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Foto: Ein älteres und drei junge Wildscheine stehen an einem Bach im Wald.
Immer wieder gibt es Meldungen über Wildschweine in Hagener Wohngebieten. Im FAQ beantwortet die untere Jagdbehörde wichtige Fragen zum Thema.

Wildschweine in Hagen: richtig handeln, sicher begegnen Stadt Hagen verstärkt Kontrollen und sensibilisiert Bürgerinnen und Bürger

Mittwoch, 13.Mai 2026

„Immer wieder tragen Bürgerinnen und Bürger ihre Sorgen zu Begegnungen mit Wildschweinen in unseren Stadtteilen an mich heran“, sagt Oberbürgermeister Dennis im Rahmen des „Runden Tisch Wildschweine“, zu dem er diverse Expertinnen und Experten in das Rathaus an der Volme einlud. „Wir nehmen diese Sorgen sehr ernst und möchten allen Hagenerinnen und Hagenern mit unserem neuen Flyer ein erstes Werkzeug an die Hand geben, um sich in Zukunft wieder sicherer zu fühlen.“ Der Flyer „Wildschweine in Hagen: richtig handeln, sicher begegnen“ befindet sich aktuell in der Umsetzung. Sobald dieser veröffentlicht ist, finden ihn interessierte Bürgerinnen und Bürger auf der Internetseite der Stadt Hagen sowie in allen Bezirksverwaltungsstellen und an bekannten öffentlichen Orten. Ein FAQ der Stadt Hagen beantwortet wichtige Fragen rund um das Thema Wildschweine und ist hier zu finden. Über den Flyer hinaus bereitet die Stadt Hagen Hinweisschilder vor, um an bekannten Stellen auf die mögliche Aktivität von Wildschweinen hinzuweisen.

Da die meisten Meldungen zum aktuellen Zeitpunkt aus dem Stadtteil Helfe stammen, hat die Stadt Hagen hier erste Maßnahmen eingeleitet, um gegen die Problematik vorzugehen. Die Waste Watcher fahren den Bereich täglich ab, um Personen ausfindig zu machen, die ihren Müll unsachgemäß entsorgen. Dieser lockt die Tiere immer weiter in die Wohngebiete. Darüber hinaus fährt der Stadtordnungsdienst bis zu den Sommerferien jeden Morgen von 7.30 bis 8.30 Uhr den betroffenen Bereich ab, um für mehr Sicherheit auf dem Kita- und Schulweg zu sorgen. Auch eine bauliche Veränderung wie das Umzäunen von Spielplätzen und Schulhöfen sowie der Rückschnitt von Grün wird aktuell auf seine Umsetzbarkeit – auch unter finanziellen Gesichtspunkten – geprüft.

Runder Tisch bündelt Expertise

Der Einladung des Oberbürgermeisters zum runden Tisch zum Thema Wildschweine folgten Vertreterinnen und Vertreter des Umweltamtes der Stadt Hagen inklusive der Unteren Jagdbehörde, der Hegeringe und der Kreisjägerschaft, des Jagdbeirates, des Fachbereichs Forst des Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH), des Veterinäramtes der Stadt Hagen, des Hagener Entsorgungsbetriebs (HEB), Dr. André Erpenbach als Beigeordneter des Vorstandsbereichs Öffentliche Sicherheit und Ordnung der Stadt Hagen und der Polizei Hagen. Gemeinsam definierten die Anwesenden zunächst, welche Faktoren dazu führen, dass Wildschweine sich immer mehr in städtischen Lebensräumen ansiedeln. Hierzu zählen zum einen passende Lebensräume, wie ruhige Rückzugsorte in privaten Gärten oder Parkanlagen. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt ist die Verfügbarkeit von Futter. In der Nähe von Menschen fällt den Tieren die Nahrungssuche besonders leicht, da diese an vielen Orten in Form von Fallobst, Kompost, Tierfutter (insbesondere Katzenfutter) oder unsachgemäß entsorgtem Hausmüll leicht zu erreichen ist. Laut der Anwesenden könne eine erste Abschreckung der Tiere stattfinden, indem genau diese Faktoren aktiv unterbunden werden. Durch die Entfernung von stadtnahen Lebensräumen und Unterschlupfen wie Brombeersträuchern und dicht bewachsenen Grünflächen fällt es den Tieren schwerer, geeignete Rückzugsorte vor den Menschen zu finden. Ein Rückschnitt von Bäumen, Hecken, lebenden Zäunen, Gebüschen und anderen Gehölzen ist jedoch – gerade im aktuellen Zeitraum vom 1. März bis zum 30. September – zum Schutz von Vögeln, Insekten und anderen kleinen Tieren nicht erlaubt. Effektive Anpassungen, die Bürgerinnen und Bürger bereits jetzt im Alltag umsetzen können, beziehen sich vor allem auf die Entsorgung von Lebensmitteln und des eigenen Abfalls. Hierzu zählen unter anderem das korrekte Verschließen beziehungsweise der richtige Standort von Mülleimern und Kompost, das Umzäunen des eigenen Grundstücks mit einem mindestens 1,5 Meter hohen Zaun, der nicht untergraben werden kann sowie das Vermeiden der absichtlichen Fütterung der Tiere, zum Beispiel mit Fallobst oder anderen Essensabfällen.

