Die Herkulesstaude / das Herkuleskraut / Kaukasischer Bärenklau


Vorstellung der Pflanze

Name: Herkuleskraut,-staude, Kaukasischer Riesenbärenklau, botanisch Heracleum mantegazzianum; 2-3-jährig; aromatisch


Standortfaktoren: überwiegend staunässegeprägte oder feuchte Bereiche der Flusstäler und Auen; im Zuge der anthropogenen (vom Mensch beeinflussten) Ausbreitung auch an Straßen- und Wegrändern, auf Höfen und Plätzen sowie Brachen. Die Pflanze bevorzugt helle und lichte Stellen.


Wachstum: Im ersten Jahr bildet die zwei- bis dreijährige Pflanze nur eine Blattrosette, im zweiten oder dritten Jahr den Blütenstand aus.


Blütezeit: Juni bis September


Blüte: große Dolden mit einem Durchmesser bis 50 cm mit weißen Einzelblüten, dazu mehrere Nebendolden. Großartige Bienenweide und Nektarspender für zahlreiche Insektenarten Blätter: grobe, 3-lappig eingeschnittene Blätter, Drüsenhaare


Stängel: im Kern hohler, bis zu einem Durchmesser von bis zu 10 cm starker geriefter Stiel, besetzt mit Drüsenhaaren


Wurzel: Tiefgehende "Pfahlwurzel", wenig Nebenwurzeln


Frucht: Bis zu 10.000 Samenkapseln, die ab April keimen


Besonderheiten: Die Drüsenhaare und die Pflanzenteile selbst enthalten ein Öl, das Furocumarin enthält und bei Berührung in die Haut geraten kann. Dieser Stoff, der nicht gefährlicher ist als das Gift der Brennessel, kann zu allergischen Reaktionen führen. Bei direkter Sonneneinstrahlung jedoch reagiert die Haut an den Berührungsstellen mit Verbrennungserscheinungen, weil vermutlich die Strahlungsintensität der Sonne durch den Stoff manipuliert wird (phototoxische Reaktion). Außerdem kann die Pflanze über den Mund eingenommen zu Lähmungserscheinungen der Glieder und der Atemwege führen. Daher sollte der Kontakt mit der Pflanze bei strahlungsintensivem Wetter gemieden werden. Kinder sollten von ihren Eltern darauf hingewiesen werden.


Herkunft, Verbreitung der Pflanze und Entwicklungstendenz: Das zu der Familie der Doldenblütengewächse (Umbelliferae) gehörende Herkuleskraut (Heracleum mantegazzianum) kommt, wie der Name bereits verrät, aus dem Kaukasus und ist mit dem bei uns lebenden Wiesen- Bärenklau verwandt und wird auch mit diesem oft verwechselt. In Westfalen ist das über aus imposante bis 3m hoch werdende Kraut etwa gegen 1890 eingeschleppt worden. Mit der zunehmenden Mobilität durch die Fahrzeugentwicklung für den Transport von Gütern auf der Straße, Schiene, Wasser und der Luft ist auch der Austausch mit Handelsgütern gewachsen. Damit wurde auch der Weg frei für die Verbreitung von bis dahin unerreichbaren Pflanzenarten, meist durch Samen oder als Mitbringsel von interessierten Botanikern oder Liebhabern. Während einige dieser "Neueinwanderer" wieder durch ungünstige Standortverhältnisse verschwinden oder sich nur zaghaft halten, können andere sich mühelos entwickeln oder sogar zu Massenvorkommen ausbreiten, wie der Kaukasische Bärenklau, das Drüsentragende Springkraut (Impatiens glandulifera), der Japanische Knöterich (Reynoutria japonica) oder die Kanadische Wasserpest (Anacharis canadensis).


In der Zeit von 1964 - 1984 ist eine starke Zunahme des Bärenklaus zu verzeichnen gewesen. Dies ist vermutlich auf die Entwicklung vom Nutzgarten zum Wohngarten, wo tendenziell eine vorrangige Verwendung von Ziergewächsen stattfindet, zurückzuführen. Andererseits ist die ebenfalls zur Massenentwicklung neigende Pflanze Kleinblütiges Franzosenkraut (Galinsoga parviflora), seit etwa 1850 eingewandert, vermutlich durch Umwandlung von Nutzgärten in Ziergärten rückläufig.


Was sind Neueinwanderer?

Die derzeitige Rechtslage erfordert zunächst die Darlegung einer einheitlichen Begrifflichkeit.


