Marktplatz

Die Porträt-Galerie im Rathaus an der Volme

Dr. Heinrich Wilhelm Emminghaus Erster Bürgermeister der Stadt Hagen 1746-1749

275 Jahre gelebte Stadtgeschichte in Hagen - und in all diesen Jahren haben viele Männer und eine Frau die Geschicke der Stadt Hagen geleitet. Während dies bis 1997 in ehrenamtlicher Funktion geschah, wird der „erste Bürger der Stadt“ seitdem direkt von den in Hagen lebenden Menschen gewählt. Zur Würdigung ihres Engagements, wurden im Auftrag der Stadt Hagen Künstlerinnen und Künstler, wie Erwin Hegemann, Uwe Will, Eleonore A. Berchtold und Heinrich Holthaus damit beauftragt, Porträts anzufertigen. Diese befinden sich heute in der Lobby neben dem Ratssaal im Rathaus an der Volme.


Was aus heutiger Sicht zwar künstlerisch anspruchsvoll, aber durch geeignete Vorlagen noch relativ einfach realisierbar erscheint, war bezogen auf Hagens Stadtoberhäupter des 18. und 19. Jahrhunderts deutlich schwieriger. Hier gab es nur Skizzen oder Zeichnungen der ehemaligen Stadtoberhäupter. Und von einigen der frühen Bürgermeister gibt es im Stadtarchiv keine Abbildungen, so dass die Ahnengalerie unvollständig ist.


Die intensive Beschäftigung mit den Porträts der Stadtoberhäupter anlässlich des 275. Geburtstages der Stadt Hagen haben wir Siegfried Ehrmann zu verdanken, einem ehemaligen Hagener, der seit vielen Jahren in San Francisco lebt, und dort lange Jahre als Galerist tätig war. Dieser Impuls und seine intensive und immens wertvolle Recherchearbeit sowie der Blick auf die vergangene und zukünftige Geschichte der Stadt Hagen ist noch lange nicht abgeschlossen. Bleiben Sie neugierig!

*BM=Bürgermeister OB= Oberbürgermeister OST=Oberstadtdirektor
Fotos: Birgit Andrich

Ein kleiner Tipp: Die Bilder können im Rahmen einer Rathausführung besichtigt werden. Absolut empfehlenswert, auch weil hier spannende Fragen geklärt werden können, z.B. „Warum hängt für die Zeit 1933 – 1945 kein Porträt, sondern ein Bronzerelief in der Ahnengalerie?“ oder „Woher stammt eigentlich der Name HAGEN?“

Foto: Birgit Andrich

Bürgermeister „mal“ anders

Ein Schnupperangebot zur Portraitmalerei als Beitrag der VHS Hagen zum Stadtjubiläum 275 Jahre Stadt Hagen

Dr. Emminghaus, der erste Bürgermeister von Hagen im Jahre 1746, schaut gewitzt vor einem türkisfarbenen Hintergrund aus dem Bild. Bürgermeister Prentzel, der von 1876 bis 1888 im Hagener Rathaus waltete, thront stolz vor einer pinken Rückwand und Renate Löchter, die einzige Bürgermeisterin, die Hagen jemals für kurze Zeit im Jahre 1989 hatte, trägt sogar eine neonfarbige Brille. Mit Pinsel und Farbe wurden die ehemaligen Stadtoberhäupter der Volmestadt am Sonntagnachmittag neu in Szene gesetzt. Eine ungewöhnliche, aber sehr vergnügliche Mal-Aktion des Studienbereiches Kunst und Kultur der VHS Hagen. Zum Semesterstart lieferte die VHS mit diesem Schnupperangebot zur Portraitmalerei gleichzeitig einen gelungenen Beitrag zum Hagener Stadtjubiläum „275 Jahre Stadt Hagen“. Die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer hatten zusammen mit der Künstlerin Cornelia Regelsberger jede Menge Spaß. Nach einer kurzen Einführung in die Maltechnik und den Umgang mit Leinwand und Farbe ging es direkt an die Staffeleien. Und Stadtgeschichte kam an dem kreativen Nachmittag auch nicht zu kurz. Denn die Vorlage zum Malen lieferte die Bürgermeistergalerie im Hagener Rathaus, die alle ehemaligen Stadtoberhäupter, gemalt von Erwin Hegemann und Uwe Will, präsentiert. So konnten die prominenten Herren und eine Dame aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden und rückten im Rahmen des Jubiläums noch einmal ins Rampenlicht. Stadtgeschichte wurde auf diese Weise kreativ ergänzt und neu entdeckt. Der Nachmittag endete rundum gelungen mit einer kleinen Vernissage der Malgruppe, bei der alle stolz auf ihre coolen Bilder schauen konnten.


