Großer Industriepionier: Friedrich Harkort. Foto: Stadtarchiv

Friedrich Harkort - der große Industriepionier

Als Industriepionier, Innovator des Verkehrswesens und verdienter Politiker war der Hagener Friedrich Harkort weit über seine westfälische Heimat hinaus bekannt. Nicht umsonst erinnern innerhalb und außerhalb unserer Stadtgrenzen gleich mehrere Stellen an einen der wohl bekanntesten heimischen Mitbürger. Ob sein Geburtshaus "Haus Harkorten", die Harkortsche Fabrik, die gleichnamige Hasper Grundschule oder die vielgenutzte Straße auf dem Quambusch, der Name Harkort ist in Hagen allgegenwärtig. Selbst in der Nachbarstadt Wetter lässt der nach ihm benannte Turm, der sich auf dem Harkort-Berg idyllisch in die Landschaft einschmiegt, seinen Namen und sein Schaffen nicht in Vergessenheit geraten.1793 als Sohn einer schon da in der Grafschaft Mark hochangesehenen Familie geboren, wurde er ganz nach Familientradition bereits im Alter von 15 Jahren in eine kaufmännische Lehre geschickt. Schnell verdiente er sich erste Sporen.

Doch bevor er sich mit ganzer Kraft seiner ersten Maschinenfabrik in der alten Burg Wetter widmete, hatte der nach Frieden und Freiheit strebende 20jährige andere Pläne. Zusammen mit seinem Bruder Gustav meldete er sich freiwillig zur neu gegründeten preußischen Landwehr, um als Offizier maßgeblich an der Vertreibung der französischen Truppen mitzuwirken. Genau zwei Jahre später, nach schwerer Verletzung und Napoleons endgültiger Niederlage bei Waterloo, war aber auch dieser Lebensabschnitt beendet.In Vergessenheit geraten ist er ihm indes nie. Doch in ihm schlummerte auch immer der Drang nach Neuem. Nie ruhend, wagte der Vordenker viel. "Mich hat die Natur zum Anregen geschaffen", bleibt wohl eines seiner aussagekräftigsten und trefflichsten Zitate.

Zusammen mit Heinrich Kamp war er es, der in seiner wetterschen Fabrik nicht nur hochwertige Dampfkessel und Dampfmaschinen für den Bergbau konstruierte, sondern auch das Verkehrswesen revolutionierte. Mit der Konstruktion einer der ersten Eisenbahnen war er zugleich maßgeblicher Motor der jungen industriellen Revolution. Aber auch Pläne für andere Fortbewegungsmittel durch die Kraft des Dampfes, sei es auf der Schiene oder auf dem Wasser, entwickelte das schöpferische Genie.

Schnell bemerkte Harkort jedoch die Missstände der heimischen Wirtschaft. Er wurde nicht müde, die Liberalisierung der Bedingungen für den "kleinen Arbeiter" und die Zurückdrängung der staatlichen Reglementierung zu fordern. Zugleich prangerte er die Bevormundung durch Obrigkeiten an. Die allgemeine Freiheit und Unabhängigkeit war sein Credo. So war der Übergang des Industriellen Harkort zum Politiker Harkort fließend und vertiefte sich zusehend. Vielleicht musste er gerade deshalb 1832 hochverschuldet seine Fabrik aufgeben. Unverdrossen setzte der Mann, der nie seinen eigenen Vorteil suchte, seinen Werdegang als Verfechter für bessere soziale Absicherung der Lohnabhängigen durch Krankenkassen, für Besserung der allgemeinen Lebensbedingungen und für die Anhebung der Volksbildung fort.

Als Mitglied der Preußischen Nationalversammlung, des Abgeordnetenhauses und des Norddeutschen Reichstages blieb ihm kaum noch Zeit für persönliche wirtschaftliche Belange. Doch in Not geriet er nie, wähnte er doch seine Familie immer in seinem Rücken, die ihn nicht nur finanziell unterstützte. Noch im Alter von 80 Jahren machte Harkort sich im Deutschen Reichstag für seine Vorstellung von Gerechtigkeit unter den Menschen stark. 1880 starb Friedrich Harkort mit 87 Jahren. Er wurde auf dem Gut Schede bei Herdecke beigesetzt.


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