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Christian Rohlfs

„Seine Malerei ist Musik der Farben“, schrieb Karl Ernst Osthaus im Jahr 1905 über Christian Rohlfs. Der 1849 in dem schleswig-holsteinischen Flecken Niendorf geborene und 1938 in Hagen gestorbene Rohlfs zählt zu den Einzelgängern unter den Künstlern der Moderne. Das reiche Werk des fast sieben Jahrzehnte schaffenden Künstlers entfaltete sich vor dem Hintergrund einer Epoche revolutionärer künstlerischer Entwicklungen. Wie kaum ein anderer Maler stand der experimentierfreudige Rohlfs den neuen Kunsttendenzen seiner Zeit offen gegenüber, ohne dabei seine eigene schöpferische Persönlichkeit aufzugeben.


Schon kurz nach seiner Ausbildung an der Weimarer Akademie, in der noch weitgehend die traditionelle Historienmalerei gepflegt wurde, wandte sich Rohlfs zu Beginn der achtziger Jahre der Landschaftsmalerei zu. Weimar und seine nähere Umgebung bildeten bis zur Jahrhundertwende das Hauptthema seiner Gemälde. In Farb- und Motivwahl orientierte er sich an der französischen Freilichtmalerei der Schule von Barbizon.


Seine von Henry van de Velde vermittelte Berufung nach Hagen durch Karl Ernst Osthaus im Jahr 1901 markiert den Beginn einer ungewöhnlichen Experimentierphase. Unter dem Eindruck der von Osthaus aufgebauten Sammlung moderner europäischer Kunst im 1902 eröffneten Folkwang-Museum gelangte Rohlfs als 52-jähriger, ausgereifter Künstler über die Auseinandersetzung mit Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Edvard Munch, dem französischen und belgischen Neoimpressionismus und dem Jugendstil schließlich zu einer neuen, doch unverwechselbaren Farb- und Formensprache.


Rohlfs wurde damit zum Weggenossen wesentlich jüngerer Neuerer der Malerei - der deutschen Expressionistengeneration -, ohne sich jedoch deren ausdrucksgeladenem Pathos anzuschließen. Die Farbe als zentrales Gestaltungsmittel gewann mehr und mehr Freiheit in seinem Œuvre. Vor allem in seinen Aquarellen und Temperablättern der zwanziger und dreißiger Jahre entwickelte Rohlfs schließlich unvergleichliche Farb-Licht-Kompositionen von schwebender Transparenz.


Das Osthaus Museum Hagen besitzt 875 Arbeiten aus allen Werkphasen des Künstlers.