275 JAHRE HAGENER STADTRECHT

von Dr. Ralf Blank

Hagen um 1870 Foto: Stadtarchiv Hagen

Der erste Hinweis auf einen Ort mit dem Namen „Hagen“ an der Volme stammt aus einer erzbischöflichen Urkunde aus dem Jahr 1121. Auch die den beiden Patronen St. Gervasius und St. Protasius gewidmete Kirche zu Hagen – die heutige Johanniskirche am Markt – lässt sich urkundlich und bauhistorisch frühestens in das 12. Jahrhundert datieren. 1392 gelangten die Herrschaft Volmarstein und Hagen aus dem erzbischöflichen Besitz zur Grafschaft Mark. Mit Einführung der märkischen Ämterverfassung wurde Hagen Anfang des 15. Jahrhunderts der Mittelpunkt eines Gerichts im Amt Wetter. Viel ist das nicht, was es über den Ort und die Kirche zu Hagen an der Volme aus mittelalterlicher Zeit zu berichten gibt. Erst im 17. Jahrhundert wird die Überlieferung dichter und zahlreicher. Der Dreißigjährige Krieg 1618 bis 1648 und mehrere Epidemien wie die Pest hinterließen im Gericht Hagen ein ausgebranntes Land und hohe Bevölkerungsverluste.

Akzisehaus um 1932 Foto: Stadtarchiv Hagen

Die Akzise

Erst die Ansiedlung von bergischen Klingen- und Sensenschmieden in Eilpe und auf der Enneperstraße sorgte für eine wirtschaftliche Verbesserung. In den folgenden Jahrzehnten profitierte Hagen von den umfassenden Verwaltungsreformen unter König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, der auch Landesherr in der Grafschaft Mark war. Am 27. August 1717 erging die Anordnung zur Einrichtung einer Akzise und einer Kornwaage in Hagen. Der „akzisebare Flecken“ besaß damit eine größere Bedeutung für die preußische Landes- und Finanzverwaltung.

1719 waren in dem unbefestigten Ort 131 Häuser, drei Kirchen und eine Kapelle vorhanden. Die 675 gemeldeten Personen waren hauptsächlich als Backwaren produzierende Personen, Brauer*innen, Weinbau betreibende Leute und Handwerkende tätig, es gab 137 in der Hauswirtschaft beschäftigte Menschen, 458 Frauen und Kinder sowie 80 Knechte und Mägde. Die vier jüdischen Familien mit 14 Personen lebten vom Schlachten und von der Glasherstellung. Am 6. September 1724 brannte ein Großteil der Ortschaft bereits zum zweiten Mal nieder. Diesmal wurde der Wiederaufbau von Seiten der Regierung systematisch vorbereitet und begleitet. Im Januar 1725 wurden die Richtlinien für die zukünftige Baugestalt festgelegt. Sie berücksichtigten vor allem die geplante Erweiterung des Fleckens entlang der Landstraße nach Süden und Norden sowie am „Unteren Berge“ auf dem gegenüberliegenden (östlichen) Ufer der Volme.

