Jugendhilfeangebot „Praxisklasse“ unterstützt Jugendliche aus Haupt- und Sekundarschulen
Donnerstag, 10.September 2026Wie kann Schülerinnen und Schülern aus Haupt- und Sekundarschulen der Start ins Berufsleben erleichtert werden? Hier setzt das Jugendhilfeangebot „Praxisklasse“ der Caritas Hagen, Stadt Hagen und der agentur mark an, das Jugendlichen ermöglicht, neben dem klassischen Unterricht auch beispielsweise handwerkliche oder hauswirtschaftliche Tätigkeiten zu erlernen.
Das Projekt richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die in ihren Schulen zu hohen Fehlzeiten neigen und sprachliche Defizite aufweisen. Unter diesen Voraussetzungen sind das Erreichen eines Schulabschlusses und die Integration der Jugendlichen mit den Mitteln des bestehenden Schulsystems häufig schwierig. Daher startete die erste „Praxisklasse“ im Februar 2023 unter der Federführung der Caritas Hagen an der Ernst-Eversbusch-Hauptschule. Im Schuljahr 2025/2026 schlossen sich die Geschwister-Scholl-Schule und die Friedensschule Altenhagen in Kooperation mit der agentur mark sowie dem Fachbereich Jugend und Soziales der Stadt Hagen an. Von Februar 2025 bis Juli 2026 nahmen insgesamt 60 Jugendliche, die von ihren jeweiligen Klassenleitungen ausgewählt wurden, an dem Angebot teil. „Die Schülerinnen und Schüler haben hauptsächlich südosteuropäische Wurzeln und stammen oft aus Familien mit weniger Zugang zu Bildungsangeboten“, sagt Henrik Hitzemann, Leitung des Jugendhilfeangebots „Praxisklasse“ der Stadt Hagen. Die Finanzierung des Projektes erfolgt über eine Förderung aus dem europäischen Sozialfonds über das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales und das Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen sowie über die Bundesagentur für Arbeit.
Vertrauen und gemeinsame Projekte stärken eigene Kompetenzen
Die Caritas Hagen, die agentur mark und die Stadt Hagen haben das Konzept eines außerschulischen Lernortes zur Ergänzung des Regelunterrichts gemeinsam entwickelt. Im städtischen Jugendzentrum in Haspe eröffnet das Angebot im Bereich Technik und Hauswirtschaft den Jugendlichen die Möglichkeit, handwerkliche und für die Bewältigung des Alltags notwendige Fähigkeiten zu erlernen. Gleichzeitig entwickeln die jungen Menschen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Durch den Aufbau intensiver Beziehungen auf Grundlage gegenseitigen Vertrauens zu den Lehrkräften sowie Fachanleiterinnen und Fachanleitern vor Ort wird den Jugendlichen eine stabile Basis zum Ausbau ihrer sozialen und persönlichen Kompetenzen gegeben. Ein respektvoller Umgang trägt genauso wie die Einhaltung von Verhaltensregeln zu einer positiven Lernatmosphäre in diesem Kontext bei. Durch eine individuelle Förderung und gemeinsame Projekte im Bereich Technik sowie das in Gruppen organisierte Kochen erleben die Jugendlichen ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer großen Gemeinschaft. So ist auch das gemeinsame Essen ein zentraler Bestandteil der Arbeit der Pädagoginnen und Pädagogen.
Die Fehlzeiten sind über alle Schulen gerechnet insgesamt um etwa ein Drittel gesunken, zugleich stieg die Anwesenheit im Jugendzentrum um das Doppelte. Etwa 40 Prozent der Jugendlichen erreichten nun den ersten Schulabschluss. Auch in der Berufsorientierung konnte das Projekt „Praxisklasse“ Erfolge erzielen. Ein Großteil der jungen Menschen absolvierte Betriebsbesuche, ein- bis dreitägige Schnupperpraktika sowie Schülerpraktika von zwei bis drei Wochen. Auf dieser Grundlage ist es gelungen, drei Schülerinnen und Schülern eine Ausbildung zu ermöglichen. Das vorrangige Ziel, die Jugendlichen in das Schulsystem zu integrieren und ihnen eine berufliche Orientierung zu geben, ist nicht nur erreicht worden, sondern konnte in einzelnen Fällen übertroffen werden.