Aus der Fachliteratur ist folgendes zu entnehmen:


Aus den altheimischen Arten (Idiochore oder Idiochorophyten) der relativ artenarmen Pflanzengesellschaften haben sich durch menschlichen Einfluss die sonst seltenen, indigenen Arten von Sonderstandorten und Störstellen (Uferabbrüche usw.) zu kulturabhängigen Ersatzgesellschaften formiert, deren Arten (Apophyten) wiederum in der Häufigkeit positiv beeinflusst und von Zuwanderern aus fremden Florengebieten zu synanthropogenen Arten artenreicher Gesellschaften aufgebaut. Diese Zuwanderer oder Neueinbürger (Adventivpflanzen) können

  • nur an bestimmten Stellen leben oder wurden
  • Bestandteil naturnaher Ökosysteme.

Unterteilt werden die Adventiv-Organismen floristisch in

  • Ephemerophyten (vorübergehend eingeschleppte Arten, die sich wegen der ungünstigen Lebensbedingungen auf längere Zeit nicht halten),
  • Neophyten oder Neuadventive (in historischer Zeit hinzu gekommene Arten) und in
  • Archäophyten oder Altadventive (in prähistorischer Zeit eingebürgerte Arten, die feste Bestandteile der Flora geworden sind).

Neophyten haben gegenüber ihren urheimischen Arten einen Konkurrenzvorteil: Sie haben keine Fressfeinde oder Parasiten, die gleichzeitig mit importiert wurden.


Von ca. 12.000 in geschichtlicher Zeit nach Mitteleuropa eingeführten Pflanzenarten können sich nur 228 Arten auf naturnahen Standorten in der freien Natur behaupten. Von diesen wiederum weisen weniger als zehn Arten gebietsweise vehemente Ausbreitungstendenzen auf (Prof. Dr. Kowarik, Uni Hannover, 1994).


Derzeitige Rechtslage

Auch wenn Neophyten als hinzugekommene Adventiv- Organismen zu betrachten sind, stuft der Rechtsgeber sie als "heimische Arten" ein. Maßgebend für die ordnungsbehördliche Abgrenzung von standortheimischen zu nicht heimischen Arten ist § 20 a Bundesnaturschutzgesetz. Demnach ist heimisch im Sinne des Abschnittes 4 "eine wildlebende Tier- oder Pflanzenart, die ihr Verbreitungsgebiet oder regelmäßiges Wanderungsgebiet ganz oder teilweise

  • im Geltungsbereich dieses Gesetzes hat oder in geschichtlicher Zeit hatte oder
  • auf natürliche Weise im Geltungsbereich dieses Gesetzes ausdehnt.

Als heimisch gilt eine wildlebende Tier- oder Pflanzenart auch, wenn sich verwilderte oder durch menschlichen Einfluss eingebürgerte Tiere oder Pflanzen der betreffenden Art im Geltungsbereich diese Gesetzes in freier Natur und ohne menschliche Hilfe über mehrere Generationen als Population erhalten. Alle anderen Tiere und Pflanzen sind im Sinne von § 20 d Abs. 2 "gebietsfremd", die "nur mit Genehmigung der nach Landesrecht zuständigen Behörde ausgesetzt oder in der freien Natur angesiedelt werden dürfen". "Die Genehmigung ist zu versagen, wenn die Gefahr einer Verfälschung der heimischen Tier- oder Pflanzenwelt oder eine Gefährdung des Bestandes oder der Verbreitung heimischer wildlebender Tier- oder Pflanzenarten oder von Populationen solcher Arten nicht aufzuschließen ist".


In Anbetracht der Rechtslage wären Neophyten bereits als "heimisch" im Sinne des Gesetzes anzusehen. (Gleichwohl bestehen naturwissenschaftliche Probleme mit dieser oder jener Adventiv- Art, die aufgrund der Abundanz (Individuenzahl) als Begleiter in den heimischen Gesellschaften erheblichen Konkurrenzdruck ausüben).


Wie gehe ich mit dem Herkuleskraut um?

Wegen der starken Ausbreitung von Heracleum mantegazzianum, Reynoutria japonica und Impatiens glandulifera ist die Akzeptanz in der Bevölkerung stark gesunken. Erschwerend kommt hinzu, dass der Hautkontakt mit der Herkulesstaude zu Verbrennungen führen kann.