Auch andere Verhaltensweisen des Menschen sorgen dafür, dass Wildschweine ihren natürlichen Lebensraum verlassen. Hierzu zählen zum Beispiel Hundespaziergänge im Wald, bei denen die Tiere nicht ordnungsgemäß angeleint sind. Auch das Mountainbiken auf nicht dafür ausgewiesenen Strecken führt dazu, dass Wildschweine aus dem Wald verdrängt werden. Da vielen Menschen der Umgang mit wildlebenden Tieren fremd ist, haben die Teilnehmenden des runden Tisches ebenfalls über Möglichkeiten zur Aufklärung von Hagener Bürgerinnen und Bürgern gesprochen. Hierzu zählen unter anderem Bürgerdialoge, Tage der offenen Tür der Hegeringe oder auch die rollende Waldschule – ein ehrenamtliches Bildungsprojekt der Kreisjägerschaft Hagen e.V. – die vor allem Kinder sensibilisieren soll. Über diese Ideen hinaus sollen in Zukunft die diversen Anlauf- und Beratungsstellen für Bürgerinnen und Bürger besser benannt werden. So können viele Anliegen auf direktem Weg gelöst werden, ohne dass Betroffene unterschiedliche Stellen kontaktieren müssen oder von den diversen Anlaufstellen kompliziert weiterverwiesen werden.

Das richtige Verhalten bei der Begegnung mit Wildschweinen

Eine Begegnung mit Wildschweinen oder ganzen Rotten ist für viele Menschen beunruhigend, da die Tiere durch ihr unvorhersehbares Verhalten bedrohlich wirken können. Grundsätzlich gilt jedoch, dass Wildschweine für Menschen keine Gefahr bergen und eher zur Flucht neigen. Sollten sie sich jedoch bedrängt oder hilflos fühlen, können sie in Panik verfallen. Bei einer Begegnung mit Wildschweinen gilt deshalb, Abstand und Ruhe zu bewahren, schnelle Bewegungen zu vermeiden, sich langsam zurückzuziehen, aber den Tieren nicht den Rücken zu kehren, sich nicht zwischen eine Bache und ihre Fischlinge zu stellen, ihnen im Falle einer Kreuzung den Vortritt zu lassen und vor allem freilaufende Hunde anzuleinen. Im Fall einer tatsächlichen Bedrohung sollten sich Betroffene groß machen, Lärm verursachen, sich dabei weiterhin zurückziehen und nur im äußersten Notfall eine Fluchtmöglichkeit suchen.

Einige Ansätze nicht umsetzbar

Im Rahmen des runden Tisches haben sich die Teilnehmenden über diverse weitere Ideen, Vorschläge und Konzepte zur Vergrämung von Wildschweinen ausgetauscht. Einige sind jedoch aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingung kaum oder gar nicht umsetzbar. Hierzu zählt zum Beispiel der Abschuss, vor allem in der Nähe von Wohngebieten, da hier die Gefahr von herumfliegenden Geschossen zu groß ist. Der Einsatz von Gummigeschossen ist ebenfalls umstritten, da die Wildschweine in den meisten Fällen körperliche Verletzungen davontragen können, die gegen den Tierschutz verstoßen. Auch die Vergrämung durch Lärm ist gefährlich, da die Tiere unkontrolliert fliehen könnten und so eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellen. Der Einsatz von Duftmitteln, welche die Tiere verschrecken sollen, hat sich bislang nicht als ausreichend effektiv erwiesen.

Bejagung zur Eindämmung

Das Thema Jagd spielt in der Eindämmung der Wildschweinpopulation immer wieder eine große Rolle. Allein in der vergangenen Jagdsaison haben die Hegeringe und Jagdverbände in Hagen über 700 Abschüsse verzeichnet. Jägerinnen und Jäger müssen für jedes geschossene Tier vom Veterinäramt der Stadt Hagen eine Trichinprobe sowie eine Untersuchung auf die Afrikanische Schweinepest (ASP) durchführen lassen, um einen gefahrlosen Verzehr zu gewährleisten. Aufgrund diverser bürokratischer Schritte ist diese Überprüfung aufwändig und zeitintensiv und somit für viele Jagende abschreckend. Die Teilnehmenden des runden Tisches haben sich aus diesem Grund auch eine Erleichterung der Proben gewünscht, deren Umsetzung die Stadt Hagen derzeit bereits prüft. Eine einfachere Prüfung könnte dann in Zukunft dazu führen, dass wieder mehr Menschen Wildschweine jagen.

In Zukunft möchten sich die Teilnehmenden des runden Tisches in unterschiedlichen, vom Thema abhängigen Konstellationen treffen und weiter daran arbeiten, Lösungen für Bürgerinnen und Bürger im Umgang und zur Bekämpfung von Wildschweinen, aber auch für Jägerinnen und Jäger zur bürokratischen Erleichterung zu finden.