„100% Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus“: Unter diesem Motto eröffnete Oberbürgermeister Dennis Rehbein am vergangenen Montag, 16. März, die Internationalen Wochen gegen Rassismus (IWgR) im Kultopia. In seiner Eröffnungsrede betonte er die hohe Bedeutung des Themenfeldes der Aktionswochen und unterstrich nachdrücklich, dass sich die Hagener Stadtgesellschaft entschieden gegen jegliche Form von Diskriminierung stellt.
Vorträge und Workshops für Fachpublikum und Interessierte
Im Rahmen der Auftaktveranstaltung hielt der Sozialwissenschaftler Mick Prinz, Projektleiter bei der Amadeu Antonio Stiftung, einen Vortrag zum Thema „Toxic gaming? Videospiele zwischen Hass und Vielfalt“, in dem er das Fachpublikum unter anderem über demokratische und antidemokratische Entwicklungen in Videospielwelten aufklärte. Er selbst ist leidenschaftlicher Gamer und verdeutlicht in seiner Bildungsarbeit sowohl Chancen als auch Herausforderungen von Videospielen. In den Fokus seiner Arbeit stellt er der Zusammenhang zwischen Gaming und Rechtsextremismus. Im Anschluss an den Vortrag hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, an zwei Workshops teilzunehmen. Unter der Leitung von Mick Prinz konnten Interessierte die Inhalte seines Vortrags weiter vertiefen. Ein zweiter Workshop unter der Leitung von Sonja von Zons beschäftigte sich mit dem Thema „Das vermeintliche Neutralitätsgebot – Eine Klarstellung“. Dieser bot den Teilnehmenden die Gelegenheit, auf Unsicherheiten in Bezug auf die Reproduktion rassistischer Äußerungen – besonders zu Bildungszwecken im Unterrichtskontext – einzugehen. Die Lehrkräfte wurden so bestärkt, sich aktiv für gesellschaftliche Werte und die freiheitlich-demokratische Grundordnung (FDGO) einzusetzen. Vor und nach den Workshops hatten die Anwesenden die Möglichkeit, sich bei einem Get-Together über ihre Eindrücke auszutauschen.
Einen weiteren Höhepunkt zum Auftakt der Veranstaltungsreihe bot die Buchvorstellung „Kinder – Minderheit ohne Schutz“ mit Sebastian Kurtenbach am Dienstag, 17. März, im Kulturzentrum Pelmke, an der rund 50 interessierte Besucherinnen und Besucher teilnahmen. Im Mittelpunkt des Abends stand die gleichnamige Publikation von Aladin El-Mafaalani, Sebastian Kurtenbach und Klaus Peter Strohmeier. Sebastian Kurtenbach, Professor für Politikwissenschaft/Sozialpolitik an der Fachhochschule Münster sowie Privatdozent für Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum, stellte zentrale Thesen des Buches vor und gab Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse. In ihrem Buch zeichnen die Autoren ein differenziertes Bild einer jungen Generation, deren Lebensrealitäten zunehmend vielfältiger und fragmentierter sind. Für viele Kinder ist gesellschaftliche Diversität zwar längst Normalität, weil fast die Hälfte von ihnen mit internationaler Familiengeschichte aufwachsen. Gleichzeitig sehen sich Kinder und Jugendliche jedoch mit strukturellen Benachteiligungen konfrontiert. Sie tragen das höchste Armutsrisiko aller Bevölkerungsgruppen, ihre Interessen finden oft zu wenig Gehör und sie haben nur geringe politische Einflussmöglichkeiten. Im Verlauf der Veranstaltung stand besonders der dringende Bedarf an einem Kulturwandel im Bildungsbereich im Mittelpunkt. Kurtenbach plädierte für höhere Investitionen in Kitas und Schulen sowie für neue Beteiligungsformate, beispielsweise in Form von Zukunftsräten. Darüber hinaus fand eine Diskussion über die Idee eines Sondervermögens für Bildung statt, um langfristig bessere Rahmenbedingungen für junge Menschen zu schaffen. Auch die gesellschaftliche Verantwortung älterer Generationen für Kinder und Jugendliche wurde als wichtiger Faktor für mehr Zusammenhalt betont. Es entwickelte sich eine engagierte und intensive Diskussion mit dem Publikum. Die zahlreichen Fragen und Wortmeldungen zeigten, wie sehr das Thema die Anwesenden bewegt und wie groß der Bedarf an Austausch und politischer Debatte ist. Die Veranstaltung fand in gemeinsamer Organisation durch das Kommunale Integrationszentrum (KI) der Stadt Hagen und dem Kulturzentrum Pelmke und der Reihe „Gegen den Strom“ statt. Die politische Bildungsreihe, an der „Arbeit und Leben-Berg Mark“, die DGB-Region Ruhr-Mark, das Kulturzentrum Pelmke sowie die VHS Hagen beteiligt sind, setzt sich für gesellschaftlich relevante Themen ein und bietet in Hagen ein kostenfreies Forum für Vorträge und Diskussionen.
Vielfältiges Veranstaltungsangebot
Neben den vielfältigen Veranstaltungen im Rahmen der IWgR findet in diesem Jahr zeitgleich die interaktive Ausstellung „Werde Zweitzeug*in“ für Interessierte ab zwölf Jahren im Osthaus Museum, Museumsplatz 1, statt. Rund 40 interessierte Gäste nahmen an der Vernissage im Foyer des Museums teil und wurden von der Bildungsreferentin Judith Manusch vom Zweitzeugen e.V. durch das Programm geführt. Die Ausstellung des mehrfach ausgezeichneten gemeinnützigen Vereins erzählt die berührenden Lebensgeschichten der Holocaust-Überlebenden Henny Brenner, Chava Wolf, Dr. Leon Weintraub und Wolfgang Lauinger und trifft bei diversen Hagener Schülerinnen und Schülern sowie pädagogischen Fachkräften auf großes Interesse. Noch bis Sonntag, 29. März, haben Interessierte die Gelegenheit, die Wanderausstellung im Museumsquartier zu besuchen. Weitere aktuelle Informationen über das Programm der IWgR erhalten Interessierte auf der Internetseite des Kommunalen Integrationszentrums. Bei Rückfragen steht Marion Rosenberg vom KI per E-Mail an *****@stadt-hagen.de oder unter Telefon 02331/207-5571 zur Verfügung. Rückfragen zu der Buchvorstellung mit Sebastian Kurtenbach beantwortet Ioanna Lourdas vom KI per E-Mail an *****@stadt-hagen.de oder unter Telefon 02331/207-5570.