Die damit befassten Botaniker sind sich einig darüber, dass die Pflanzenarten der heimischen Gesellschaften von den Neueinwanderern verdrängt werden. Dies sind besonders die gewässerbegleitenden Pflanzengesellschaften der Fluss- und Bachauen. Damit werden auch die spezialisierten Tierarten mitverdrängt. Gravierende ökologische Schäden an anderen Tier- und Pflanzenarten jedoch wurden bisher nicht bekannt. Der in Hagen wohnende Geograph und Botaniker Prof. Herbert Kersberg (Buch: Flora von Hagen und Umgebung) ist der Auffassung, dass sich die Art bereits nahe dem Höhepunkt der Bestandsentwicklung befinde. Er empfiehlt, zu Forschungszwecken eine weitgehende unbeeinflusste Ausbreitung zu gewährleisten. Darüber hinaus könnten diese stattlichen Pflanzen in der ansonsten oft ästhetisch verarmten Landschaft belebend wirken. Zur Zeit rechtfertige die dargestellte Situation keine Maßnahmen gegen die Pflanzen. Imker und Enthomologen schätzen die Pflanze wegen der guten Nahrungsquelle. Im gehölzfreien Flussuferbereich trägt die Pflanze zur Verhinderung von Erosionsschäden bei. Tatsächlich kommt der Kaukasische Bärenklau wie viele andere Neophyten nur in gestörten Landschaftsteilen wie zum Beispiel Industriebrachen, Bauerwartungsland, Güterumschlag- und Lagerplätze, aufgerissene Straßenböschungen und Uferabrisse vor. Heracleum mantegazzianum wächst z.B. nicht innerhalb geschlossener und gehölzbestandener Ufersäume. Hier entwickeln die natürlichen Pflanzengesellschaften genügend Gegenkräfte. Bereits der Schattendruck dieser Säume vertreibt die Art.


Bekämpfungsmaßnahmen (sie sind übrigens sehr aufwendig und energiezehrend) wurden aus diesen Gründen meistens von den unteren Landschaftsbehörden abgelehnt. In Gebieten jedoch, wo eine deutliche Verdrängung tatsächlich heimischer Arten zu verzeichnen ist, besonders in Naturschutzgebieten, wird eine mechanische Bekämpfung gestattet.


Wie kann die Herkulesstaude naturnah eingedämmt werden?

Wie bereits angedeutet, wächst die Pflanze gar nicht oder erschwert in geschlossenen, gehölzbestandenen Ufersäumen. Die mit der Gewässerunterhaltung beauftragten Stellen und Eigentümer von Uferstreifen sind daher darauf hinzuweisen und zu unterstützen, den natürlichen Bewuchs an Ufersäumen wiederherzustellen. Es ist in Bachtälern darauf hin zu wirken, dass das Grünland regelmäßig genutzt wird. Da die Herkulesstaude gerne als Nektarspender für Bienen Verwendung findet, ist durch Aufklärungsarbeit die künstliche Ausbreitung einzudämmen.


In Ruderalflächen und offenen Landschaftsteilen kann der Samennachschub der Pflanze, da sie 2-3-jährig ist, durch zweimaliges Mähen während der Blüte gestoppt werden. Ebenso wird durch die Mahd die Energiereserve der Pflanze erschöpft. Die Pflanzenteile sind jedoch zu entfernen um ein Nachreifen der Samen zu verhindern.


Gibt es Gefährdungskategorien?

Ein konkreter Bewertungsmaßstab für die Verbreitungsgefährdung ist bisher nicht bekannt. Eine mögliche Definition für die Notwendigkeit von Bekämpfungsmaßnahmen ergibt sich aus der Artenmächtigkeit (die Kombination von Häufigkeit und Deckungsgrad, nach Braun-Blanquet), wenn die Probefläche größer als 30- 50% einer Adventiv-Art (in diesem Fall von der Herkulesstaude) bedeckt ist. Selbstverständlich geht dem eine Gewichtung der Schutzwürdigkeit des Landschaftsteiles, etwa wie bei einem Naturschutzgebiet, voraus.


Fazit:

Angesichts des Verbrauches der Landschaft durch den Menschen, der Verwendung von überwiegend urbanem (gärtnerischem, fremdländischem) Pflanzmaterial in den Gärten und Parks, Verinselung von ganzen Pflanzengesellschaften durch z.B. Straßen, Verwendung von Klonmaterial, z.B. bei Aufforstungen, Verwendung nicht regionaler Arten (z.B. Baumschulware aus anderen Ländern) und Verwendung gentechnologisch veränderter Arten usw, ist es nicht vertretbar, Maßnahmen gegen das Herkuleskraut oder anderer Neophyten als Rettungsmaßnahme für die angestammte Flora zu ergreifen. In der Natur ist immer eine gewisse Artenbewegung vorhanden, deren Spezifizierung nur wissenschaftlich untersucht und durch langjährige Beobachtungen fundiert wird. Ein allzu vorschnelles Urteil kann daher niemand fällen, zudem der Gesetzgeber die Ausrottung einer Art verbietet. Ausnahmen zum Beispiel zum Schutz der heimischen Arten sind vorgesehen. Der Zeitpunkt der Gefährdung muss jedoch wissenschaftlich untermauert werden.



Werbeanzeigen