Das Projekt wird mit über 1,3 Millionen Euro im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung 2027 (IGA 2027) gefördert. Für die gesamte erste Förderung, die Erstellung der Entwurfs- und Ausführungsplanung, aus dem „Aktionsprogramm Grüne Lückenschlüsse" im Rahmen des Maßnahmenprogramms der „Offensive Grüne Infrastruktur 2030" ist Horst Fischer (Geschäftsführer der IGA 2027 Metropole Ruhr gGmbH) hauptverantwortlich.


Neben Horst Fischer haben Oberbürgermeister Erik O. Schulz, Henning Keune (Technischer Beigeordneter der Stadt Hagen), Thorsten Schmitz-Ebert (Abteilungsleiter für Umwelt- und Arbeitsschutz der Bezirksregierung Arnsberg), Dagmar Schlaberg (Dezernentin für Natur- und Landschaftsschutz der Bezirksregierung Arnsberg), Susanne Tittmann (Bezirksregierung Arnsberg), Dr. Jost Wilker (Umweltministerium – Geschäftsstelle Grüne Infrastruktur), Marcus Weiß (Landschaftsverband Westfalen-Lippe), Peter Bergen (Forstamtsleiter des Landesbetriebes Wald und Holz NRW), Jan Zobel (Geschäftsführer EUROVIA NL), Igor Jelic (Bauleiter) und Ulrich Verlande (Geschäftsführer der ausführenden Firma) den Spatenstich begleitet. Ergänzt wurde die Gesellschaft durch Vertreterinnen und Vertreter der unterschiedlichen beteiligten Fachbereiche der Stadtverwaltung Hagen.


Aktuelle Informationen zu dem Projekt finden Interessierte auf der Internetseite www.hagen.de/IGA2027 unter dem Menüpunkt „Gartenanlage Hohenhof“.


Hohenhof ökologisch nachhaltig in die Zukunft leiten

Überlagert, verändert und zerstört durch die Nutzungen im Zuge der wechselvollen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts und die Herausforderungen der Gegenwart vor Augen, soll der Garten des Hohenhofs auf der Grundlage eines gartendenkmalpflegerischen Entwicklungskonzeptes behutsam wiederhergestellt und für die Zukunft gesichert werden. Die Rekonstruktion des Gartens, dessen unterschiedliche Bereiche verschiedenen Nutzungen zugedacht waren – Erholung und Gesundheit, Feiern und Spiel, Rückzug und Kontemplation, Lebensmittelversorgung und Hauswirtschaft – ermöglicht sowohl das Erleben unterschiedlich gestalteter Garten- wie Naturräume in einem urbanen Umfeld als auch dessen Einordnung als Gesamtkunstwerk in den geschichtlichen Kontext der Reformbewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, hier am Beispiel der Gartenvorstadt Hohenhagen.


Das Hauptaugenmerk der gartendenkmalpflegerischen Planung liegt dabei nicht allein darauf, die historische Gartenanlage des Hohenhofs nach historischem Vorbild wieder zu errichten, sondern ökologisch nachhaltig zu entwickeln und damit zukunftsfähig zu machen. Große Teile des Gartens liegen im Landschaftsschutzgebiet Emst beziehungsweise gehören zu dem geschützten Landschaftsbestandteil „Hohenhof“, einem Kalk-Buchenwald.


Lokal und regional soll die wiederhergestellte Gartenanlage in Zukunft eine hohe Anziehungskraft entwickeln und den Hagenerinnen und Hagenern einen Ort der Erholung im urbanen Raum bieten. Dank neuer, angepasster Wegeführungen und neuer Aufenthalts- und Sitzmöglichkeiten an ausgewählten Standorten im Garten können Besucher dann zur inneren Ruhe und Einkehr gelangen. Langfristig soll sich das Gesamtkunstwerk Hohenhof landes- und bundesweit zum dauerhaften Anziehungspunkt mit ganzjährigen Nutzungsangeboten für Kultur, Freizeit und kommunale Dienstleistungen entwickeln.


Grundlage sind Pläne von van de Velde und Migge

Dem Entwurf des Landschaftsarchitekturbüros L-A-E LandschaftsArchitektur Ehrig & Partner aus Bielefeld liegen zwei bauliche Zeitschienen aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts zugrunde. Die erste basiert auf dem städtebaulich-freiraumplanerischen Entwurf von Henry van de Velde mit seiner sehr strukturiert-architektonischen Entwurfssprache, wohingegen die spätere Zeitschicht auf die sozialreformerischen Planungsansätze des Gartenarchitekten Leberecht Migge zurückführt.


Die Gesamtanlage des Gartens am Hohenhof besteht aus einem gärtnerisch intensiv gestalteten Teil im unmittelbaren Umfeld des Gebäudekomplexes sowie einem weitestgehend landschaftlich belassenen Bereich in dessen weiterem Umfeld. Insbesondere in letztgenannten Bereichen hat die Planung das Potential, einen wesentlichen Beitrag zur Klima-Resilienz durch die Anpflanzung neuer Bäume und Sträucher und zum Erhalt der Artenvielfalt durch die Wiederherstellung verloren gegangener Vegetationsbereiche wie Obstwiesen und Saumbiotope zu leisten. Die gezielten Verbesserungen der Vegetationsstrukturen durch Erhaltungsmaßnahmen im Altbaumbestand, beispielsweise dem Erhalt von Habitatbäumen im Sinne des Fledermausschutzes auf der einen Seite sowie durch den Erhalt von gehölzfreien Flächen wie Waldlichtungen und Wiesentälern auf der anderen Seite, erhöht die landschaftliche Vielfalt. Die Planung definiert die Übergänge von der historischen Gartenanlage zur freien Landschaft genauer und durch gezielte Besucherlenkung werden die besonders schützenswerten Bereiche entlastet. So leistet der Garten am Hohenhof einen Beitrag zum bewussten Naturerleben vor der eigenen Haustür.


Im historischen Teil der Gartenanlage soll zudem Umweltbildung durch die Verbindung von Kunst und Natur stattfinden. Verschieden vernetzte Grünräume wie Wiesen und Obstbaumhaine, Alleen-, Heckenstrukturen und Staudenrabatten machen die Vielfalt auch im Kleinen erlebbar.


Projekt mehrfach gefördert

Um den Hohenhof als Gesamtkunstwerk der Bau- und Gartenkunst zu präsentieren, hat die Stadt Hagen zunächst eine Entwurfs- und Ausführungsplanung zur Rekonstruktion des historischen Gartens in Auftrag gegeben. Diese Planung wurde mit Landeszuwendungen zur Umsetzung des Leitprojektes „Offensive Grüne Infrastruktur 2030-Aktionsprogramm Grüne Lückenschlüsse-Bausteine zur Umsetzung“ im Jahr 2020 gefördert. Zur Umsetzung des Projektes folgte im vergangenen Jahr ein Antrag auf Zuwendung aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) 2014-2020, im Rahmen des REACT-EU-Programms „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung“ in der Aufbauhilfe für den Zusammenhalt und die Gebiete Europas.


Das Konzept der Rekonstruktion verfolgt beispielhaft die Leitfrage der IGA 2027 „Wie wollen wir morgen LEBEN?“ und wird in diesem Rahmen mit über 1,3 Millionen Euro gefördert.