Die Regierung förderte den Wiederaufbau unter anderem mit einer zweijährigen Befreiung der in Hagen gemeldeten Personen von der Akzise, was einem finanziellen Lastenausgleich entsprach. Schon nach wenigen Jahren hatte sich Hagen erholt, sodass die Regierung am 26. Mai 1733 „Rathäusliches Reglement“ für Hagen anordnete. Zu dieser Zeit war der Flecken nicht mehr so unbedeutend wie als Dorf am Ende des 17. Jahrhunderts, da die Akzise in Hagen in diesem Jahr immerhin Einkünfte von insgesamt 2.285 Reichstalern erzielt hatte. Damit befand sich Hagen bereits an fünfter Stelle unter den elf Städten und Flecken im südlichen Teil der Grafschaft Mark. Bei den Einkünften lag Hagen hinter Iserlohn, Altena, Schwelm und Hattingen, aber noch vor Herdecke, Breckerfeld und Lüdenscheid. Der kleine Ort an der Volme nahm nun den Weg zur Stadt.

Brandplan (ältester Stadtplan von Hagen) Foto: Stadtarchiv Hagen

3. September 1746: Der Tag der Stadtwerdung

Am 10. August 1744 wurde aus Hagen eine Eingabe an die Kammer in Kleve mit Bitte um die Verleihung von Stadtrechten gerichtet. Es sollte noch zwei Jahre dauern, bis Hagen im nüchternen Verwaltungsakt eines Reskripts am 3. September 1746 durch König Friedrich II. von Preußen zur Stadt erhoben wurde. Die am Schnittpunkt von zwei wichtigen Fernstraßen zwischen dem Rheinland und Westfalen sowie von Westfalen in das Rhein-Main-Gebiet und Frankfurt sowie zwei regional übergreifenden Strecken von Hagen über Limburg und Iserlohn nach Kassel und weiter nach Sachsen gelegene Stadt profitierte seit dem 18. Jahrhundert von ihrer verkehrsgünstigen Lage.

Sie förderte nicht nur den Warenverkehr und das Gastgewerbe, auch als zentraler Verwaltungssitz für das Umland gewann Hagen an Bedeutung. Als König Friedrich Wilhelm II., der Kronprinz, Regierungsvertretende und der Hofstaat im Juni 1788 die preußischen Westprovinzen besuchten, wurde Hagen wegen dieser günstigen Lage für drei Tage als Nachtquartier und Ausgangspunkt für Reisen in das märkische Gewerbegebiet gewählt. Ein weiterer Impuls war der Anschluss an die Eisenbahn 1848. Damit erhielt Hagen einen deutlichen Standortvorteil gegenüber den übrigen Städten im märkischen Gewerbegebiet. Das begünstigte nicht nur die industrielle und wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch das Bevölkerungswachstum der Stadt. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem nahezu ungestörten Aufschwung, der bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 andauerte. Die Eingemeindung von Wehringhausen und Eilpe 1876 sowie die Kreisfreiheit im Jahre 1887 vergrößerten das Stadtgebiet, die Zahl der gemeldeten Personen und die kommunale Bedeutung.

Karl Ernst OsthausFoto: Stadtarchiv Hagen

Karl Ernst Osthaus: Die Vision einer Stadt

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Stadt Hagen neben ihrer wirtschaftlichen Produktivität auch eine wichtige Funktion als kultureller Impulsgeberin erhalten, vor allem wegen der Aktivitäten von Karl Ernst Osthaus. Er gründete 1902 in Hagen mit dem Museum Folkwang weltweit das erste öffentliche Museum für zeitgenössische Kunst. Durch die 1887 gegründete Akkumulatoren Fabrik war Hagen darüber hinaus um 1900 auch ein Zentrum der elektrotechnischen Forschung, Entwicklung und Produktion von internationaler Ausstrahlung. Der Erste Weltkrieg 1914 bis 1918 war eine Zäsur, die für Hagen das Ende einer längeren Aufschwungphase bedeutete. Nachdem Hagen mit der Geburt der 100.000 Einwohnerin 1928 den Rang einer Großstadt erreicht hatte, stieg die Zahl der dort gemeldeten Menschen durch eine Neugliederung des Gebiets schnell nach oben.

