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Kandinsky der Lyrik, Ernst Meister um 1930, Selbstporträt, (c) R. Meister

„Sage vom Ganzen den Satz“: Literatur-Kammerkonzert mit Texten Ernst Meisters

Sonntag, 26. Juni um 16 Uhr



Am Sonntag, 26. Juni um 16 Uhr gingen Musik und Lyrik eine neuartige Liaison ein. Im Auditorium des Kunstquartiers Hagen fand ein Mit- und Nebeneinander von vorgetragenen Texten und live gespielter Kammermusik statt. Es wurden neue, eigenständige Kompositionen für Violine, Cello und Konzertflügel zu Gedichten Ernst Meisters aufgeführt. Der Schauspieler Peter Schütze trug mit und ohne musikalische Begleitung Originaltexte des bekanntesten Hagener Dichters vor. Bei dieser Abschlussveranstaltung des Ernst-Meister-Projektes 2021/22 zum 110ten Geburtstag des Dichters wurde eine CD vorgestellt, die die Kompositionen von Berthold Matschat zu Ernst Meisters Lyrik enthält. Der Eintritt war frei.


Die Hagener Neue Ernst-Meister-Gesellschaft beauftragte den Komponisten, Jazzpianisten und Arrangeur Berthold Matschat mit der Aufgabe, zu ausgewählten Gedichten Ernst Meisters musikalische Miniaturen zu komponieren. Zwischen Oktober 2020 und Mai 2022 entstanden so 19 Stücke mit großer musikalischer Bandbreite: jazzige balladeske Klavierstücke, Tango, impressionistische Klavierimprovisationen und harmonisch freie Neue Musik. Beim Literatur-Kammerkonzert kamen sie nun zur Aufführung, mit Berthold Matschat am Konzertflügel, Marie-Louise Hartmann an der Violine und Klaus-Dieter Brandt am Cello.


26 Gedichte Ernst Meisters aus fünf Jahrzehnten, also der Zeitspanne von 1930 bis 1979, dienten als Inspiration. „Im Mittelpunkt stehen die wenig bekannten Liebesgedichte und die schönen mediterranen Gedichte Ernst Meisters. Gedichte mit Bezug zum heimatlichen Hagen-Haspe fehlen ebenso wenig wie die späten ikonischen Gedichte, für die mein Großvater 1979 den Büchner-Preis erhielt. Den Auftakt machten biografisch gefärbte ganz frühe Gedichte, die dem damals 21-jährigen Dichter den Beinamen „Kandinsky der Lyrik“ einbrachten.“ (Reinhard Gundlach, Neue Ernst Meister Gesellschaft)


Peter Schütze, der sich über Jahrzehnte mit seiner Tätigkeit beim Hagener Stadttheater einen Namen gemacht hat, trug Lyrik Meisters vor, die sich zeitweise verwob mit den Kompositionen Berthold Matschats. Der Musiker sagt über Meister: „Mich hat die unmittelbare Wucht der Gedichte von Ernst Meister sehr bewegt und beeindruckt. Die Gedichte inspirierten mich ebenso unmittelbar zu musikalischen Miniaturen. Die bilderreiche Sprache und der Wirkungszeitraum Ernst Meisters ließen mich zunächst an Maurice Ravel denken. Und so sind in der Auseinandersetzung mit den Gedichten erstaunliche, unerhörte Stücke entstanden, die in der Tat einerseits Ähnlichkeit mit Ravel aufweisen, andererseits durch meinen jazzigen Hintergrund mit deutlich erweiterter Harmonik und Rhythmik aufwarten“ (Berthold Matschat).


So war es ein zerknülltes Stück Zeitungspapier, das Ernst Meister in den frühen 1950er Jahren zu einem kurzen Gedicht inspirierte. Dieser Text wiederum regte 70 Jahre später den Komponisten Matschat zu einer aktuellen musikalischen Reflexion über Nachrichtenflut, medial vermittelte Gewalt und Schicksalsmomente im menschlichen Leben an.


