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Auch die Gartenanlage der Villa Hohenhof ist eines der IGA-Projekte 2027. (Foto: Hans Blossey) Auch die Gartenanlage der Villa Hohenhof ist eines der IGA-Projekte 2027. (Foto: Hans Blossey)

IGA 2027 "Unsere Gärten": Villa Hohenhof

Das Projekt "Villa Hohenhof und Umfeld" ist der Beitrag der Stadt Hagen zur IGA Metropole Ruhr 2027 im thematischen Cluster "Historische Gärten und Parks". Seit 1999 ist der Hohenhof ein sogenannter Ankerpunkt der in Trägerschaft des RVR betriebenen Route der Industriekultur. Die Stadt Hagen als Eigentümerin des Hohenhofs betreibt das Gebäude als Außenstelle des Osthaus Museum Hagen. Der Garten des Hohenhofs wurde in das seit 2006 bestehende Europäische Gartennetzwerk (EGHN) als einer der Gärten des Ruhrgebiets in den Themenschwerpunkt "Geschichte der Gartenkunst" gewählt. Die Villa einschließlich der Garten- und Waldanlagen ist 2010 in die Denkmalliste der Stadt Hagen aufgenommen worden. Eine weitere Anerkennung erhielt der Hohenhof 2015 mit der Aufnahme in das Netzwerk berühmter Architektenhäuser des 20. Jahrhunderts ICONIC HOUSES. Es ist das einzige gelistete Gebäude im Ruhrgebiet und eines von zwei Gebäuden in NRW.


Damit erfüllt der Hohenhof die wichtigsten Kriterien zur Qualifizierung als eine der wichtigsten touristischen Adressen der Region und Nordrhein-Westfalens. Mit der Rekonstruktion der historischen Gartenanlage wird der Hohenhof als Gesamtkunstwerk einen Beitrag zur regionalen Entwicklung gemäß der touristischen Handlungsstrategie der Metropole Ruhr leisten und damit einen Beitrag zur Beförderung der Ziele des Masterplans Tourismus NRW. Der Hohenhof wird damit zur Qualitätsverbesserung des touristischen Angebotes auf Regional- und Landesebene beitragen.

Villa Hohenhof

Der Hohenhof in Hagen, den der belgische Künstler und Architekt Henry van de Velde (1963-1957) als Wohnhaus für den Hagener Folkwang-Gründer Karl Ernst Osthaus (1871-1921) und seine Familie gebaut hat, zählt zu den bedeutendsten architekturgeschichtlichen Gebäuden Europas. Wohnhaus und Gartenanlage wurden kurz nach der Jahrhundertwende gebaut und sind eines der wenigen erhaltenen Beispiele für ein Jugendstil-Gesamtkunstwerk. Der Hohenhof gehört zu den herausragendsten Architekturmonumenten in Hagen und Umgebung.


In Vorbereitung auf das Bauhausjahr 2019 wurde seitens der Stadt Hagen eine denkmalpflegerische Entwicklungskonzeption für den Garten an die Landschaftsarchitektin Susanne Weisser aus Wuppertal vergeben. Der Schwerpunkt der auszuführenden Arbeiten zum Bauhausjahr lag zunächst jedoch vorwiegend im Bereich der Architektur, dem Design und der Gebäudesubstanz selbst. Für die IGA Metropole Ruhr 2027 soll der Fokus jedoch ganz auf der Rekonstruktion des Gartens der Villa Hohenhof und dem städtebaulichen Umfeld liegen, in dem dieses Ensemble zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand: die Gartenvorstadt Hohenhagen.


Der Gebäudekomplex mit Wohnhaus, Remise und Taubenhaus ist von einem weitläufigen, parkähnlichen Garten- und Waldgrundstück umgeben. Das Ensemble bildet den südöstlichen Abschluss eines Areals, das von Karl Ernst Osthaus am Anfang des 20. Jahrhunderts für die Entwicklung der "Gartenvorstadt Hohenhagen“ gedacht war. Das ca. 200.000 m² große Grundstück wurde im Jahr 1906 als „rauch-, lärm- und nebelfrei“ (Immobilienanzeige, 1906), unmittelbar außerhalb der damaligen Stadtgrenze angeboten. Nach dem Vorbild der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe in Darmstadt (1901) und der Gartenstadt Hellerau bei Dresden (1908), plante Osthaus diese Gartenvorstadt gleichfalls als eine Künstlerkolonie.

