Gefeierter Klavierviruose: Karl Halle. Foto: Stadtarchiv

Karl F. Halle - Klaviervirtuose und Dirgent

Von Karsten-Thilo Raab

Karl F. Halle starb am 15. Oktober 1895 in Manchester. Doch was das künstlerische Genie in den 76 Jahren seines Lebens für die Musikwelt tat, ist bis heute nicht in Vergessenheit geraten. In seiner Heimatstadt Hagen erinnern eine Gedenktafel an der Johanniskirche und eine Straße im Fleyer Viertel an den berühmten Musiker.

Schon bei der Geburt am 11. April 1819 wurde ihm sein Talent quasi mit in die Wiege gelegt. Als Sohn eines stadtbekannten Musikers, seines Zeichens Organist an der Johanniskirche, und einer ebenso musikbegeisterten wie talentierten Mutter waren die Weichen früh gestellt.

Die Kindheit des späteren Kosmopoliten war zunächst gekennzeichnet von Krankheit und körperlicher Fehlentwicklung. Doch die fürsorgliche Liebe der Eltern machte vieles wett und war vielleicht einer der Gründe, warum das sensible Kind nicht nur sein Elternhaus schätzen und lieben gelernt hatte, sondern auch seine Geburtsstadt, über die er einmal retrospektiv schrieb :"Das Leben in Hagen ist nur zu gut dazu geeignet gewesen, die Liebe zur Musik zu pflegen, denn Musik schien die Hauptbeschäftigung dieser Stadt zu sein."

Die "Gesellschaft Concordia", deren Orchester sein Vater leitete und durch die der spätere Pianist und Dirigent schon in jungen Jahren in den Genuss öffentlichen Musizierens kam, lag in unmittelbarer Nähe seines Elternhauses. Virtuos an Klavier, Orgel, Geige und Flöte, war es aber auch seine prachtvolle Tenorstimme, die seine Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Nach der Vollendung der "Höheren Schule" reiste Halle im Alter von 16 Jahren nach Darmstadt, um dort Unterricht in Harmonie- und allgemeiner Musiklehre zu nehmen. Bereits eineinhalb Jahre später wurde er an eine Kapazität in Paris weiter empfohlen. Gerade diese elf Jahre, die er dort verweilte, waren besonders prägend, trat der Hagener dort mit den großen Komponisten seiner Zeit in Kontakt: Chopin, Liszt, Wagner, Donizetti lernte er kennen und schätzen, mit Berlioz verband ihn eine lebenslange Freundschaft. In unzähligen Konzerten machte Halle ihre Werke und nicht zuletzt sich selbst bekannt.

Im Jahre 1843 heiratete der damals 24-jährige die in Amerika geborene Französin Desiree Smith de Rilie, die ihm neun Kinder schenkte. Anlässlich dieser Ehe gab er seinem Namen eine französische Form: Charles Hallé. Später verlieh Halle aufgrund der Übersiedlung nach England seinem Namen ein englisches Kleid und nannte sich fortan Charles Halle. In Manchester kam er dem Angebot nach, Dirigent der „Gentlemen’s Concerts" zu werden. Von dort aus startete Karl F. Halle seine nahezu einzigartige Laufbahn als Klaviersolist und Orchesterleiter, deren Höhepunkt die Gründung eines eigenen, nach ihm benannten Orchesters im Jahre 1858 darstellte. Mit diesem Orchester eroberte er nicht nur England wie im Fluge, sondern feierte auf Konzertreisen in ganz Europa Triumphe.

Nach dem Tode seiner ersten Gemahlin heiratete er 1888 die Geigenspielerin Wilma Normen-Neruda. Mit ihr und seinem Orchester bereiste Halle Australien und Südafrika und trieb so die Verbreitung zeitgenössischer Musik voran. 1887 wurde er in den Ritterstand erhoben, was ihm den Beinamen „Sir" einbrachte. Die Verleihung des Doktortitels durch die Universität Edinburgh und die Berufung zum Leiter der Königlichen Musikschule seiner Wahlheimat Manchester folgten.

Die häufigen Wohltätigkeitskonzerte in Hagen blieben ungezählt. Ebenso undokumentiert blieb allzu oft die liebenswürdige Art Halles und der feine Humor, der ihn auszeichnete. Mitten in den Vorbereitungen zu einer Konzertreise verstarb Karl F. Halle am 25. Oktober 1895. In Manchester wurde er beigesetzt. In einem Nachruf schrieb der "Manchester Guardian": "Er war ein Musiker mit jeder Faser seiner Natur, und in seinem langen Leben ist er niemals der Versuchung erlegen, um des Geldes willen dem Vulgären nachzugehen."


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