Das gesamte Programm des Literatur-Kammerkonzerts „Sage vom Ganzen den Satz“ erschien am 21. Juni auf CD mit 26 Gedichten und 19 musikalischen Miniaturen als Eigenproduktion der Neue Ernst Meister Gesellschaft. Die CD ist bis Ende 2022 wird im Kunstquartier zum Preis von 15 Euro zu erwerben.


Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit der Neuen Ernst Meister Gesellschaft mit dem Hagener Kulturbüro statt. Sie wurde finanziell unterstützt von der Sparkassenstiftung für Hagen, der Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherung und weiteren Sponsoren.

Berthold Matschat, (c) Reinhard Gundlach



Ernst Meister Matinee

Ernst Meister und der Süden

Die Ernst Meister Matinee fand am 9. Mai 2021 statt - die Videos sind auf youtube zugänglich.

Ernst Meister und der Süden. Teil 1: Ibiza und die Provence

youtube

Ernst Meister und der Süden. Teil 2: Im Südland

youtube

Informationen bei "Literaturland Westfalen":

Link


Verleihung des Ernst Meister Preises für Lyrik an Anja Utler und Buchvorstellung Ernst Meister und Horst Becking: „Verbündet


Am 10. September 2021 um 19 Uhr wurde der Hagener Lyrikpreis an die 1973 in der Oberpfalz geborene Dichterin Anja Utler verliehen. Im Rahmen des Festaktes mit einer Ansprache von Oberbürgermeister Erik O. Schulz und einer Laudatio von Dr. Cornelia Epping-Jäger (Ruhr-Universität Bochum) trug Anja Utler eigene Werke vor. Um 17 Uhr, noch vor der Preisverleihung, stellte die Neue Ernst Meister Gesellschaft das Buch „Verbündet“ vor. Der Hagener Künstler Horst Becking war anwesend und berichtete im Gespräch mit Reinhard Gundlach (Neue Ernst Meister Gesellschaft) und Dr. Tayfun Belgin (Direktor des Osthaus Museums) von seinen Begegnungen mit dem großen Hagener Lyriker Ernst Meister. Ein musikalisches Programm am Flügel rundete die Veranstaltungen ab.


Anja Utler beim Vortragen ihrer Texte zu erleben, eröffnet einen neuen Blick auf Lyrik. Sie lebt nach Jahren in Wien, Regensburg und Prag derzeit in Leipzig und ist tätig als Dichterin, Übersetzerin und Essayistin. Anja Utlers Gedichte gibt es gesprochen, geschrieben und performt. Hören, Sprechen und Lesen sind in ihrer Poesie Kräfte, die Denken und Fühlen formen und so in die Welt eingreifen.


Anja Utler ist ausgebildet in den Fächern Slavistik, Anglistik und Sprecherziehung und wurde 2003 mit einer Arbeit zu Geschlechterfragen in der russischen Lyrik der Moderne promoviert. 2016 erschien ihre Arbeit über das Hören von Lyrik: "manchmal sehr mitreißend". Über die poetische Erfahrung gesprochener Gedichte (transcript: Bielefeld). Sie war u.a. Writer-in-Residence am Oberlin College, Ohio (2015), Gastprofessorin für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien (2017/18), Thomas-Kling-Poetikdozentin an der Universität Bonn (2018).


Für die "innovative Darstellung aktueller Themen wie Ökologie in der Poesie" und den "reflektierenden wie sinnlichen Umgang mit dem Verhältnis von Sprache und Körper" wurde Anja Utler 2014 der Basler Lyrikpreis verliehen. Ihre Gedichte aus dem Band "münden – entzüngeln" verfolgen die sprachlichen Abdrücke unserer physischen Abhängigkeit von ökologischen Beziehungen; sie wurden 2003 mit dem Leonce-und-Lena-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien ihr poetischer Monolog "kommen sehen. Lobgesang" (Edition Korrespondenzen, Wien 2020), der sich der poetischen Verarbeitung einer künftigen klimatischen Katastrophe widmet und der Frage, wie Erfahrung zwischen den Generationen weitergegeben werden kann. 2020 bekam sie als erste Preisträgerin den Lyrikpreis der Südpfalz zugesprochen.