Auf der Grundlage der denkmalpflegerischen Entwicklungskonzeption von 2018 wurde im Jahr 2020 eine Entwurfs- und Ausführungsplanung an L-A-E Landschaftsarchitekten Ehrig & Partner mbB aus Bielefeld zur Rekonstruktion der historischen Gartenanlage vergeben. Dank einer Projektförderung an den RVR zur Umsetzung des Leitprojektes "Offensive Grüne 2030“ – Aktionsprogramm Grüne Lückenschlüsse – Bausteine zur Umsetzung im Jahr 2020 erhielt die Stadt Hagen im Rahmen einer Weiterleitung der Projektmittel die Entwurfs- und Ausführungsplanung in Höhe von 83.226,82 Euro mit 100% von der Bezirksregierung Münster aus Mitteln des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Naturschutz- und Verbraucherschutz des Landes NRW gefördert.

Zwecks Realisierung dieses Vorhabens hatte die Stadt Hagen im Juli 2021 einen weiteren Förderantrag gestellt. Mit den Zuwendungen des Landes NRW und der Europäischen Union erhält die Stadt Hagen nunmehr eine Förderung in Höhe von 1.337.261,61 € im Rahmen der Richtlinie REACT-EU "Förderprogramm Grüne Infrastruktur" unter Einsatz von Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung( EFRE) 2014-2020 "Investitionen in Wachstum und Beschäftigung" in der Aufbauhilfe für den Zusammenhalt und die Gebiete Europas.

Rekonstruktion der Gartenanlage

Die vorliegende Planung bezieht sich in ihrer Struktur im Wesentlichen auf die Planung van de Veldes, welche dem Bebauungsplan von 1907 entnommen wurden. Haus, Garten und Siedlung sind nach der Planung van de Veldes durch vielfältige, achsiale Bezüge verbunden. Da der Hohenhof in einer Wiesenmulde zwischen zwei bewaldeten Höhen errichtet werden sollte, musste diese aufgefüllt werden. An der Ostseite steigt dadurch eine hohe Stützmauer aus dem Anger auf, welche die Ostterrasse gründet. Bau- beziehungsweise Detailzeichnungen speziell zum Garten liegen aus van de Veldes Feder leider nicht vor. Der Garten gliedert sich in folgende Teilräume:

  • Nordhof
  • Anger
  • Ostterrasse
  • Südgarten
  • Ostwald
  • Westwald
  • Westgarten.

Aus dem großmaßstäblichen Plan van de Veldes von 1907 lässt sich keine Bepflanzung des Gartens erkennen und es liegen auch keine weiteren Pläne aus der Feder van de Veldes vor. Weil Osthaus mit der Bepflanzung nicht zufrieden war, wandte er sich um das Jahr 1912 an den Gartenarchitekten Leberecht Migge aus Hamburg, um bei der Auswahl der Pflanzen von einem Fachmann beraten zu werden, der „in der Lage war, die in der Anlage liegenden Intentionen künstlerisch aufzufassen und gartentechnisch herauszuarbeiten, da diese im Wesentlichen feststand“. Migge wartete mit einem üppigen und farbenfrohen Bepflanzungsplan auf, mit Rosen, Sommerblumen und Stauden sowohl im Nordhof, auf der Ost-Terrasse, im Brunnenhof, im Südgarten und sogar im Nutzgartenbereich auf der Westseite. Auch die eine oder andere räumliche Modifizierung nahm Migge vor. Und dies nicht unbedingt zum Gefallen van de Veldes, der mehrfach intervenierte. Da ebenfalls um das Jahr 1912 ein unverkauft gebliebenes Grundstück im Süden in den Garten des Hohenhofs einbezogen worden war und van de Velde den Anger und die Waldbereiche mehr oder weniger aus dem Bestand übernommen hatte, konnte Migge auf diesen Flächen ohne größere Einschränkungen durch van de Velde tätig werden. So unterteilte Migge den Ostwald in einen lichten und einen dunklen Wald, fügte einen Birkenhain, eine Rhododendronachse, eine Ebereschengruppe sowie Sitzplätze und Waldpfade ein. Im Westwald legte er einen hippodromförmigen Spielplatz an. Die vorliegende Pflanzplanung der L-A-E Land-schaftsarchitekten Ehrig & Partner mbB, Bielefeld, orientiert sich daher für die gesamte Gartenlage des Hohenhofs an Migges Vorgaben.

