Topathlet aus Hagen: Karl Kumpmann.

Karl Kumpmann - ein Weltklasseläufer

Von Karsten-Thilo Raab

Lange Jahre war er eines der Aushängeschilder der Hagener Leichtathletik. Am 12. Mai 2005 verstarb Karl Kumpmann im Alter von 92 Jahren. Am 5. Oktober 1913 in Haspe geboren, trat der spätere Hürdenstar zunächst in die Fußstapfen seines Vaters Ferdinand Kumpmann. Dieser hatte sich 1903 beim Deutschen Turnfest in Nürnberg in die Siegerliste eingetragen. Mit zwölf Jahren schloss sich Karl Kumpmann als Turner dem TV Jahn Westerbauer an. In einem Saal über dem Stall der Wirtschaft „Eicken“ unternahm er an spärlichen Geräten seine ersten turnerischen Gehversuche. Fast auf den Tag genau 30 Jahre nach seinem Vater trug sich Karl Kumpmann beim Deutschen Turnfest in Stuttgart in die Siegerliste ein.

1934 absolvierte Karl Kumpmann sein erstes Hürdenrennen und sicherte sich überraschend bei den Westfalenmeisterschaften in Bochum den Titel. 1935 verteidigte er in Wanne-Eickel die westfälische Krone erfolgreich und stieß bei den Deutschen Meisterschaften bis in den Endlauf vor, wo er sich mit Platz 5 begnügen musste. Trotz des Wechsels zum ASV Köln und der deutlich verbesserten Trainingsbedingungen verpasste er nach zwei Fehlstarts im Endlauf um die Deutsche Meisterschaft die Qualifikation für die Olympischen Spiele 1936. Der wohl größten Enttäuschung seiner Laufbahn ließ Karl Kumpmann 1937 in 15,1 Sekunden den Gewinn der Silbermedaille bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin folgen. Außerdem sicherte er sich mit dem ASV Köln die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Als Lohn wurde der Hagener in die Nationalmannschaft berufen und vertrat die deutschen Farben bei Länderkämpfen gegen Frankreich, Holland, Belgien, Schweden und England.

1938 sollte dann zum erfolgreichsten Jahr für Karl Kumpmann werden. In 15,0 Sekunden erkämpfte er sich in Breslau erstmals die Deutsche Meisterschaft über 110 Meter Hürden. Länderkämpfen gegen Schweden, Frankreich, die USA und die Schweiz, folgte die Teilnahme an den Europameisterschaften in Paris, wo er nach einem Sieg im Zwischenlauf in guten 14,8 Sekunden im Endlauf als Fünfter gewertet wurde.

1939 verließ das Hürdenas den ASV Köln und schloss sich dem DSC Hagen, dem Vorläufer des SSV Hagen, an. Im Trikot mit dem Adler sollte Karl Kumpmann am 9. Juli 1939 seinen DM-Titel erfolgreich verteidigen. 14 Tage vor Ausbruch des 2. Weltkrieges stand Karl Kumpmann dann noch mal in der deutschen Auswahlmannschaft beim Länderkampf in Köln gegen England, bevor er im August 1939 zum Kriegsdienst herangezogen wurde. 1940 wurde er in Frankreich schwer verletzt. Wieder genesen, stürmte Karl Kumpmann 1941 bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin über seine Paradestrecke zur Bronzemedaille. Bei Länderkämpfen 1941 in Bologna gegen Italien und 1942 in Breslau gegen Rumänien stand er weitere zweimal in der Nationalmannschaft, bevor er 1942 erneut zum Kriegsdienst nach Nordfrankreich eingezogen wurde. Abermals erlitt Karl Kumpmann eine schwere Verletzung, diesmal an der Hand.

Nach dem Krieg unternahm der langjährige Prokurist der Firma Brandt bei den Meisterschaften der britischen Zone 1946 in Köln noch einmal einen Comebackversuch musste aber in Folge seiner Kriegsverletzung aufgeben. Zwangsweise nahm Karl Kumpmann Abschied vom Leistungssport und von einer beeindruckenden Karriere, die Zeit seines Lebens in seiner Heimatstadt Hagen mit dürftigem Interesse verfolgt wurde und nur wenig Anerkennung erfuhr.


Werbeanzeigen