Nun ist sie auch von der Stadt Hagen ausgezeichnet worden. Der Ernst Meister-Preis wurde 1981 zur Erinnerung an den Hagener Lyriker und Schriftsteller Ernst Meister gestiftet und wurde bisher in unregelmäßigen Abständen vergeben. Ab 2021 wird der Preis alle drei Jahre von der Neuen Ernst Meister Gesellschaft für die Stadt Hagen ausgerichtet. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis zeichnet das Werk von Autorinnen und Autoren aus, welche die Verantwortung für Sprache und Poesie auf besondere Weise zum Ausdruck bringen. Das Preisgeld verdankt sich der großzügigen Unterstützung der Sparda-Bank West.


Die Laudatorin Dr. Cornelia Epping-Jäger gehörte der Fachjury an, an der sich ebenfalls Prof. Dr. Michael Niehaus (FernUniversität Hagen), Prof. Dr. Armin Schäfer (Ruhr-Universität Bochum), Frank Schablewski, Dichter und Autor aus Aachen und Thomas Bleicher (M.A., Sprach- und Literaturwissenschaftler, Journalist) beteiligten. Dr. Cornelia Epping-Jäger studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und lehrt in Bochum an der Fakultät für Philologie. Ihre Begeisterung für das Werk und die performative Präsenz Anja Utlers wird sie in ihrer Laudatio auf die Preisträgerin mit dem Publikum teilen.


Noch vor der Preisverleihung, um 17 Uhr, wurde ein neues Druckwerk vorgestellt, das die Texte Ernst Meisters mit den Bildwelten Horst Beckings verbindet. Der beliebte Hagener Künstler schilderte im Gespräch mit Dr. Tayfun Belgin und Reinhard Gundlach seine Eindrücke von Ernst Meister. Der Bildband mit 13 Gouachen von Horst Becking und 13 Gedichten von Ernst Meister ist an der Kasse des Museums für 15 Euro erhältlich und wurde im Anschluss von Horst Becking signiert. Der Pianist Berthold Matschat begleitet die Veranstaltungen mit eigenen Kompositionen am Flügel.





Verleihung des Ernst Meister-Preises für Lyrik 2021 an Anja Utler


19. März 2021 – Der Ernst Meister-Preis wurde 1981 zur Erinnerung an den Hagener Lyriker und Schriftsteller Ernst Meister gestiftet und wurde bisher in unregelmäßigen Abständen vergeben. Ab 2021 wird der Preis alle drei Jahre von der Neuen Ernst Meister-Gesellschaft für die Stadt Hagen ausgerichtet.


Ernst Meister, der 1911 im heute zu Hagen gehörenden Stadtteil Haspe geboren wurde, und 1979 in Hagen starb, blieb der westfälischen Großstadt zeit seines Lebens verbunden. Hier lebte und arbeitete er zurückgezogen. Selbst mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen dekoriert, gilt er als einer der bedeutendsten deutschen Dichter des 20. Jahrhunderts.


Der mit 5.000 Euro dotierte Preis zeichnet das Werk von Autorinnen und Autoren aus, welche die Verantwortung für Sprache und Poesie auf besondere Weise zum Ausdruck bringen.


Der für die Preisverleihung zuständigen Jury gehörten an:

· Prof. Dr. Michael Niehaus, FernUniversität in Hagen

· Prof. Dr. Armin Schäfer, Ruhr-Universität Bochum

· Dr. Cornelia Epping-Jäger, Ruhr-Universität Bochum

· Frank Schablewski, Dichter und Autor aus Aachen

· Thomas Bleicher, M.A., Sprach- und Literaturwissenschaftler, Journalist.


