Hagens einziger Nationalspieler: Walter Rodekamp (rechts).

Walter Rodekamp – vergessenes Fußballidol aus Hagen

Von Karsten-Thilo Raab

Viel hat er dem Fußball zu verdanken, viel verdankte der Fußball ihm. Insbesondere in Hannover avancierte er zu einem Volkshelden. Sein Name war ganz eng mit dem fußballerischen Aufschwung in der niedersächsischen Landeshauptstadt verbunden. An der Leine schwamm der Kicker aus der Volmestadt auf einer Erfolgswelle, die schließlich in der Einberufung in die Nationalmannschaft gipfelte. Die Rede ist von Walter Rodekamp, dem wohl erfolgreichsten Fußballer aus Hagen. Am 13. Januar 1941 erblickte der Ausnahmesportler mit dem großen Torriecher in Hagen das Licht der Welt.

Zusammen mit seinem Bruder Heinrich (genannt „Heiner“), der sich später als exzellenter Leichtathlet beim VfL Eintracht Hagen und deutscher Seniorenmeister im Triathlon einen Namen machte, schnürte er als Schüler zunächst beim TSV Hagen 1860 die Fußballstiefel. Als B-Jugendlicher erfolgte dann der Wechsel zum „großen Bruder“ SSV Hagen, bei dem er mit großem Erfolg alle Stationen bis in die Seniorenklasse durchlief.

1960 feierte Walter Rodekamp im Trikot mit dem Adler auf der Brust an der Seite von Heinz Otten, Dieter Schürmann, Horst Steede, Meinolf Engelhardt, Friedhelm Schmidt, Horst Motz, Adolf Humpert, Udo Rewig, Herbert Schaup, Heinz Ruhnau, Walter Engel, Reinhold Becker und Dieter Schulte den Gewinn der Meisterschaft in der Verbandsliga und den damit verbundenen Aufstieg in die 2. Liga West. Doch schon 1961 musste der SSV Hagen als Absteiger zurück in die Niederrungen der Verbandsliga.

Im Jahr darauf wechselte der 21jährige Walter Rodekamp als Vertragsamateur zum FC Schalke 04, um sich dann 1963 Hannover 96 anzuschließen. Und in der niedersächsischen Landeshauptstadt sollte der fußballerische Stern des gelernten Malers aus der Volmestadt endgültig aufgehen. Mit 18 Toren hatte der Vollblutstürmer maßgeblichen Anteil daran, dass sich die 96er in der Spielzeit 1963/64 als Tabellenzweiter der Regionalliga Nord für die Aufstiegsrunde zur Bundesliga qualifizierten. Im alles entscheidenden Spiel am 28. Juni 1964 konnte Hessen Kassel vor 70.000 Zuschauern mit 3:1 auf Distanz gehalten und der Sprung ins nationale Kickeroberhaus perfekt gemacht werden.

Kaum zwei Monate später ging dann für Walter Rodekamp ein weiterer Traum in Erfüllung. Beim Bundesligaauftakt am 22. August 1964 landete der Liganeuling einen Überraschungscoup und gewann bei Borussia Dortmund mit 2:0. Zweifacher Torschütze im Westfalenstadion war ausgerechnet ein waschechter Westfale: Walter Rodekamp. Dieser lief in der Bundesliga zu Topform auf, markierte bis 1968 in 123 Spielen für Hannover 96 stolze 38 Tore.

Die Premierensaison beendeten die Schützlinge von Trainer Helmut „Fiffi“ Kronsbein mit einem tollen fünften Platz und qualifizierten sich für den europäischen Messepokal, den Vorläufer des heutigen UEFA-Cups. Hier sorgten die Niedersachsen ebenfalls für manche Überraschung, setzten sich gegen den FC Porto durch und ertrotz-ten am 2. März 1966 ein 1:1 gegen den FC Barcelona. Dennoch musste sich die 96er danach von der europäischen Bühne verabschieden, da es weder ein Entscheidungsspiel noch Elfmeterschießen gab, sondern die Katalanen per Losentscheid in die nächste Runde einzogen.

Für Walter Rodekamp sollten dies nicht die einzigen internationalen Bewährungsproben sein. Als bislang einziger Hagener wurde er 1965 dreimal in die deutsche A-Nationalmannschaft berufen. An der Seite so namhafter Persönlichkeiten wie Hans Tilkowski (Borussia Dortmund), Horst Dieter Höttges (Werder Bremen), Reinhard „Stan“ Libuda (Schalke 04), Wolfgang Overath (1. FC Köln), Willi Schulz (Hamburger SV) und Josef „Sepp“ Piontek (Werder Bremen) kam der durchsetzungsstarke Mittelstürmer dreimal zum Einsatz. Sein Länderspieldebüt gab er am 12. Mai 1965 in Nürnberg bei der 0:1 Niederlage vor 65.000 Zuschauern gegen England. Zwei Wochen später vertrat der Hagener abermals die deutschen Farben am 26. Mai 1965 in Basel gegen die Schweiz, wo Walter Rodekamp den 1:0-Siegestreffer markierte. Sein drittes und letztes Länderspiel sollte zum unumstrittenen Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn avancieren. Vor der Rekordkulisse von 140.000 begeisterten Zuschauer unterlag Walter Rodekamp am 6. Juni 1965 in Rio de Janeiro mit der deutschen Nationalmannschaft mit 0:2 gegen den amtierenden Weltmeister Brasilien um die Torschützen Flavio und Pelé.

Bis 1968 spielte er mit durchwachsenem Erfolg mit Hannover 96 in der Bundesliga, bevor er sich dem belgischen Spitzenclub Standard Lüttich anschloss. Zum Abschluss seiner Profikarriere wechselte der populäre Torjäger, der immer auch dem Alkohol stark zusprach und sich mit Exzessen wohl selber um weitere große Erfolge brachte, nach Antwerpen. Nach seiner aktiven Zeit kehrte Walter Rodekamp nach Hannover zurück, wo er als Gastronom das Vereinshaus des TuS Kleefeld übernahm, für den er nebenbei noch als Spielertrainer in der Landesliga fungierte. Am 10. Mai 1998 verstarb der einstige Klassestürmer im Alter von nur 57 Jahren.


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