Die bis dahin dem Landkreis Hagen angehörigen Gemeinden Boele, Fley, Halden, Herbeck, Holthausen und Vorhalle sowie die Stadt Haspe wurden im August 1929 in die Großstadt Hagen eingemeindet. Damit löste sich auch der Landkreis Hagen auf. Die Stadtverwaltungen in Hagen und Haspe führten schon zehn Jahre zuvor, im Jahr 1919, Verhandlungen über eine Eingemeindung nach Hagen, die aber Mitte 1920 ergebnislos abgeschlossen wurden. So konnte sich die Volmestadt durch die Eingemeindungen zum Jahresende 1929 über 147.770 gemeldete Personen freuen. Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg 1933 bis 1945 führten beinahe zum Untergang der Stadt. Über 10.000 in Hagen lebende Menschen fanden den Tod, darunter mehr als 1.000 ermordete Menschen jüdischen Glaubens und andere Opfer des NS-Regimes, alliierte Luftangriffe zerstörten das gewachsene Stadtbild grundlegend und nachhaltig. Als US-amerikanische Truppen im April 1945 die Stadt eroberten, fanden sie eine zu fast 90% zerstörte Innenstadt vor. Die Nachkriegszeit, der Wiederaufbau und das folgende „Wirtschaftswunder“ in den 1950/60-er Jahren konnten die Spuren und Folgen der zwölfjährigen NS-Diktatur im Stadtbild nur bedingt beseitigen.

Ihre heutige Größe erreichte die Stadt Hagen im Jahr 1975 durch die seinerzeitige kommunale Gebietsreform, mit der die bis dahin selbständige Stadt Hohenlimburg mit ihren Stadtteilen eingemeindet wurde. Hagen war seit dem 17./18. Jahrhundert eine Stadt des Stahls, doch die Stahlkrise ab den späten 1960-er Jahren führte in einen Strukturwandel, der bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts die Stadtentwicklung bestimmt hatte. Erst Anfang der 2010-er Jahre zeichnet sich eine Neugestaltung der Funktion und Rolle Hagens in der Region ab, die jedoch nicht losgelöst von der Geschichte der Stadt verlaufen wird. Dabei spielt sicherlich auch die Lage der Stadt auf der Schwelle zwischen Südwestfalen mit dem märkischen Sauerland und dem als Ruhrgebiet bezeichneten Wirtschaftsraum zwischen Ruhr und Lippe eine wichtige Rolle.


Historische Luftbilder als Dokumente der Stadtentwicklung

Luftaufnahme Rathaus 1952© RVR, 1952, dl-de/by-2-0 LINK: https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0

Die Geschichte unserer Stadt lässt sich auch in Luftbildern erkunden. Im Internet gibt auf den Seiten der Luftbildkooperation MetropoleRuhr Luftbilder von Hagen von den 1930er Jahren bis heute unter https://luftbilder.geoportal.ruhr. Das Wachsen unserer Stadt, die Veränderungen im Stadtbild der letzten knapp hundert Jahre, neue Siedlungen, neue Straßen und vieles mehr lassen sich dort erkunden und nachvollziehen. Beim Regionalverband Ruhr (RVR) sind in der Luftbildsammlung seit 1926 Luftbilder im Maßstab 1:5000 als Einzelbildentzerrungen vorhanden. Ab 1952 erfolgten Schwarz-Weiß-Befliegungen in regelmäßigen Zeitabständen für die Region, die ab 1980 durch farbige Luftbilder abgelöst wurden. Farb-Infrarot-Befliegungen erweiterten ab 1969 die Sammlung. Ab 1984 erfolgten auch Befliegungen in anderen Maßstäben.

Luftaufnahme Rathaus und Volme-Galerie 2020© RVR, 2020, dl-de/by-2-0 LINK: https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0

Geonetzwerk Metropole Ruhr

Seit dem Jahr 2017 gibt es über das Geonetzwerk.metropoleRuhr eine Luftbildkooperation des RVR mit den Mitgliedsstädten und Landkreisen. Um diese Bilder auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen wurde durch den RVR die Internetanwendung https://www.luftbilder.geoportal.ruhr/ entwickelt. Mit einer ruhrgebietsweiten Adresssuche kann man zielgenau navigieren und über den Menüpunkt "Luftbilder" Luftbilder aus 10 verschiedenen Epochen auswählen. Die Anwendung bietet Werkzeuge um in den Bildern zu messen. Die Bilder können exportiert und auch maßstäblich gedruckt werden. Viel Spaß beim Entdecken!

Team

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