Zur Begründung führt die Jury aus: „Das literarische Werk Anja Utlers, der 1973 im bayerischen Schwandorf geborenen und heute in Leipzig lebenden, vielfach ausgezeichneten Dichterin, Essayistin und Übersetzerin, ist durch eine große, von der theoretischen zur ästhetischen und poetischen Produktivität reichenden Spannbreite charakterisiert. Bereits ihr Lyrikband „münden – entzüngeln“ (2004) zeigt, dass Poesie für Anja Utler immer angesiedelt ist zwischen Schrift und Klang. Lyrik wird als Klangereignis erfahrbar gemacht, als eine Kraft, die das Denken und Fühlen von Autorin und Publikum poetisch ineinander verwebt. So wirkt sie in die Welt hinein. Nicht zuletzt deswegen liegen Ihre Gedichte nicht nur gedruckt, sondern auch als kunstvolle Audiotakes vor, nicht zuletzt deswegen liest sie ihre Dichtung nicht vor, sondern führt sie auf.


Die Lyrik Anja Utlers steht zudem für eine ästhetisch gelungene Vermittlung von Poesie und Politik: „jana, vermacht“ (2009) etwa thematisiert das Schweigen der Nachkriegsgeneration indem das Verschwiegene im Dialog zwischen Großmutter und Enkelin im Verschluckten und Fragmentarischen des Sprechens sinnfällig gemacht wird; „kommen sehen“ (2020) verlagert die Frage der Überlieferung zwischen den Generationen in die lückendurchzogene, jede durchgängige Narration ad absurdum führende lyrische Analyse einer Welt nach der Klimakatastrophe.


Anja Utler, deren Arbeiten bislang in zwanzig Sprachen übersetzt wurden, ist zudem als brillante Übersetzerin (Anne Carson, Mila Haugová) Essayistin („Von den Knochen der Sanftheit. Behauptungen, Reden, Quergänge“, 2016) Prosaschreiberin („ausgeübt. Eine Kurskorrektur“, 2011) und wissenschaftliche Autorin („‘manchmal sehr mitreißend‘. Über die poetische Erfahrung gesprochener Gedichte“, 2016) hervorgetreten.“




Geschichte des „Ernst-Meister-Preises“


Der Ernst Meister-Preis wurde 1981 zur Erinnerung an den Hagener Lyriker und Schriftsteller Ernst Meister ins Leben gerufen. Meister, der 1911 im heute zu Hagen gehörenden Stadtteil Haspe geboren wurde, und 1979 in Hagen starb, blieb der westfälischen Großstadt zeit seines Lebens verbunden. Hier lebte und arbeitete er zurückgezogen. Selbst mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen dekoriert, gilt er als einer der bedeutendsten deutschen Dichter des 20. Jahrhunderts.


Preisträger:

• 1981 Christoph Meckel

• 1986 Oskar Pastior

• 1990 Paul Wühr

• 1994 Michael Krüger

• 2001 Brigitte Oleschinski (Hauptpreis, HP), Jochen Winter (HP), Jürgen Wiersch (Allgemeiner Förderpreis, AF), Helwig Brunner (AF), Sabine Scho (AF)

• 2003 Lutz Seiler (HP), Ulf Stolterfoht (Westfälischer Förderpreis, WF), Hendrik Rost (AF)

• 2005 Jan Wagner (HP), Nicolai Kobus (WF), Andreas Münzner (AF)

• 2008 Monika Rinck (HP), Ulrike Almut Sandig (AF), Mirko Bonné (WF)

• 2011 Marion Poschmann (HP), Jan Skudlarek (WF), Daniela Seel (AF)

• 2018 Barbara Köhler

• 2021 Anja Utler



Standort & Erreichbarkeit

Kulturbüro Hagen
Museumsplatz 3
58095 Hagen