Arbeiten in den verschiedenen Gartenbereichen

Der ehemalige Nordhof. (Foto: Stadt Hagen) Der ehemalige Nordhof. (Foto: Stadt Hagen)

Nordhof

Der Nordhof ist in seinen Wegestrukturen gut erhalten, weshalb hier vor allem pflanzliche Änderungen geplant sind. So gab es beispielsweise an der Remise drei Spaliere, die wiederhergestellt und mit Clematis montana berankt werden sollen. Grundsätzlich bezeichnete Migge diesen Gartenraum auch als Frühlingsgarten, weshalb in den Beeten bodendeckende Frühlingsblüher und Geophyten zum Einsatz kommen sollen. Das Rasenoval im Nordhof soll wieder auf Migges Planung zurückgeführt werden und erneut mit einem schmalen wassergebundenen Wegeband zu einem Yin-Yan-Zeichen ergänzt werden.

Anger

Im Übergang zwischen Taubenhaus und Anger wird die zusammengebrochene Mauer originalgetreu wiederhergestellt. Der Anger selbst soll wie historisch belegt als Wiesenraum mit Obststreuwiese unterhalb der Straße am Stirnband entwickelt werden. Außerdem sollen hier Sitzmöglichkeiten entstehen. Ein Teil des Angers ist forstamtlich als Wald im Sinne des Bundeswald- bzw. Landesforstgesetzes abgegrenzt. Um den Blick von der Bastion zur Ostterrasse zu schaffen, soll der Waldrand stufig gegliedert werden.

Blick auf die Ostterasse (Foto: Stadt Hagen) Blick auf die Ostterasse (Foto: Stadt Hagen)

Ostterrasse

In diesem Bereich soll nach den Vorgaben von van de Velde ein Mittelbeet entstehen, welches an den Gebäudekanten endet. Für die Bepflanzung sind gemäß Migges Entwurf Rosen in Verbindung mit Stauden vorgesehen. Eine zweite Kastanie, die Migge als Pendant zur nördlichen vorgesehen hatte, soll erneut gepflanzt werden. Um die Kastanie herum wird entsprechend historischer Fotografien eine Rundbank aufgestellt.

Ostwald

Die Waldsaumkante soll mit einem 3-reihigem Birkenhain nach Plänen von Leberecht Migge aufgewertet werden. Der Birkenhain war ein charakteristisches Gestaltungselement der Jugendstilzeit. Zusätzlich sollen die aufgemauerten Treppenwangen und die angedeutete Böschung rekonstruiert werden. Die am Weg liegende Buddagrube wird instand gesetzt, also mit den vor Ort befindlichen Steinen als Trockensteinmauer neu aufgesetzt. Eine Buddafigur sollte an diesem Ort in Proportion zum eingefassten Freiraum neu aufgestellt werden.

Blick in den Südgarten (Foto: Stadt Hagen) Blick in den Südgarten (Foto: Stadt Hagen)

Südgarten

Der Südgarten umfasst drei Rasenkompartimente und wird nach Süden durch den sogenannten Blumenzaun, einen weiß lackierten Holzzaun, halbmondförmig gefasst und in der Mitte nach Süden in einer Achse vom Arbeitszimmer des Hauses zum Mausoleum durchbrochen. Ziel ist es, das Mausoleum am Ende der Südachse als Blickpunkt herauszustellen.

Blick auf die Schaukel im Westwald (Foto: Stadt Hagen) Blick auf die Schaukel im Westwald (Foto: Stadt Hagen)

Westwald

Hier war ursprünglich von Migge ein Spielplatz in Form eines Hypodroms geplant. Auf einem historischen Foto ist eine Schaukel in Stahlbauweise erkennbar. Dieser soll als Waldspielplatz neu angelegt werden. Hierfür soll es während der Baumaßnahmen weitere gartenarchäologische Untersuchungen geben, um die genauen Abmessungen aus dem Miggeplan mit Befunden im Bestand abgleichen zu können.

Im Westgarten soll wieder ein Nutzgarten entstehen. (Foto: Stadt Hagen) Im Westgarten soll wieder ein Nutzgarten entstehen. (Foto: Stadt Hagen)

Westgarten

Der Westgarten als ehemaliger Nutzgarten wird in seiner Topographie rekonstruiert. Hier entstehen niedrige Mäuerchen, die ein Refugium für Reptilien und Amphibien sowie an Mauern gebundene Pflanzenarten bieten. Zusätzlich wird die Rotdornallee bis zur Straße erweitert.

Standort & Erreichbarkeit

Projektsteuerung IGA 2027:

Dipl. Ing. Irini Vassiliadis

Telefon: 02331/207-2682

Fax: 02331/207-2461

E-Mail: irini.vassiliadis@stadt-hagen.de


Gartenanlage:

Heike Wobeser

Telefon: 02331/207-4644

E-Mail: heike.wobeser@stadt-hagen.de

  • 27. April 2022 - Spatenstich am Hohenhof
  • Januar und Februar 2022 - Schnitt- und Fällarbeiten