Villa Hohenhof und Umfeld
Die Villa Hohenhof zählt zu den bedeutendsten Gebäuden der Moderne in Europa. Als Gesamtkunstwerk mit dem nach historischem Vorbild wiederhergestellten Garten ist sie Hagens Beitrag im Bereich "Historische Gärten und Parks". 1906 beauftragte der Gründer des Folkwang-Museums, Karl Ernst Osthaus (1874‒1921), den Architekten Henry van de Velde (1863‒1957), das Wohnhaus der Familie zu planen. Das 1908 bezugsfertige Gebäude entwarf der flämische Architekt aus einem Guss. Für die Innenausstattung entstanden in Absprache mit dem Bauherrn Möbel, Wanddekorationen und Bodenbeläge, Lampen und Stoffe, Geschirr und Besteck nach Entwürfen van de Veldes. Kunstwerke bedeutender Vertreter der europäischen Moderne wurden während der Bauzeit des Hohenhofs ausgewählt und in die Architektur integriert. Die von van de Velde angelegte Gartengestaltung wurde 1913/14 nach einem Plan des Landschaftsarchitekten Leberecht Migge (1881-1935) verändert. Die letztgültige Gestaltung des weitläufigen Areals wurde 2022/23 aufwendig wiederhergestellt.
Auszeichnung als „Iconic House"
Seit 1999 fungiert die Villa Hohenhof als „Ankerpunkt“ der Route Industriekultur. 2010 erfolgte die Aufnahme des Hauses inklusive der Garten- und Waldanlagen in die Denkmalliste der Stadt Hagen. Der Garten wurde zudem in das seit 2006 bestehende Europäische Gartennetzwerk (EGHN) als einer der Gärten des Ruhrgebiets mit dem Themenschwerpunkt „Geschichte der Gartenkunst" gewählt. 2015 klassifizierte die Plattform „Iconic Houses“ die Villa Hohenhof als Ikone des modernen Bauens und nahm sie in das weltweit nur rund 200 Objekte umfassende gleichnamige Netzwerk auf, das international herausragende Zeugnisse moderner Architektur würdigt. Sie ist hier das einzige gelistete Gebäude im Ruhrgebiet und eines von nur vier Häusern in NRW.
Die Wiederherstellung der historischen Gartenanlage
Grundlage der Wiederherstellung ist der großmaßstäbliche Bebauungsplan Henry van de Veldes für die Villenkolonie von 1907. Haus, Garten und Siedlung sind hiernach durch vielfältige, achsiale Bezüge verbunden. Da der Hohenhof in einer Wiesenmulde zwischen zwei bewaldeten Höhen errichtet werden sollte, musste diese aufgefüllt werden. An der Ostseite steigt dadurch eine hohe Stützmauer aus dem Anger auf, über der die Ostterrasse liegt. Details zum Garten sind dem Bebauungsplan nicht zu entnehmen und liegen aus van de Veldes Feder auch sonst nicht vor.
Wir wissen daher nicht, welche Bepflanzung van de Velde vorgesehen hatte. Weil Osthaus mit dieser aber auch nicht zufrieden war, wandte er sich um das Jahr 1912 für eine Umgestaltung an den Gartenarchitekten Leberecht Migge aus Hamburg.
Migge wartete mit einem üppigen und farbenfrohen Bepflanzungsplan auf, der Rosen, Sommerblumen und Stauden sowohl im Nordhof, auf der Ostterrasse, im Brunnenhof, im Südgarten und sogar im Nutzgartenbereich auf der Westseite vorsah. Auch die eine oder andere räumliche Modifizierung nahm Migge vor. Nicht unbedingt zum Gefallen van de Veldes. Da ebenfalls um das Jahr 1912 ein unverkauft gebliebenes Grundstück im Süden in den Garten des Hohenhofs einbezogen worden war und van de Velde den Anger und die Waldbereiche mehr oder weniger aus dem Bestand übernommen hatte, konnte Migge auf diesen Flächen ohne größere Einschränkungen tätig werden. So unterteilte er den Ostwald in einen lichten und einen dunklen Wald und fügte einen Birkenhain, eine Rhododendronachse, eine Ebereschengruppe sowie Sitzplätze und Waldpfade ein. Im Westwald legte er einen Spielplatz an. Die heutige Pflanzplanung der L-A-E Landschaftsarchitekten Ehrig & Partner mbB, Bielefeld, orientiert sich daher für die gesamte Gartenlage des Hohenhofs an Migges Vorgaben.
Nordhof
Der Nordhof ist in seinen Wegestrukturen gut erhalten, weshalb hier vor allem pflanzliche Änderungen umgesetzt wurden. So gab es beispielsweise an der Remise drei Spaliere, die nach ihrer Wiederherstellung als Rankgerüst für Clematis montana dienen. Grundsätzlich bezeichnete Migge diesen Gartenraum als Frühlingsgarten, weshalb in den Beeten bodendeckende Frühlingsblüher und Geophyten wachsen. Das Rasenoval im Nordhof wurde auf Migges Planung zurückgeführt und zu einem Yin-Yang-Zeichen ergänzt.
Anger
Im Übergang zwischen Taubenhaus und Anger wurde die zusammengebrochene Mauer originalgetreu wiederhergestellt. Der Anger selbst ist, wie historisch belegt, ein Wiesenraum mit Obststreuwiese. Ein Teil des Angers ist bewaldet. Um den Blick von der Bastion zur Ostterrasse zu schaffen, ist der Waldrand stufig gegliedert.
Ostterrasse
In diesem Bereich ist nach van de Veldes Vorgaben ein Mittelbeet entstanden, das an den Gebäudekanten endet. Die Bepflanzung besteht gemäß Migges Entwurf aus Rosen in Verbindung mit Stauden. Eine zweite Kastanie, die Migge als Pendant zur nördlichen vorgesehen hatte, wurde erneut gepflanzt. Um die Kastanie herum steht entsprechend historischer Fotografien heute wieder eine Rundbank.
Ostwald
Der Waldsaum wurde nach Plänen von Migge mit einem dreireihigen Birkenhain aufgewertet werden. Derartige Birkenhaine waren ein charakteristisches Gestaltungselement der Jugendstilzeit. Zusätzlich wurden die aufgemauerten Treppenwangen und die angedeutete Böschung rekonstruiert. Die am Weg liegende „Buddhagrube“ ‒ ein abgesenkter kleiner Platz auf dem eine heute verlorene Buddha-Figur stand ‒ ist instandgesetzt und mit den vor Ort befindlichen Steinen als Trockensteinmauer neu aufgesetzt.
Südgarten
Der Südgarten umfasst drei Rasenbereiche und wird nach Süden durch den sogenannten Blumenzaun, einen weiß lackierten Holzzaun, halbmondförmig gefasst. In der Mitte ist dieser unterbrochen, so dass in einer Achse vom Arbeitszimmer des Hauses aus der Blick auf das Grabmal von Karl Ernst Osthaus fallen kann
Westgarten
Der Westgarten als ehemaliger Nutzgarten wurde in seiner Topographie rekonstruiert. Hier entstanden niedrige Mäuerchen, die ein Refugium für Reptilien und Amphibien sowie an Mauern gebundene Pflanzenarten bieten. Zusätzlich erfolgt die Erweiterung der Rotdornallee bis zur Straße.
Westwald
Hier wurde in Anlehnung an den von Migge geplanten Spielplatz eine Schaukel platziert, die sich an einem historischen Foto orientiert.
Weiterführende Links
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