Nachweis von Taubentuberkulose: Stadt Hagen muss betroffenen Taubenschlag auflösen
Dienstag, 07.Juli 2026„Der Gesamtbestand der knapp 60 Tiere im Taubenhaus am Remberg machte bereits über einen längeren Zeitraum einen gesundheitlich schlechten Eindruck“, erläutert Dr. Andrea Piepenbrink, amtliche Tierärztin im Umweltamt der Stadt Hagen sowie Leiterin des Hagener Tierheims, die Entscheidung der Unteren Tierschutzbehörde der Stadt Hagen, betroffene Tauben aufgrund eines akuten Befalls der Taubentuberkulose einzuschläfern. „Da sich das Krankheitsbild oft erst über Wochen und Monate nach erfolgter Infektion zeigt, mussten wir aufgrund der gravierenden pathologischen Befunde davon ausgehen, dass der gesamte Bestand erheblich litt.“
Erster Verdacht im Mai
Erkennbar waren erste Anzeichen für eine Erkrankung mit der aviären Tuberkulose (Taubentuberkulose) bei zwei Tauben in Form einer auffälligen Granulombildung, also die Bildung knötchenartiger Gewebevermehrungen, sowie durch ihren schlechten Allgemeinzustand. Aufgrund des Verdachts auf Taubentuberkulose wurden die beiden Tiere eingeschläfert und einer pathologischen Untersuchung zugeführt. Beide Tiere wiesen massive Symptome auf. Unter anderem waren ihre Lungen sowie die angrenzenden Luftsäcke stark entzündet, auch ihre Lebern waren befallen. Eines der Tiere wies außerdem starke Entzündungen am linken Fußgelenk auf. Bei beiden Tieren konnten in allen Knötchen säurefeste Mycobakterien nachgewiesen werden. Die durchgeführte Untersuchung bestätigte somit den Verdacht auf einen Befall mit der Taubentuberkulose. Kurz nach den Untersuchungen verstarben drei weitere Tiere. Im Rahmen einer groß angelegten Untersuchung des gesamten Taubenschlags in Zusammenarbeit mit einem externen Tierarzt und Taubenfachmann Ende Juni konnten bei 23 weiteren Tieren deutliche klinische Symptome nachgewiesen werden. Die betroffenen Tauben wurden aus Tierschutzgründen eingeschläfert. 35 Tiere verblieben im Bestand, mussten jedoch laut tierärztlichem Gutachten und trotz überwiegend guter Futterversorgung ebenfalls als infiziert angesehen werden. Nach der Untersuchung fand zunächst eine Quarantänisierung der Tiere statt, zwei der eingeschläferten Tauben wurden zur Sektion an das Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Arnsberg (CVUA) übermittelt. Auch sie wiesen unterschiedliche Ausprägungen der typischen Symptome der Taubentuberkulose sowie Mycobakterien auf.
Einschläferung der Tauben als einzig tierschutzgerechte Lösung
Mit dem Ziel, weiteres Tierleid zu verhindern, eine Verbreitung zu vermeiden und eine tierschutzgerechte Lösung für den verbliebenen Bestand zu schaffen, sahen die Verantwortlichen nach Bewertung der tierärztlichen Befunde, der vorliegenden Gutachten sowie der tierschutzfachlichen Aspekte und mangelnder Alternativen das Einschläfern der verbliebenen Tiere als notwendiges und einziges vertretbares Mittel im Sinne des Tierschutzes an. Diese Entscheidung betrifft ausschließlich den Bestand des Taubenhauses Remberg, das bestehende Taubenkonzept der Stadt wird unabhängig davon wie geplant fortgeführt.
Was ist eine Taubentuberkulose?
Die Taubentuberkulose ist eine chronisch verlaufende bakterielle Infektionskrankheit, verursacht durch Mycobakterien. Typische Merkmale der Erkrankung sind ein langsamer Krankheitsverlauf, der Befall verschiedener Organe, häufiges Auftreten von Lungen- und Leberveränderungen, Gelenkentzündungen und Lahmheiten sowie Abmagerung und Schwäche. Besonders problematisch ist, dass infizierte Tiere über längere Zeit äußerlich unauffällig erscheinen können. Durch die Symptome werden die Tiere schnell müde, geraten in Atemnot, ihre Flügel hängen durch, ihre Federn verblassen und sie leiden an Durchfall, Lähmungen und Schmerzen. Für die Taubentuberkulose gibt es derzeit keine Behandlungsmöglichkeiten, weswegen eine praktikable und erfolgreiche Behandlung eines Taubenbestandes nicht möglich ist. Die Erreger sind äußerst widerstandsfähig und schwer zu eliminieren und die Erkrankung verläuft letztlich tödlich. Die nachgewiesene Taubentuberkulose ist meldepflichtig. Eine Ansteckung anderer Tauben ist nach derzeitigem Kenntnisstand jedoch unwahrscheinlich, da sich die betroffenen Tiere überwiegend im betroffenen Taubenschlag aufgehalten und diesen kaum verlassen haben.